Aus dem Tagebuch von Hannes Jaenicke

"Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Geparden" am 09. Oktober 2018 um 22.15 im ZDF. GOLDENE KAMERA präsentiert exklusiv Auszüge aus dem Tagebuch des Schauspielers:

1. Tag: Otjiwarongo, Namibia

Mein erstes Ziel auf dieser Drehreise: Namibia. Wir landen in Windhuk, der Hauptstadt des Landes. Von dort aus sind es nochmal knappe drei Stunden zu unserem ersten Drehort: Otjiwarongo. Hier liegt das Hauptquartier des "Cheetah Conservation Fund“, kurz CCF. Eine Organisation zum Schutz von Geparden, gegründet vor rund 30 Jahren von der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Dr. Laurie Marker. Eine beeindruckende Frau, die förmlich sprüht vor Enthusiasmus und Leidenschaft. Eine Kämpferin. Ich kenne nur wenig Menschen wie Laurie. Menschen, die ihr Leben bedingungslos dem Schutz eines Tieres und der Umwelt verschreiben.

Interessanterweise sind die, die ich bis jetzt kennengelernt habe fast ausschließlich Frauen. Jane Goodall kämpft für Schimpansen, die mittlerweile verstorbene Dame Daphne Sheldrick kämpfte für Elefanten und Dr. Laurie Marker unermüdlich für Geparden. Ich freu mich schon darauf, die nächsten Tage Lauries Geparden-Schutz-Projekt näher kennenzulernen.

2. Tag:

Heute habe ich die Geparden auf dem Gelände des CCF kennengelernt. Momentan leben hier 37 der Raubkatzen. Eine davon ist die wunderschöne Geparden Dame Rohini. Laurie erzählt mir, warum die Gepardin hier ist. Ihr Schicksal ist beispielhaft für die meisten Katzen, die hier leben. Rohini kam im Alter von vier Monaten in Lauries Obhut. Das Baby wurde von einem namibischen Bauern in der Nähe seiner Ziegenherden gefangen. Rohinis Mama ist vermutlich entkommen – vielleicht wurde sie auch erschossen. So genau weiß das niemand. Rohini jedenfalls hat überlebt und wurde von dem Farmer zum namibianischen Umweltministerium gebracht. In solchen Fällen ist die erste Anlaufstelle für das Ministerium Laurie und ihr CCF – hierhin werden konfiszierte Geparde zur Pflege gebracht. Manche von ihnen können wieder ausgewildert werden. Rohini allerdings war zu sehr an die Nähe von Menschen gewöhnt.

Sie wird ihr restliches Leben auf dem riesigen Schutzgebiet des CCF verbringen. Aber nicht etwa als Schmuse-Kätzchen. Rohini ist immer noch ein wildes Tier. Der Kontakt zu Menschen wird auf ein Minimum beschränkt. Ihr und den anderen Geparden stehen riesige Gehege zur Verfügung – in ihrem natürlichen Lebensraum, der Savanne. Der CCF kalkuliert mit minimal einem Hektar Auslauffläche - pro Gepard. Aber nicht nur ausreichend Platz ist wichtig, die schnellsten Landsäugetiere der Welt müssen auch körperlich fit bleiben. Für manche Katzen steht daher ein tägliches Lauf-Training mit einer Seilzuganlage auf dem Programm – andere dagegen müssen sich ihre tägliche Fleisch-Ration im hohen Tempo erlaufen – Verfolgungsjagd mit Pick-Up-Truck. Geparde in Gefangenschaft brauchen ausreichend Platz, körperliches Training und eine ausgewogene Ernährung. Genau das bekommen sie bei Laurie Marker. Zoo Geparden können davon nur träumen...

