Mord und Knödel im "Tatort: Die robuste Roswita"

Ein Hoch auf Klamauk und Kartoffeln: Im "Tatort" aus Weimar wird die zum Kloß verarbeitete Knolle genau so zelebriert wie die kernigen Sprüche von Lessing und Dorn.

Im "Tatort: Die robuste Roswita" (Sonntag, 26. August, 20.15 Uhr im Ersten) spielt der Mord an dem Besitzer eines Kloßimperiums nur eine untergeordnete Rolle. Situationskomik und Wortwitz bestimmen die 90 Minuten.

Darum geht's im "Tatort: Die robuste Roswita"

Von der Leiche ist nichts mehr übrig: Was aussieht wie Katzenstreu sind die sterblichen Überreste des Kloßkönigs Christoph Hassenzahl. Der Geschäftsführer einer traditionsreichen Kloßmanufaktur wurde bei -196 Grad im Schockfroster mittels Ultraschall zerkleinert. Seine Geliebte Cordula Remda-Teichel (Christina Große), die Vorarbeiterin der Firma, wirkt gefasst und führt Lessing (Christian Ulmen) und Dorn (Nora Tschirner) durch die Fabrik. Plötzlich taucht dort, pünktlich zum Tod ihres Mannes, die vor sieben Jahren spurlos verschwundene Ehefrau Roswita Hassenzahl (Milena Dreissig) auf.

Sie behauptet der Grund ihrer Abwesenheit sei ein totaler Gedächtnisausfall gewesen. In dieser Zeit hat sie einen neuen Partner Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff) kennengelernt und putzt seitdem auf einer Tanksteller die Toiletten. Ausgerechnet als sie im Radio vom Tod ihres Mannes erfahren habe, sei ihr Gedächtnis zurückgekehrt. Kira Dorn nimmt ihr die Geschichte ab: "Die Amnesie kaufe ich Ihnen total ab – wer wird schon freiwillig von der Kloßkönigin zur Königin der Klos." Doch was für ein Verhältnis hatte sie wirklich zu ihrem Mann, der sogar eine Kartoffel nach ihr benannt hat? Und warum hatte Hassenzahl kurz vor seinem Tod die Lieferung der neuen Ernte des Bauern Thomas Halupczok (Jörn Hentschel) gekündigt?

Hintergrund

Nach dem Weimarer Tatort "Der irre Iwan" führte Richard Huber auch bei der "Robusten Roswitha" Regie. Bei den Dreharbeiten in der Kloßmanufaktur mussten die Mitarbeiter am Set sich an die Hygienevorschriften halten: "Man gewöhnt sich aber schnell daran, dass ein ganzes Team in weißer Schutzkleidung und mit roten Kopfbedeckungen durch die Kartoffeln stolpert", erklärt der Regisseur.

Christina Große, die hier die Rolle der Geliebten Cordula Remda-Teichel übernommen hat, war in diesem Jahr schon im "Tatort: Sonnenwende" und im "Tatort: Waldlust" zu sehen. 2017 spielte sie neben Jella Haase in "Das Leben danach". 2015 war die 47-Jährige für den Grimme-Preis nominiert.

Jörn Hentschel, der den Bauern Thomas Halupczok verkörpert, kennt man aus den Serien "Weissensee" (als Volkspolizist Volker Pohlmann), "Heldt" (als Kriminalkommissar Erik Schubert) und "Zarah – Wilde Jahre" (als Dr. Wolfgang Schaffelgerber, der Zeitungs-Politikchef). Auch Milena Dreissig (Rolle Roswitha) spielte in "Zarah" eine Redaktionsmitarbeiterin. Zudem gehörte sie zum festen Ensemble von "Stromberg" und "Unter uns". Derzeit ist sie regelmäßig in einer Hauptrolle in der Sat.1-Sketch-Comedy "Rabenmütter" zu sehen.

GOKA-Wertung

Die Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger haben sich mal wieder selber an Kreativität übertroffen und machen vor nichts Grotesken Halt. Die Dialoge sind überspitzt und es werden jede Menge Floskeln und Redewendungen rausgehauen, wie "Keine Haare am Sack, aber La Paloma pfeifen!" Das ist ganz klar Geschmackssache.

Für einige Zuschauer mag dieser "Tatort" zu albern und absurd sein, aber selbst die größten Miesepeter werden sicher über den einen oder anderen Spruch zumindest schmunzeln können, schließlich erinnern die Kalauer an den Münster-"Tatort", der zuletzt in der Episode "Schlangengrube" auch von kulinarischen Experimenten handelte. Hier reimen die Hauptfiguren sogar über das Essen: "Famos ist der Kloß auf dem Porzellan mit dem Schwan", das ist eindeutig zu viel des guten.

Zudem nervt Lessings Besserwisserei inzwischen nicht nur Dorn, sondern leider auch den Zuschauer. Nach fast fünf Jahren Weimarer Tatort, würden wir da gern mehr Tiefe bei dem Paar sehen. Vieles wirkt unglaubwürdig, umso größer ist die Erleichterung, dass am Ende doch alles logisch aufgeht. Insgesamt leichte Krimikost, die trotz oder gerade wegen des vielen Klamauks unterhaltsam bleibt.