GOLDENE KAMERA-Kandidat: "Alles Isy"

Das TV-Drama "Alles Isy" (Mittwoch, 5. September, 20.15 Uhr, Das Erste) ist gar nicht easy - thematisiert wird eine grausame Tat und das schreckliche Schweigen danach.

Darum geht's in "Alles Isy"

Der 16-jährige Jonas (Michelangelo Fortuzzi) ist in seine beste Freundin Isy (Milena Tscharntke) verknallt. Für die ist Jonas allerdings nur ein Kumpel, denn sie steht auf Ältere. Als Isy auf einer Party nach dem Konsum von Drogen das Bewusstsein verliert, machen sich Jonas und seine Freunde Lenny (Ludwig Simon) und Martin (Jakob Schmidt) zunächst darüber lustig. Doch dann kommen sie auf eine furchtbare Idee und vergewaltigen das ohnmächtige Mädchen - auch Jonas macht mit.

Am nächsten Morgen kann sich Isy an nichts erinnern, so bleibt die Tat ohne Folgen. Während Isy gemeinsam mit ihrer Mutter Bea (Claudia Mehnert) nach und nach herausfindet, was passiert ist, kann auch Jonas nach der Vergewaltigung nicht zur Tagesordnung übergehen. Ihn plagt das schlechte Gewissen.

Er vertraut sich seiner Mutter Carola (Claudia Michelsen, GOLDENE KAMERA 2013) an und erzählt ihr, was in dieser Nacht geschah. Da sein Vater Richard (Hans Löw) Staatsanwalt ist, weiß er was zu tun ist, damit alle ihrer Starfe entgehen können und ein Skandal verhindert wird. Wird das Trio dennoch zur Rechenschaft gezogen?

Hintergrund

Regisseur Mark Monheim setzt sich mit der Schuld-Sühne-Frage auseinander und bietet eine komplexe Ausgangslage. So will Isy nicht die Polizei einschalten, weil sie fürchtet, in der Schule erst recht als Schlampe zu gelten. Und Jonas’ Vater sieht seine Karriere als Staatsanwalt in Gefahr. Dies ist nervenaufreibend und bewegend inszeniert.

GOKA-Wertung

"Alles Isy" ist ein sensibel gezeichnetes Plädoyer gegen das Schweigen, denn sexuelle Gewalt wird nur selten zur Anzeige gebracht; die meisten Täter stammen aus dem privaten Umfeld der Opfer. Der Film bringt das Thema in die heutige Welt der Jugendlichen – wie kann das Reden über sexuelle Gewalt besser funktionieren? Ein nachdenklich stimmender Beitrag zur "MeToo"-Debatte um sexuellen Missbrauch. Außerdem werden hier wichtige Hilfsangebote und Anlaufstellen für die Opfer von sexueller Gewalt thematisiert. Einzig der Schluss ist etwas abrupt geraten.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)