3. Tag:

Der größte Feind von Geparden ist der Mensch. Und dass Mensch und Raubkatze aufeinandertreffen ist leider in den allermeisten Lebensräumen von Geparden unvermeidlich. In Namibia zum Beispiel leben 95 Prozent der Geparde außerhalb von Schutzgebieten. Und damit überschneiden sich ihre Reviere nur allzu oft mit Farmland und Nutzviehherden. Konflikte sind also vorprogrammiert. Im schlimmsten und leider nicht seltensten Fall geht das tödlich aus für die Raubkatzen. In Namibia sind solche Rachefeldzüge allerdings selten geworden. Und das hat vor allem mit der Arbeit des "Cheetah Conservation Fund"(CCF) zu tun. Laurie Marker und ihr Team werden zu einem Einsatz gerufen. Über die sogenannte Cheetah-Hotline hat sich ein Farmer gemeldet der meint, einen Geparden in der Nähe seiner Vieh-Herden gesehen zu haben.

Gemeinsam mit Laurie, Quentin und Levi mache ich mich auf den Weg zu der Farm. Levi ist übrigens ein Spürhund und Quentin sein Trainer. Der Hund ist darauf trainiert, den Kot von Geparden zu erschnüffeln. Mit seiner Hilfe kann also festgestellt werden, ob tatsächlich ein Gepard in der Nähe der Farm war. Und tatsächlich, Levi wird fündig. Kurz darauf wird die frische Kot Probe im genetischen Labor des CCF untersucht. Jetzt kann eindeutig bestimmt werden, was der Gepard gefressen hat. Das Ergebnis: es war ein Steinböckchen, keine Ziege. In den allermeisten Fällen zeigt die Untersuchung, dass die Raubkatzen Wild gefressen haben. Eine wissenschaftliche Beweis-Führung, die ebenso praktisch wie nützlich ist. Denn mit Studien mit wie dieser haben Laurie und der CCF enorm viel erreicht. Zum Beispiel ein Umdenken innerhalb der namibischen Bevölkerung. Die Aufklärung über ihr Fressverhalten hilft den Geparden Namibias. Das Land ist Rekordhalter in Sachen Geparden Population – hier leben geschätzte 3000 Tiere. Und das ist fast die Hälfte des globalen Bestands.

4. Tag:

Was Laurie Marker und das Team des CCF mitten im namibianischen Busch leisten ist wirklich beeindruckend. Der CCF hat hier ein riesiges, mehr als 46.000 Hektar großes Schutzgebiet errichtet. Neben bereits erwähntem High-Tech-Labor gibt es gibt hier auch eine Modell-Farm - inklusive Bio-Gärtnerei, eine Ziegen-Zucht, eine eigene Käserei. Die Anlage ist eine Art Schulungszentrum für lokale Farmer, ebenso wird hier eine spezielle Hunde-Rasse – anatolische Kangals – zu Herdenschutzhunden ausgebildet. Auch dieses Programm hat enorm dazu beigetragen, dass Konflikte zwischen Mensch und Raubkatze in Namibia auf ein Minimum reduziert werden. Die Kangals sind große und Menschen gegenüber sehr sanftmütige Hunde. Sie eignen sich perfekt für den Einsatz im afrikanischen Busch. Auf dem Gelände des CCF werden die Hunde bereits als Babys an die projekteigenen Schafe und Ziegen gewöhnt.

Schnell werden diese zur neuen Familie der Hunde und die wollen sie natürlich vor Feinden wie Raubtieren schützen. Über 600 Hunde sind bereits Namibiaweit auf Farmen im Einsatz. Die Bauern bezahlen für die Hunde nur einen symbolischen Betrag von rund 80 US-Dollar. Der Gegenwert aber ist enorm. Laut Statistik haben Farmer mit Herdenschutzhunden zwischen 80 und 100 Prozent weniger Verluste an Vieh. Natürlich schützen die Kangals nicht nur vor Geparden, sondern vor allem auch vor Löwen, Leoparden oder Hyänen. Ich finde das Konzept wirklich großartig. Und eigentlich ist es unfassbar einfach. Hier wird nämlich nicht die Angst vor Raubtieren geschürt, ganz im Gegenteil. Der CCF zeigt Farmern, wie man das Vieh intelligent schützt. Und beweist damit, dass es sehr wohl möglich ist, mit wilden Tieren zu koexistieren. Bei uns in Deutschland dagegen ist es genau umgekehrt, wir verfallen in Hysterie und knallen Bären oder Wölfe ab, wenn sie sich Siedlungen nähern und glauben damit das Problem gelöst zu haben. Auch wir sollten schleunigst mal ein paar Schritte weiterdenken...

