Star der Woche: Peter Kurth

An ihm kommt der Zuschauer in diesem Herbst nicht vorbei: Peter Kurth ist im Film- und TV-Geschäft schwer beschäftigt – meist als Krimineller oder Polizist.

Nach hinten gegelte Haare, stämmige Figur, markante Nase, raue, aber auch herzliche Stimme – so kennen die Zuschauer Peter Kurth. Ist das prägnante Aussehen der Grund, warum er fast immer entweder als Verbrecher oder als Polizist vor der Kamera steht?

Trailer: "Zwischen den Jahren"

Den Knacki spielt er auf jeden Fall besonders überzeugend. Bereits in seiner ersten Kinohauptrolle war Peter Kurth als Knastbruder in "Die Kleinen und die Bösen" (2015) neben Christoph Maria Herbst zu sehen. Jetzt schlüpft er erneut in die Rolle eines Sträflings. In "Zwischen den Jahren" (20. September, 23.30 Uhr, Arte) kommt er als Ex-Rocker nach 18 Jahren aus dem Gefängnis und versucht alles, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Am 30. September ist er im Ersten hingegen als Sittenpolizist Wolter in der Hit-Serie "Babylon Berlin" zu sehen. Auch wenn er hier auf der anderen Seite des Gesetzes steht, nimmt er es auch als Kommissar mit den Vorschriften nicht so genau.

So ruppig der Schauspieler in seinen Rollen sein kann, so herzlich ist er im Gespräch. Seine Aufgabe als Schauspieler und Künstler sei es, "die Leute so gut zu belügen, dass sie vergessen, dass wir sie belügen – dass sie der Geschichte folgen", so Peter Kurth gegenüber dem Tagesspiegel.

Peter Kurth privat

Peter Kurth wird am 4. April 1957 in Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern geboren. Er wächst in Goldberg auf, einer, wie er sagt, Drei-Lügen-Stadt: kein Gold, kein Berg, keine Stadt. Seine größte Leidenschaft gilt neben dem Motorrad- und Fahrradfahren dem Kino. Als er das Abitur "nur" mit einer vier besteht, sucht er nach einem Job, bei dem seine Abschlussnote nicht von Belang ist. So landet er an der Staatlichen Schauspielschule in Rostock.

Anfang der 80er erhält er ein Engagement am Theater für junge Zuschauer in Magdeburg und spielt von da an auf vielen großen Theaterbühnen u.a. in Stendal, Leipzig, Chemnitz, Stuttgart, dem Thalia Theater Hamburg und dem Maxim-Gorki-Theater Berlin. 2014 zeichnet ihn die Zeitschrift "Theater heute" als "Schauspieler des Jahres 2014" aus.

Immer wieder ist er auch vor der Kamera in Reihen wie im Frankfurter "Tatort" (als Kommissar Erik Seidel), "Großstadtrevier" oder "Nachtschicht" als Krimineller oder Gesetzeshüter zu sehen. 2010 spielt er im Kinofilm "Im Schatten" einen Berliner Gangster.

Ganze Hingabe für die Rolle

In der Dokumentarverfilmung "Aldi - Eine deutsche Geschichte" (22. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste) übernimmt er sogar die Rolle des Geiselnehmers Heinz-Joachim Ollenburg, der für die Entführung es Supermarkt-Milliardärs Theo Albrecht verurteilt wurde.

Dieses Jahr war er auf der großen Leinwand in "In den Gängen" von Thomas Stuber zu sehen. Dafür erlernte er Gabelstapelfahren, machte den Flurfördermittelschein und arbeitete fünf Tage lang in einem Großmarkt. Mit dem Regisseur Stuber drehte Peter Kurth schon "Herbert" (2015) mit ihm in der gleichnamigen Hauptrolle als sterbenskranker Kampfsportler. Ein Film, der Kurth große Anerkennung, den Deutschen Filmpreis und den Deutschen Schauspielerpreis 2016 brachte. Für die Rolle des ruppigen Boxers nahm er zehn Kilo zu, trainierte hart, und betrieb starken Muskelaufbau.

Den HR-Tatort "Der Angriff" hat er vor wenigen Tagen abgedreht. Seine Rolle? Mal wieder die des Dorfpolizisten! Er mimt den Freund und Kollegen des Kommissars Felix Murot alias Ulrich Tukur (GOLDENE KAMERA 1996 und 2011).

Auch am 20. Oktober ist er neben einem zweifachen GOLDENEN KAMERA-Preisträger zu sehen. Er spielt in "Die Protokollantin" (21.45 Uhr, ZDF) den Hauptkommissar eines Morddezernats und Chef einer Schriftführerin (Iris Berben, GOLDENE KAMERA 1988 und 2004).

Die Zeitung "Die Welt" betitelt ihn als den größten Kleine-Leute-Darsteller des deutschen Films. Er selber mag diesen Vergleich und auch die Schublade des Bösewichts nicht. Gegenüber dem österreichischen Kurrier meinte er augenzwinkernd: "Ich würde liebend gerne immer nur den Guten spielen."