Dreckige Leiche im "Wilsberg"-Jubiläum: "Die Nadel im Müllhaufen"

Ein toter Müllmann im Abfalleimer, eine Ökotussi ohne Geld und Wilsberg, der mit einer Plastiktüte erstickt werden soll. Der 60. Krimi aus Münster liefert viel Skurriles und Spannendes.

In der Jubiläumsfolge "Wilsberg: Die Nadel im Müllhaufen" (8. September, 20.15 Uhr, ZDF) wühlt Wilsberg im Dreck. Und zwar wortwörtlich. Er schleust Ekki undercover bei der Münsteraner Müllabfuhr ein und schwingt sich auch selber in den orangefarbenen Laster.

Trailer: "Wilsberg: Die Nadel im Müllhaufen"

Darum geht's in "Wilsberg: Die Nadel im Müllhaufen"

Wilsberg (Leonard Lansink) staunt nicht schlecht, als vor ihm in der Mülltonne nur noch ein menschliches Bein rausguckt. Etwa eine Leiche? Nein. Elena (Anne Kanis) sucht nach ihrer nächsten Mahlzeit – nicht etwa weil sie und ihr derzeitiger Freund Micha (Daniel Christensen) so arm sind, sondern aus Überzeugung gegen die Wegwerfgesellschaft und "Geldzombies". Die attraktive, aber scheinbar etwas durchgeknallte Blondine, ist zudem auf der Suche nach ihrem Ex-Mann, weil sie ihn nicht mehr "spürt". Da sie der Polizei nicht traut, beauftragt sie Wilsberg.

Und tatsächlich wird wenig später sein toter Körper in einer Abfalltonne entdeckt. Der Müllmann schien etwas Illegales entdeckt zu haben, für das er mit dem Tod bezahlen musste. Kurzerhand schleust Wilsberg Ekki (Oliver Korittke) als Spitzel bei der Müllabfuhr ein. Gemeinsam mit dem Abfallentsorger Klaschka (Timo Jacobs) findet Ekki großen Spaß an dem neuen Job. Doch hinter den Kulissen stinkt etwas gewaltig.

Hintergrund

Auch die 60. Folge erzählt von den Spleens und Verstrickungen der Charaktere: Schaffen es Wilsberg und Anna endlich schick essen zu gehen? Findet Overbeck seine große Liebe? Er zitiert Nietzsche und liegt sogar mit einer Frau im Müll, die auf seine Annährungversuche eingeht. Und Ekki scheint beruflich umsatteln zu wollen – als Fachmann für Entsorgungswirtschaft sieht er sich als Held der Straße.

Diese Figuren, die nicht nur altbekannte, sondern auch immer wieder neue Seiten von sich zeigen, machen den Zuschauern Spaß. Die 58. Folge "Morderney" sahen Anfang 2018 sensationelle 8,31 Millionen Zuschauer, das entsprach einem Marktanteil von 25,3 %.

In der Nebenrolle des Michas ist Daniel Christensen (40) zu sehen. Der deutsch-dänische Schauspieler ist als Heizungspfuscher Flötzinger aus den "Eberhofer"-Krimis bekannt. Zuletzt kam er am 9. August mit "Sauerkrautkoma" ins Kino. Im Fernsehen ist er außerdem am 19. September im GOKA-Kandidaten "Der große Rudolph" zu sehen.

Den Müllmann Klaschka mimt Schauspieler und Regisseur Timo Jacobs, den man auch als Kommissar Jan Michalski neben Christian Berkel aus der Krimi-Reihe "Der Kriminalist" kennt. Außerdem spielte er in der Filmtrilogie "Dreileben" mit, die u. a. den Grimme-Preis Spezial erhielt.

GOKA-Wertung

Auch die 60. Folge liefert auf den Punkt gebrachte Situationskomik, Figuren, die einfach nur Spaß machen und zotige Dialoge. Egal, ob Arbeiter-Slang oder Zitate von Philosophen. Die schrägen Kommentare von dem, diesmal etwas heiser klingenden Wilsberg bereiten ebenso viel Vergnügen, wie die durchgeknallten Aussagen der Ökotussi. Münster aus Sicht der Müllmänner macht Laune und bietet zudem gut recherchiertes Hintergrundwissen. Der Krimi ist ohne große Höhe- oder Tiefpunkte gewohnt unterhaltsam.

Einziger Schwachpunkt: Muss Alexandra Holtkamp jedesmal rein zufällig dort arbeiten, wo der Mord geschieht? Dafür werden die restlichen Figuren auf die Spitze getrieben: Ekki hat seine Bestimmung als Müllmann gefunden, Overbeck leidet unter Verfolgungswahn vor der Mafia und die Erbin eines Müllimperiums lebt wortwörtlich vom Müll und ohne Geld. Zudem ist Wilsberg, den wir über den Sommer vermisst haben, liebenswert kauzig wie eh und je. Und natürlich darf auch ein gute Bielefeldwitz zum Schluss nicht fehlen (untermalt mit der Titelmusik aus "Der Pate"). Die Fans kommen auf ihre Kosten!