GOLDENE KAMERA-Kandidat: "Schöne heile Welt"

Richy Müller als Sozialschmarotzer, der einen afrikanischen Flüchtlingsjungen unter seine Fittiche nimmt.

Das TV-Drama "Schöne heile Welt" (20. Februar, 20.15 Uhr, Das Erste) beleuchtet das Flüchtlingsdrama aus einer neuen Perspektive.

Darum geht's in "Schöne heile Welt"

Willi (Richy Müller) schlawinert sich so durchs Leben. Mit Mitte 50 lebt er von Hartz IV und den Tricks, die er sich so einfallen lässt. Als seine Nachbarin stirbt, vermietet er unter der Hand die Wohnung an eine afrikanische Flüchtlingsfamilie. Der Junge (N’Tarila Kouka), den Willi kurzerhand Franz tauft, weil er den richtigen Namen nicht aussprechen kann, erinnert ihn an seinen eigenen Sohn, zu dem er seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Obwohl die beiden kaum miteinander kommunizieren können, freunden sie sich langsam an. Schließlich entdecken Willi und Franz sogar eine gemeinsame Leidenschaft: Das Eislaufen. Doch dann soll Franz mit seiner Familie wieder in seine Heimat abgeschoben werden. Willi, den bisher fremde Schicksale kalt gelassen haben, läuft zur Höchstform auf um die Familie zu retten.

Hintergrund

Regisseur und Drehbuchau­tor Gernot Krää erhielt 2015 für "Schöne heile Welt" eine Nominierung beim Deutschen Drehbuchpreis. Er erhielt schon zahlreiche Preise, jüngst den Publikumspreis auf dem Münchner Filmfest für seinen Kinofilm "Wackersdorf".

Hauptdarsteller Richy Müller ist Jury-Mitglied der GOLDENEN KAMERA 2019. Die Zuschauer kennen ihn vor allem als Hauptkommissar Thorsten Lannert im Stuttgarter "Tatort". Eine Rolle, die er seit 2008 verkörpert. Der Durchbruch gelang ihm bereits 1979, ebenfalls als armer Schlucker: In "Die große Flatter" spielt er den obdachlosen Jungen Richy – ein Name, der Hans-Jürgen (so sein Geburtsname) fortan als Künstlername begleitete.

GOKA-Kritik

Richy Müller spielt glaubwürdig die verschrobenen Type. In seiner Grantigkeit und Engstirnigkeit bleibt er sympathisch. Mit dem jungen N’Tarila Kouka entsteht ein amüsantes Zusammenspiel, das ohne viel Worte unterhaltsam ist. Dass das Leben am Rande der Gesellschaft kein Zuckerschlecken ist, macht der Film schnell deutlich: Gewalt und Missbrauch werden ebenso thematisiert wie Fremdenhass und Hoffnungslosigkeit. Insgesamt ein hochaktueller, einfühlsamer - wenn auch am Ende etwas zu sentimentaler Film.