GOLDENE KAMERA-Kandidat: "Der große Rudolph"

Konsum, Kitsch und Kapitalismus – die Gesellschaftssatire über Rudolph Moshammer zeigt den extravaganten Modezar in den 80ern. Mit Hannelore Elsner und Thomas Schmauser.

Angelehnt an das Leben des exzentrischen Modedesigners Rudolph Moshammer porträtiert "Der große Rudolph" (19. September, 20.15 Uhr im Ersten) den Aufstieg des Münchner Originals. Bereits am 17. September zeigt der BR um 22 Uhr die Dokumentationreihe "Lebenslinien Rudolph Moshammer – was vom Traum geblieben ist".

Trailer: Der große Rudolph

Darum geht's in "Der große Rudolph"

München, Anfang der 80er Jahre: Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser, hier im Exklusiv-Interview) und seine Mutter Else (Hannelore Elsner) empfangen in ihrem Laden in der Maximilianstraße mit viel Bussi-Bussi die Schickeria. Hinter den Schaufenstern herrscht mehr Schein als Sein, doch mit dem richtigen Auftreten bezirzt der Modezar die berühmte Kundschaft. Dennoch erwarten die Finanziers Gerdi (Sunnyi Melles) und Toni (Hanns Zischler) mehr Umsatz. Sie wollen nicht nur die berühmten Stars wie Thomas Gottschalk, sondern den reichen Adel in der Maximilianstraße sehen. Sie verlangen von Rudi, dass er Konstantin Graf von Antzenberg (Robert Stadlober) das Geld aus der Tasche zieht, ansonsten drehen sie der Boutique den Geldhahn zu.

Aber Moshammer lässt sich nicht beirren, er greift zu einer neuen Wunderwaffe: Evi (Lena Urzendowsky). Das, wie Moshammer sie nennt, "verhuschte Mädchen" kann er ganz nach seinem Willen formen und mit ihr den Laden zum Laufen bringen. Doch der eifersüchtigen Mutter ist die junge Evi ein Dorn im Auge.

Hintergrund

Der Film ist nur lose an das Leben von Moshammer angelehnt. Halb fiktiv, halb real erzählt er von den Anfängen seiner Karriere Drehbuch und Regie übernahm Alexander Adolph, der bereits für diverse Tatorte und weitere Filme wie "Der letzte Angestellte" mehrfach mit Film- und Fernsehpreisen ausgezeichnet wurde. Er traf den Modezar auch persönlich: "Ende der 90er hab ich ihn mal interviewt, und da war ich verblüfft darüber, dass er sich einerseits sehr bescheiden, geradezu demütig gab, wenn er erzählte wie dankbar er sei, wenn Menschen auf der Straße die Tüte mit seiner Aufschrift trügen – andererseits hatte er aber auch immer wieder ein unerwartetes Maß an Aggression in der Stimme." Für seine Recherchen sprach er auch mit Bekannten und Angestellten Moshammers. Obwohl auch die Polizei Auskunft zum Mordfall Moshammer erteilte, entschied sich Adolph bewusst dagegen, vom traurigen Tod des Modemachers zu erzählen.

Was Hauptdarsteller Thomas Schmauser an dem Modezar so berührte, ist dass er so anders sein wollte: "Ich finde es für unsere Gesellschaft zwingen notwendig, dass die jungen Leute wissen, dass es Figuren gibt, die sich was trauen."

Die Rolle des Chauffeurs spielt übrigens Pavel Trávníček, der als Prinz in "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (1973) berühmt wurde.

GOKA-Wertung

Der Zeitgeist und das Lebensgefühl der 80er Jahre wird in diesem Film zum Leben erweckt – eine Epoche des schicken Münchens, als Selbstdarstellung noch alles war. Hier geht es nicht um Skandale, Homosexualität oder Hunde. Es wird nicht der schillernde Mosi, sondern ein nachdenklicher feinfühliger Rudolph Moshammer porträtiert.

Gerade die vielen Facetten des Exzentrikers machen diesen Film so interessant. Wer hier ein voyeuristische Blick auf das Ende (die Ermordung) und die Exzesse des Modezars erwartet, wird enttäuscht. Es ist ein feiner, leiser Film über einen lauten Menschen und die Anfänge seiner Karriere. Auch wenn man kein Moshammer-Fan ist, wird seine Figur hier so klug und interessant erzählt, dass man sich in die Geschichte hineinziehen lässt. Das Spannende: Bei den Charakteren weiß man nie, ob sie es gut oder böse miteinander meinen. Überhaupt überzeugt das kleine, aber feine Ensemble. Allen voran die beiden Hauptdarsteller und ihre Perücken.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)