Star der Woche: Bibiana Beglau

Die preisgekrönte Charakterdarstellerin Bibiana Beglau überzeugt in schwierigen Rollen.

"Ich würde jederzeit einen Fanclub für sie gründen", sagt Maria Furtwängler gegenüber der Bild-Zeitung über Bibiana Beglau. Wie die Hannover "Tatort"-Kommissarin zu dieser Aussage kommt, lässt sich leicht nachvollziehen – schließlich ist Beglau keine 08/15-Schauspielerin. Mit ihrer tiefen markanten Stimme und ihrem intensiven Spiel beeindruckt sie gleichermaßen Kollegen und Zuschauer im Theater und auch im Kino und TV. Am 7. September um 20.15 Uhr ist sie auf Arte in einer besonders drastischen Rolle zu sehen. Im GOLDENE KAMERA-Kandidaten "Sieben Stunden" stellt Beglau die auf der wahren Geschichte der Gefängnis-Pyschologin Susanne Preusker beruhende Frau dar, die von einem Häftling gefoltert und mehrfach vergewaltigt wird.

Trailer: "Sieben Stunden"

Ausgezeichnet in komplexen Rollen

Schwierige Rollen stehen Beglau: 2000 erhielt sie für Volker Schlöndorffs "Die Stille nach dem Schuss" (2000) als beste Darstellerin auf der Berlinale den Silbernen Bären. Die Rolle einer RAF-Terroristin im DDR-Exil brachte ihr den großen Durchbruch. Auch in einem weiteren Film von Volker Schlöndorff "Der neunte Tag" (2004) spielt sie keinen leichten Charakter. Sie stellt die Schwester eines im KZ inhaftieren katholischen Priesters (Ulrich Matthes, GOLDENE KAMERA 2015) dar.

Den Grimm-Preis bekam sie für den Kinofilm "Unter dem Eis" (2005), ebenfalls eine sehr erschütternde Inszenierung. Aus Angst vor der Wahrheit, ob ihr siebenjähriger Sohn ein Mädchen umgebracht hat, verdrängt sie das Geschehene und zerstört damit ihre ganze Familie.

Die ganz Bandbreite ihres Können lässt Bibiana Beglau vor allem auf der Theaterbühne raus. Dort spielt sie mal unbeugsam und laut, dann wieder unprätentiös und ruhig, aber immer wieder ergreifend. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und hatte seitdem u. a. Engagements am Wiener Burgtheater, der Schaubühne in Berlin, dem Schauspielhaus Zürich und dem Thalia Theater Hamburg. 2014 kürte sie die Zeitschrift "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres. Und auch für eines ihrer vielen Hörspiele erhielt sie 2017 als beste Interpretin den Deutschen Hörbuchpreis.

Bibiana Beglau privat

Dabei wollte Beglau eigentlich Kunst studieren, dann unterschrieb sie fast schon einen Pharmavertrag in Ägypten. Der Lebenslauf der in Braunschweig geborenen 47-Jährigen beinhaltet einige Wendungen. Sie selbst bezeichnet sich als scheues Kind und dann als Teenager als rebellischer Punk.

Zu ihren Eltern, die mittlerweile im Ausland leben, hat sie nur sehr unregelmäßigen Kontakt. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit Freunden, sie sind ihr Lebenselexier. Als sie 2011 neu in München am Residenztheater war und kaum jemanden kannte, setzte sie sich bewusst alleine in Cafés, um nette Menschen kennen zu lernen: "Man will ja auch abseits vom Job wahrgenommen werden", sagte sie im Interview mit der Zeitschrift Madame. "Ich habe wahnsinnig viele männliche Freunde. Man würde wohl sagen, ich bin der Kumpeltyp.“

Außerdem liebt sie es in der Natur und künstlerisch aktiv zu sein. Sie bereue es bis heute jeden Tag, die Mappe für die Kunsthochschule nicht rechtzeitig fertig bekommen zu haben. Ein Glück für die Zuschauer, denn nur so schlug sie den Weg zur Schauspielerei ein und kann als eine der interessantesten Charakterdarsteller den deutschen Film bereichern.