Mythos Romy Schneider

Ende September hätte sie 80. Geburtstag gefeiert: Hommage auf Romy Schneider, die ewige "Sissi", den viel zu früh verstorbenen Weltstar.

Im Beruf gelang ihr ein beispielloser Aufstieg zum Weltstar. Privat erlebte sie Abstürze und tragische Verluste. Romy Schneider war eine große Künstlerin, eine verletzliche Seele und das Idol ihrer Generation. Am 23. September wäre sie 80 Jahre geworden. Der Sender Arte widmet der Schauspielerin einen Themenabend mit Filmen und einem sensiblen Porträt: "Ein Abend mit Romy" am 16. September, ab 20 Uhr.

Ihre Anfänge

Ausgerechnet die süße "Sissi" macht ihr das Leben zur Hölle. Sie spielt den Mädchentraum der 50er, ihr eigener ist es nicht. Schon bei "Sissi 2" zögert sie. Doch ihre ehrgeizige Mutter, Schauspielerin Magda Schneider, und der Stiefvater pressen sie noch zweimal ins Korsett der Elisabeth von Bayern. Den vierten Film lehnt Romy ab, trotz Millionengage. Zu spät. Die Welle rollt, untergräbt hierzulande ihren Drang ins Charakterfach: "Die Rolle klebt an mir wie Grießbrei", ätzt sie. 1958 steigt sie 20-jährig in den Zug nach Paris. Sie sucht Liebe – und findet ihre künstlerische Heimat Frankreich.

Ihre Ängste

1971 bekennt sie öffentlich: "Ich habe abgetrieben." Mutig, rebellisch, stark. Aber es gibt auch die selbstzweifelnde Romy, die unter Lampenfieber und Versagensängsten leidet. 1961, bei Theaterproben mit Luchino Visconti, zerfrisst sie das "entsetzliche Gefühl der Minderwertigkeit". 1976, bei der Verfilmung von Heinrich Bölls "Gruppenbild mit Dame", schreibt sie dem Nobelpreisträger Briefe, die sie nie abschickt. Aus Unsicherheit, obwohl sie längst auf der Höhe ihres Schaffens ist. Die Journalistin Alice Schwarzer erzählt in der TV-Biografie auf Arte lebhaft von ihrer Begegnung im selben Jahr: "Sie war wie ein Wechselbad: sehr selbstsicher und ohne jegliches Selbstvertrauen."

Ihr Erfolg

Bis heute verzaubert uns "Sissi" zu Weihnachten, ist Europas liebstes Lächeln. Ihren großen Triumph als Charakterdarstellerin aber feiert Romy Schneider in den 1970er-Jahren in Frankreich. Als Verzweifelte und Verführerin, Geliebte und Gestrauchelte, Prostituierte und Pornodarstellerin. Zweimal erhält sie den César als Beste ihrer Zunft. "Ich will mich immer selbst übertreffen." Sie ist die Schmerzensfrau des Kinos, wandelt sich in 58 Filmen von Rolle zu Rolle extrem, bleibt doch unverwechselbar. Eine Jahrhundertschauspielerin.

Ihre Männer

"Sie gefallen mir", sagt sie zu Burkhard Driest, Exbankräuber in Lederjacke. In einer TV-Show. Der Skandal anno 1974 ist typisch. Sie flirtet, hat Affären, sehnt sich nach dem starken Mann und nach Familie. Zwei Ehen scheitern. Von dem zur Schwermut neigenden Regisseur Harry Meyen lässt sie sich 1975 scheiden. Ihr zweiter Mann Daniel Biasini erinnert mit seinen anmutigen Zügen an Alain Delon. Mit Delon erlebt sie Anfang der 60er die große Liebe. Nach fünf Jahren verlässt er sie für seine Geliebte. Doch ihr Band hält, wandelt sich in Freundschaft: "Der wichtigste Mann in meinem Leben war und ist Delon."

Ihre Schicksalsschläge

Das Glück streift sie nur flüchtig. Zwei Ehen zerbrechen. Ihr erster Mann Harry Meyen nimmt sich 1979 das Leben. 1981 verunglückt der gemeinsame Sohn David (l.) tödlich. Romy versinkt in Trauer, trinkt, nimmt Tabletten. Obwohl ihr viele abraten, dreht sie "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" in dem sie einen Jungen im Alter ihres Sohns vor den Nazis rettet. Bei den Szenen mit dem Jungen bricht sie immer wieder in Tränen aus.

Am 29. Mai 1982 stirbt Romy Schneider an Herzversagen. Der herbeigeeilte Alain Delon, Freund und Lebensliebe, fasst das Unfassbare in Worte: "Sie starb an gebrochenem Herzen."