Braune Brutalität im "Polizeiruf: Das Gespenst der Freiheit"

Der vorletzte Fall für Matthias Brandt spielt im rechtsextremen Milieu. Ein Flüchtling wird zu Tode geprügelt. Als Widersacher dabei: Joachim Król.

Dumme Parolen, Machtkampf unter Staatsdienern und ein totgeprügelter Flüchtling. Im "Polizeiruf 110: Das Gespenst der Freiheit" (Sonntag, 19. August, 20.15 Uhr, Das Erste) ist Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) fassungslos gegenüber brauner Blödheit und den Machenschaften des Verfassungsschutzes.

Darum geht's im "Polizeiruf: Das Gespenst der Freiheit"

Betreten sitzt ein Mädchen vor Hanns von Meuffels (Matthias Brandt). Sie berichtet ihm unter Tränen, wie ein Flüchtling sie nachts abgepasst und belästigt habe. Vier Jungen hätten sie gerettet. Doch diese Jugendlichen haben den Einwanderer zu Tode getreten. Über vierzig Mal haben sie gegen den Kopf und den Körper des Mannes moslemischer Herkunft getreten. Unter den Tätern, die verhaftet werden, ist Farim (Jasper Engelhardt), ein Halbiraner dem Kameradschaft und seine deutsche Freundin über alles gehen und der immer wieder beteuert ein Arier zu sein.

Verfassungsschutzmitarbeiter Peter Röhl (Joachim Król) sorgt dafür, dass Farim aus der Untersuchungshaft entlassen wird. "Vier Deutsche im Knast wegen eines Asylanten", das geht laut Röhl nicht. Er wirbt Farim als V-Mann an und stellt ihm sogar eine Waffe. Ein tödlicher Fehler. Meufels überwacht den Jungen und seine nationalsozialistischen Kameraden, doch Röhl verlangt die Observation einzustellen. Ein Gerangel zwischen den beiden Beamten führt zur Eskalation.

Hintergrund

Voraussichtlich im Winter wird Matthias Brandt in "Warum hast Du mir nicht gesagt, dass Du zwei Beine hast?"(AT) zum letzten Mal als Hanns von Meuffels zu sehen sein, danach ermittelt Verena Altenberger als Hauptkommissarin Elisabeth Eckhoff in München.

Die Rolle des Farim spielt Jasper Engelhardt. Der Schweizer ist derzeit am Schauspielhaus Zürich tätig und stand schon seitdem er 14 Jahre alt ist auf der Bühne. "Das Gespenst der Freiheit" ist seine zweite TV-Produktion. Der 24-Jährige machte letztes Jahr den Abschluss BA Schauspiel an der Züricher Hochschule der Künste.

In der Rolle des Dr. Krögl, der sehr eindringlich in der Schlussszene zu sehen ist, steht Karl Knaup vor der Kamera, der ältere Bruder von Herbert Knaup. Knaup drehte schon regelmäßig für den "Polizeiruf 110" und den "Tatort". Gemeinsam mit seinem Bruder war er im Kluftingerkrimi "Milchgeld" zu sehen.

Regie führte Jan Bonny, der auch schon den preisgekrönten "Polizeiruf 110: Der Tod macht Engel aus uns allen" inszenierte. Sein aktueller Kinofilm "Wintermärchen", der derzeit läuft, porträtiert ebenfalls jugendliche Nationalsozialisten. Bonny bringt eine große Bandbreite an Können mit. So überrascht er beispielsweise mit einem Musikvideo für Olli Schulz oder einem Werbespot für Coca Cola. Mit Joachim Król drehte er schon "Über Barbarossaplatz".

Am 23. September wird Joachim Król wieder in einer ARD-Produktion zu sehen sein. "Lehman. Gier frisst Herz", ein Dokudrama über den Bankkrott der Lehman Brothers-Bank. Zur gleichen Zeit ist Król mit "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm" (Start: 13. September) im Kino.

GOKA-Kritik:

Brisantes, leider aktuelles Thema, das schwer bedrückt. Bei den vielen dummen rechtsradikale Parolen kann es einem als Zuschauer schon mal schlecht werden. Und wenn im Film keiner der Passanten auf die "Sieg Heil"-schreienden und sich prügelnden Jugendlichen reagiert, fragt man sich, wie schlimm die Welt inzwischen wirklich ist. Die minutenlange Gewalt erträgt man im Film teilweise nur schwer. An vielen Stellen wirkt der Krimi überzeichnet und gerade zu Anfang etwas verworren. Deshalb gehört dieser nicht zu von Meuffels stärksten Fällen. Was ihn aber durchaus sehenswert macht, ist die erstklassige Schauspielerriege:

Joachim Król spielt, beispielsweise als er seine Autorität über den Halbiraner demonstriert, wie immer sehr intensiv. Nachwuchsschauspieler Jasper Engelhardt überzeugt mal ernst, folgsam, nachdenklich, wütend oder auch verzweifelt. Es ist kaum zu glauben, dass dies gerade mal seine zweite TV-Rolle ist. Wir werden den Jungschauspieler in Zukunft sicher noch öfter sehen. Und Matthias Brandts / von Meuffels besonnene Art bei den Verhören ist nach wie vor einzigartig: Er erzählt seelenruhig dem Täter, dass das Gehirn des Opfers nur noch in einem "See aus geronnenem Blut schwamm" und nimmt dann dessen Gesicht in die Hände um zu fragen, wer von den Vieren die tödlichen Tritte ausgeübt hat. Stark!