Gruseliger Neustart beim "Tatort"-Kiel: "Borowski und das Haus der Geister"

In seinem 32. Einsatz bekommt es Kommissar Borowski (Axel Milberg) nicht nur mit seiner neuen impulsiven Partnerin Mila Sahin (Almila Bagriacik) zu tun, sondern auch mit scheinbar übersinnlichen Phänomenen.

Im Vorfeld des neuen Kieler "Tatorts" richtete sich die geballte Aufmerksamkeit der Vorberichterstattung auf Almila Bagriacik, die in "Borowski und das Haus der Geister" (2. September, 20.15 Uhr, Das Erste) die Nachfolge von Sibel Kekilli als Partnerin von Axel Milberg antritt. Doch der gemeinsame Neustart des norddeutschen Ermittlerduos gestaltet sich etwas anders als erwartet...

Darum geht's im "Tatort: Borowski und das Haus der Geister"

Ein mysteriöser Brief seiner Patentochter Grete (Emma Mathilde Floßmann) veranlasst Klaus Borowski (Axel Milberg), nach Jahren der Funkstille im abgelegenen Haus seines alten Freundes Frank (Thomas Loibl) vorbeizuschauen, der dort mit Grete und seiner anderen Tochter Sinja (Mercedes Müller) lebt. Borowski ist noch immer überzeugt, dass Frank damals seine spurlos verschwundene Frau umgebracht hat und will die Ermittlungen wieder aufnehmen, als Franks labile neue Partnerin Anna (Karoline Schuch) von nächtlichen Geistererscheinungen berichtet.

Gut, dass sich zeitgleich die 28-jährige Spezialistin für Operative Fallanalysen Mila Sahin (Almila Bagriacik) von Berlin nach Kiel versetzen ließ. Denn beim wieder aufbrandenden Psychoduell unter den alten Freunden braucht Borowski jemanden, der ihm den Rücken freihält.

Hintergrund

Dass der Kieler "Tatort"-Kommissar wie im Vorgänger "Borowski und das Land zwischen den Meeren" wieder inmitten metaphysischer Phänomene ermittelt, kommt nicht von ungefähr. Beim Drehbuch ließ sich Autor Marco Wiersch nämlich merklich von Alfred Hitchcocks Mystery-Drama "Rebecca" (1940) inspirieren. Auf die dramaturgischen Parallelen zu Thorold Dickinsons Noir-Thriller "Gaslicht" (1940), in dem ein Ehemann seine zweite Frau in den Wahnsinn treiben will, wird in einem Gespräch zwischen Borowski und seinem Chef (Thomas Kügel) sogar dezidiert eingegangen.

Neben diesen Retro-Reminiszenzen ist das Kommissarinnen-Debüt von Almila Bagriacik im 32. "Tatort"-Fall aus Kiel nicht die einzige Neuerung. Denn zum ersten Mal bekommt der Zuschauer auch Borowskis Ex-Frau Gabrielle zu Gesicht, die mit lässigem Charme von Heike Trinker verkörpert wird.

GOKA-Wertung

Während Regisseur Elmar Fischer ("Götter in Weiß") und Kameramann Philipp Sichler die Gruselpassagen mit gekonnt eingesetzten Horrorfilm-Anleihen in packende Fernsehminuten verwandeln, bereiten sie dem eigentlichen Kern dieser "Tatort"-Episode mit raffinierter Blicklenkung eine perfekt inszenierte Bühne. Im Zentrum von "Borowski und das Haus der Geister" steht nämlich das Psychoduell zwischen dem Kommissar und seinem mordverdächtigen Freund, das von Axel Milberg und Thomas Loibl in schönstem Hahnenkampf-Machismo zelebriert wird.

Und Almila Bagriacik? Bringt mit ihrer ungestümen no-nonsense-Art wirklich frischen Wind in den "Tatort"-Klassiker aus Kiel. Allerdings lässt sich an der Tatsache, dass Kommissarin Mila Sahin erst nach 28 Minuten eingeführt wird, bereits ablesen, dass Borowski-Fall Nr. 32 komplett auf den kopfgesteuerten Kommissar zugeschnitten ist und seine neue Kollegin nur die zweite Geige spielt. Da wäre in einem weniger persönlichen Borowski-Fall sicherlich mehr Spielraum für Almila Bagriacik drin gewesen. Die coole Art und Weise, wie Kommissarin Sahin den Zuschauern erstmals präsentiert wird, macht aber definitiv Lust auf mehr.