Star der Woche: Claudia Eisinger

Diese Frau berührt, denn sie sucht sich keine einfachen Rollen. In "Mängelexemplar" spielt sie mitreißend eine Endzwanzigerin in einer heftigen Lebenskrise.

Und wieder ist ein "Ernst Busch"-Absolvent unser Star der Woche: Claudia Eisinger ist mit ihren 33 Jahren ein vielversprechendes Talent, das sowohl die leisen Zwischentöne, als auch die großen Kinogefühle hervorragend in Szene setzt. Ihre aufregendste Rolle ist sicherlich als Karo in "Mängelexemplar" (Freitag, 10. August, 20.15 Uhr, Arte), nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Sarah Kuttner. Karo ist eine 28-jährige Frau, die einen Nervenzusammenbruch erleidet, nachdem sie ihren Job als Eventmanagerin und ihren Freund verliert. Als sie auch noch die Beerdigung des Vaters der besten Freundin vergisst, steht sie ganz alleine da und sucht Hilfe bei einer Therapeutin.

Trailer zu "Mängelexemplar"

Bandbreite an Emotionen

Hysterisch, leise, laut, nachdenklich, sexy, zerstört, verwirrt, chaotisch – die Rolle der Karo verlangte Claudia Eisingers ganze Bandbreite an Schauspiel und Emotionen. Bei Karo dreht sich alles nur um sie selbst, sie ist einsam und hat plötzlich viel zu viel Zeit. Eisinger mimt überzeugend die Depressive. Besonders im Zusammenspiel mit ihrer Film-Mutter Katja Riemann (GOKA-Preisträgerin 1990 und 1992) lässt sie in einer Panikattacke alles schauspielerisches Können raus. Einfach nur sehenswert!

Schwarzer Berlinale-Teppich und erste Serienhauptrolle

Eisinger überzeugt aber auch als Mensch: Im Zuge der Mee-Too-Debatte startete sie Anfang des Jahres eine Petition, die den Roten Teppich der Berlinale als Zeichen gegen Sexismus schwarz gefärbt sehen wollte. Auch in ihrer ersten Serienhauptrolle "Zarah – Wilde Jahre" (2017, ZDF) " macht sie sich für die Rechte der Frauen stark. Sie spielt eine Journalistin in den 70ern, die für die Emanzipation kämpft.

Gegenüber Prisma sagte Claudia Eisinger: "Die Welt braucht die weibliche Energie, um wieder in Balance zu kommen." Darum gründete sie mit ihrem Partner Fabian Joest Passamonte die Filmproduktionsfirma "Wonderwave". Denn die soll, wie sie sagt, "dieses neue Lebensgefühl von Liebe und Freiheit in die Welt bringen." Gemeinsam entwickeln sie derzeit die internationale Filmserie "Wonder". Wie eng ihr Verhältnis zu Fabian Joest Passamonte wirklich ist, lässt sich kaum sagen.

Privat zählt Verantwortungsbewusstsein

Denn privat ist die Schauspielerin schwer zu greifen, es gibt keine Schlagzeilen, die wenige Interviews verraten kaum etwas über sie: "Ich versuche sehr bewusst und klar zu sein mit dem, was ich sage und an Informationen in die Welt bringe. Sichtbar zu sein, heißt einfach auch Verantwortung übernehmen, denn das, was ich sage, lesen anschließend ja auch ein paar Leute", erklärte sie gegenüber interview.de.

Die Rahmendaten sind dennoch bekannt: Claudia Eisinger ist gebürtige Ost-Berlinerin und war beim Mauerfall fünf Jahre alt. Eisingers Eltern trennten sich als sie 12 war, danach lebte sie bei ihrem Vater, einen Gynäkologen, bevor sie mit 16 Jahren nach Kanada zog. Sie spielte schon als Kind Theater, nach ihrer Rückkehr aus Amerika bekam sie gleich beim ersten Vorsprechen einen Platz an der renommierten "Ernst Busch"-Schauspielschule. Noch während dieser Ausbildung erhielt sie Engagements am Theater Dresden und Düsseldorfer Schauspielhaus.

In letzterem spielte sie "Das Käthchen von Heilbronn" und "Amerika" (nach Franz Kafka). Von 2009 bis 2011 übernahm sie am Deutschen Theater Berlin die Rolle der Luise in Schillers "Kabale und Liebe". Doch das Theater erfüllte sie nicht: "Es ist eine Mühle. So habe ich das empfunden. Das hat mich nicht nur nicht glücklich, sondern sehr unglücklich gemacht", sagt sie gegenüber "teleschau". Also wechselte sie zum Film.

Kinohauptrollen mit Kniff

Für den Kinofilm "13 Semester" (2009 neben Max Riemelt) wurde sie mit dem Günter-Strack-Fernsehpreis 2010 ausgezeichnet. In der Generations-Komödie "Wir sind die Neuen" spielte sie an der Seite von Heiner Lauterbach eine humorbefreite Streberin.

Besonders gute Kritiken und Auszeichnungen erhielt das Spielfilmdebüt des Regisseurs Paul Florian Müller "Sex & Crime" (2016). In der Krimikomödie mimt Eisinger neben Fabian Busch und Wotan Wilke Möhring eine Kellnerin, die nach einer Affäre bewusstlos am Boden liegt.

Ihre Markenzeichen in allen Rollen sind ihre großen Augen und der attraktive Schmollmund. Nach eigenen Angaben wird sie deswegen oft mit Heike Makatsch verglichen. In "Mängelexemplar" guckt sie die Zuschauer rührend mit schwarzunterlaufenden Augen wie ein Kind an. Für die Maske brauchte sie keine zehn Minuten. Die Orientierungslosigkeit und Verzweiflung stand ihr einfach ins Gesicht geschrieben.

Die Gefühlsachterbahn kennt Eisinger auch privat: Wenn sie einen schlechten Tag hat, setzt sie auf Sport, Yoga, geht gerne in die Natur und versucht bei sich selbst wiederanzukommen. Das Meer, Tanzen und Musik gehören ebenso zu ihren Allheilmitteln. Sie habe total Lust mal einen Tanzfilm zu machen, äußerte sie gegenüber Unicum.de. Wir dürfen also gespannt sein, was dieses Talent uns in den nächsten Jahren noch präsentieren wird.