Robert De Niro: Ein Superstar wird 75!

Charakterstark und wandlungsfähig: GOLDENE KAMERA-Preisträger Robert De Niro feiert Geburtstag – und teilt noch immer gern aus.

Dezenter Smoking, graue Haare, frisch gestutzter Bart. Der ältere Herr auf der Bühne ist keine auffällige Erscheinung und nur mittelgroß. Trotzdem ist jeder im Raum sofort elektrisiert. Denn da steht eine der größten lebenden Filmlegenden: Robert De Niro. Der Star fungiert als Lobredner für einen Gewinner des Tony Award, vergeben für die besten Theaterstücke am Broadway.

Mit der Presse redet Herr De Niro ungern, aber jetzt muss seine Meinung zur aktuellen US-Politik einmal raus: "Ich sage nur eins: Es kann nicht mehr heißen: Weg mit Trump!, es heißt: Fuck Trump!", ruft er von der Bühne. Das Publikum ist kurz irritiert, dann gibt es donnernden Applaus. Wie so oft im Leben des Robert De Niro. Keiner kann seinem Charisma widerstehen.

Vom "Taxi Driver" "durch die Hölle" zum "Paten"


Am 17. August feiert der Charakterdarsteller 75. Geburtstag. Das Fernsehen ehrt ihn mit mehreren seiner besten Filme, etwa "Die durch die Hölle gehen" (Freitag, 17. August, 22.25 Uhr, 3SAT), ein Werk, das auch von seiner geheimnisvollen Aura lebt.

Erstmals spürbar wird sie 1974 in "Der Pate II": De Niro spielt den jungen Mafiaboss Vito Corleone – und schafft damit den Durchbruch. Plötzlich ist er das neue, aufregende Gesicht einer Schauspielergeneration, die mit ihren Rollen sichtbar verschmelzen will. Für "Der Pate II" lernt De Niro sogar Sizilianisch. Lohn der Akribie: der erste Oscar. Nur zwei Jahre später wird er mit "Taxi Driver" zum berühmtesten Taxifahrer aller Zeiten: Um den schlaflosen Veteranen Travis mimen zu können, der aus Frust zur Waffe greift, streift er nächtelang mit echten Fahrern durch New York.

Insgesamt neun Filme drehte De Niro unter der Regie seines Freundes Martin Scorsese, der ihm 2008 auch die GOLDENE KAMERA für sein Lebenswerk überreichte. In der neusten gemeinsamen Produktion "The Irishman" spielt er einen Mafiosi, der 25 Morde verübt haben soll. Der Film kommt 2019 in die Kinos und neben De Niro werden weitere Stars wie Al Pacino, Joe Pesci und Harvey Keitel zu sehen sein.

"Wie ein wilder Stier"

Sein intensives Spiel und die kontroverse Diskussion um "Taxi Driver" machen ihn 1976 endgültig zum Star. Zum schauspielerischen Höhepunkt wird 1980 der Boxfilm "Wie ein wilder Stier", der den zweiten Oscar bringt. Es folgen Filmhits, aber auch Filmpleiten. Zum kommerziell größten Kinoerfolg wird sehr viel später ausgerechnet eine herrlich überdrehte Komödie: "Meine Braut, ihr Vater und ich" spielt mehr als 500 Millionen Dollar ein.

In der Filmwelt ist er eine feste Größe, in der Welt der Liebe herrscht Chaos: Auf die erste Ehe mit Anfang 30 folgt eine illustre Liste von Liebschaften mit bekannten Schönheiten. Es gibt eine längere On-off- Beziehung mit Starmodel Naomi Campbell, Affären mit Nastassja Kinski und Uma Thurman. Seit mehr als 20 Jahren ist De Niro mit der 12 Jahre jüngeren ehemaligen Stewardess Grace Hightower verheiratet. öfter ist von Trennung, gar Scheidung die Rede, doch so weit kommt es nie. Bisher. De Niro hat sechs Kinder: vier Söhne, zwei Töchter. Die jüngste, Helen Grace, kam im Dezember 2011 per Leihmutter zur Welt.

De Niro geriert sich gern als Einzelgänger, aber die Kasse muss stimmen. Da zeigt er beachtliches Geschick. Für die Gangsterrolle im Thriller "Heat", unvergessen durch den amüsanten schauspielerischen Schlagabtausch mit Al Pacino, kassiert er elf Millionen Dollar. Für einen mit Brad Pitt und Leonardo DiCaprio gedrehten Werbespot zehn Millionen. Das Geld steckt er in seine Filmfirma TriBeCa, benannt nach seinem New Yorker Lieblingsviertel.

Daneben widmet er sich seinem beachtlichen Besitz: Er ist Teilhaber ganzer Gebäudekomplexe in New York, dazu Miteigentümer der Restaurant- und Hotelkette "Nobu". Nach Hollywood zu ziehen war nie eine Alternative. "New York ist eben meine Heimat und der aufregendste Platz der Welt. Beverly Hills und Hollywood sind Inseln der Glückseligen, nicht real. Ich bin ab und an zum Drehen in L.A., leben könnte ich dort nicht", beteuert er glaubwürdig.

De Niros kompromisslose Art ist keine Attitüde, eher sein Markenzeichen. Noch heute erzählt man sich, wie er in der Boxerrolle für "Wie ein wilder Stier" aufging, im wahrsten Sinn des Wortes: Er nahm 25 Kilo zu, litt in der Folge unter Bluthochdruck sowie geschwollenen Beinen und spielte auch nach gebrochener Nase weiter. Unerschrocken, draufgängerisch. Das bleibt er auch mit 75 Jahren. Donald Trump sollte sich vorsehen.