Star der Woche: Michael Roll

Er ist einer der vielseitigsten und meistbeschäftigten deutschen Schauspieler. GOLDENE KAMERA sprach mit Michael Roll und verrät das Geheimnis seines Erfolges.

Sein Gesicht kennen die Zuschauer seit Jahrzehnten. Er wirkte in allen großen deutschen TV-Krimis mit und rührte in unzähligen Liebesfilmen das Publikum. Dabei spielte er neben Stars wie Iris Berben, Günter Strack und Senta Berger: Michael Roll ist seit 1982 einer der gefragtesten deutschen Schauspieler. Seit 2003 spielt er neben Ulrike Kriener die Hauptrolle in "Kommissarin Lucas".

Im aktuellen 27. Fall "Das Urteil" (1. September, 20.15 Uhr, ZDF) muss er in seiner Rolle als Kommissar um seine Kollegin bangen: Ellen Lucas wird von einem verurteilten Mörder, den sie selbst hinter Gittern gebracht hatte, entführt.

Neben diesem Krimi wirkt Roll in noch vielen weiteren Reihen mit: Seit 2015 hat er einen festen Part in der Heimatfilmreihe "Lena Lorenz", von 2006 bis 2012 spielte er in dem Neunteiler "Liebe, Babys und ein großes Herz" den Held. Und auch in den Serien "Wilder Kaiser" (1999-2001), "Der König" (1994-1998 mit Günter Strack) und "Die schnelle Gerdi" (1989 neben Senta Berger) hielt er jeweils die Hauptrolle inne. Derzeit steht er erneut für die Reihe "Mordshunger" vor der Kamera.

Als Sohn des Kameramanns Gernot Roll war ihm der Weg zum Film quasi in die Wiege gelegt worden. Schon zu Schulzeiten arbeitete er als Synchronsprecher und nahm nach der Schule privaten Schauspielunterricht. Seine erste Rolle in "Die Kraftprobe" neben Hannelore Hoger (1982) brachte ihm gleich so viel Aufmerksamkeit, dass er fortan von Produktion zu Produktion weitergereicht wurde. 1989 bekam er für "Der Mann im Salz" als bester Nachwuchsschauspieler den Deutschen Darstellerpreis.

Ausdauernd ist er auch wenn es um gute Taten geht: Seit 24 Jahren ist er karitativ tätig – entweder für den Eagles Charity Golf Club e.V. oder seine eigene Michael Roll Stiftung. Er hat drei Töchter und ist mit seiner neuen Frau Claudia Heiss seit 2016 verheiratet.

GOLDENE KAMERA traf den Star zum Interview:

In Ihrer Rolle als Erster Kriminalhauptkommissares Boris Noethen sitzen Sie viel im Büro und sind selten am Tatort– welches war dennoch ein spannender Außendreh?

Wir hatten mal einen Fall, in dem ein Mädchen unter Wasser angekettet war. Und da haben wir viel in einem Pool tatsächlich unter Wasser gedreht. Das war schon sehr spannend. So was macht natürlich immer Spaß.

Sollte sich ihrer Meinung nach der One-Night-Stand von Ellen und Boris wiederholen?

Auf keinen Fall, dann wär‘s ja kein One-Night-Stand mehr. Außerdem ist das in der damaligen Folge eine spontane Situation gewesen, die sich mit der heutigen Entwicklung der Figuren nicht mehr erzählen ließe.

Boris Noethen besteht auf Regeln und ist auch ein bisschen ein Klugscheißer – was war der größte "Klugscheißerspruch" an den Sie sich erinnern?

"Wenn ich Dich ab heute wieder sieze, hat das nichts damit zu, dass ich Dich nicht mehr mag" – Boris zu Lucas, so oder so ähnlich.

Trotzdem ist Boris bei den Kollegen beliebt – warum sind Sie am Set beliebt?

Das müssen bitte andere beurteilen, ob ich am Set beliebt bin. Boris jedenfalls ist ein Chef, der für sein gesamtes Team ein offenes Ohr hat und trotzdem den Fall nie aus den Augen verliert.

In "Das Urteil" geht es u.a. um unser Gedächtnis, das manipuliert werden kann. Welche Rolle in Ihrer Karriere würden Sie gern vergessen? An welche Rolle erinnern Sie sich immer noch am liebsten?

Ich möchte keine einzige Rolle aus meinem Gedächtnis streichen, alle gehören ja zu mir und meiner Vita. Besonders werden mir allerdings meine ersten Hauptrollen in Erinnerung bleiben: „Ein naheliegender Mord“ von Oliver Storz und. „Der Mann im Salz“ von Rainer Wolffhardt. Beides absolute Regiegrößen, aber leider inzwischen auch beide verstorben.

Frau Kriener sagte in einem Interview: "Bei 'Kommissarin Lucas' gab es auch Jahre, in denen es Zoff gab. In denen ich gehadert habe, oder mich missverstanden und nicht wertgeschätzt fühlte." – können Sie das nachvollziehen?

Über einen so langen Zeitraum gibt es immer wieder Zweifel und Meinungsverschiedenheiten und vielleicht auch das Gefühl nicht genug wertgeschätzt zu werden. Aber trotzdem sind wir alle ein unglaublich eingeschworenes Team. Ich denke, wir haben im Moment ein sehr homogenes und inspirierendes Team bei 'Lucas'. Und so was spüren die Zuschauer und schalten deshalb vielleicht gerne ein...

Sie sind geprüfter Skilehrer, haben einen Flugschein, ein Golf-Handicap von 11,5, sie können reiten, tauchen, Klavier und Gitarre spielen. Gibt es ein Hobby, das Ihnen noch fehlt? Welches Hobby würden Sie warum auf keinen Fall ausüben wollen?

Fallschirmspringen. Kein Pilot springt aus einem funktionierenden Flugzeug.

Wie laufen die Dreharbeiten zu "Mordshunger – Verbrechen und andere Delikatessen"?

Auch "Mordshunger" ist so eine glückliche Fügung. Wenn man mit so großartigen Kollegen wie Anna Schudt und Aurel Manthei vor der Kamera steht, wird der Beruf zum Hobby, zur Spielwiese.

Interview: Kristina Heuer