Es ist unser letzter Abend im Busch. Es gibt Busch-BBQ. Auch ich als Vegetarier komm auf meine Kosten mit Bio-Grill Gemüse Marke Eigenanbau und dem unglaublich leckeren Ziegenkäse aus eigener Herstellung. Es ist ein unglaublich tolles Team, das sich hier beim CCF versammelt hat. Eine große, inspirierende Community von Wissenschaftlern, Studenten, Arbeitern. Ich hab wirklich selten ein ähnlich ganzheitliches, sinnvolles Projekt kennengelernt. Eines, das auf so vielen Ebenen etwas bewirkt. Es geht dabei um so viel mehr als reinen Geparden Schutz. Es geht darum, das große Ganze zu sehen. Wer Geparden schützen will, muss Lebensräume schützen. Und das geht nur, wenn man die lokale Bevölkerung miteinbezieht, Armut bekämpft, nachhaltiges bewirtschaften von Farmland fördert. All das versucht der CCF mit seinen Projekten zu unterstützen. Übrigens braucht auch der CCF Unterstützung. Wer spenden will, kann das z.B. über die deutsche Partner-Organisation des CCF machen – die Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) e.V. www.aga-artenschutz.de

5. Tag: Phinda Private Game Reserve, Südafrika

Unser nächster Drehort ist in Südafrika: Das Phinda Private Game Reserve an der Ostküste des Landes, in der Provinz Kwa-Zulu-Natal. Hier wollen wir Geparde in freier Wildbahn filmen. Tatkräftige Unterstützung bekommen wir dabei von Les Carlisle, dem Conservation Manager der Initiative "andBeyond“, welches das Phinda-Schutzgebiet verwaltet. Les kann auf einen unglaublichen Erfahrungsschatz zurückblicken. Seit Jahrzehnten ist er im südafrikanischen Wildtier-Management aktiv und hat dabei viel erlebt. Es ist herrlich, seinen abenteuerlichen Erzählungen zuzuhören. Les ist ein fantastischer Geschichtenerzähler. Eine davon ist die Entstehung des privat gemanagten Tier-Reservats Phinda. Les war von Anfang an dabei. Noch vor etwa dreißig Jahren wurde dort, wo sich jetzt kilometerlange Wildnis erstreckt intensive Landwirtschaft betrieben. Weit und breit gab es keine Natur, keine Wildtiere. Les Carlisle und sein Team haben durch kluge Planung ein kleines Paradies erschaffen. Heute finden hier bedrohte Tierarten ein sicheres Zuhause. Zum Beispiel auch rund 30 Geparden. Für mich ist Phinda ein Musterbeispiel darin, wie man Tourismus mit Umwelt- und Tierschutz verbinden kann. Am Ende ist das eine Win-Win-Situation für alle Seiten.

Noch in der Dunkelheit machen wir uns täglich auf die Suche nach ihnen. Die grazilen Tiere im dichten Busch zu finden ist gar nicht so einfach. Doch Les, unser Safari-Guide Tayla und Spurensucher Busani wissen schließlich, was sie tun. Bereits am ersten Tag ein Volltreffer – eine junge Geparden Mama mit ihren dreiköpfigen Nachwuchs. Glück muss man eben auch haben beim filmen! Die kleine Familie werden wir jetzt jeden Tag ein Stück begleiten. Es ist unglaublich anrührend sie zu beobachten: Frühmorgens ist die Family mit ausgiebigen Schmuse-Phasen beschäftigt. Anschließend toben die Kleinen ausgelassen durch die Savanne und über die ruhende Mama. Bereits nach wenigen Stunden ist mir die kleine Familie enorm ans Herz gewachsen. Geparden-Weibchen sind übrigens wahre Freigeister. Sie sind Einzelgänger und leben nomadisch – sie sind die Single-Moms der Savanne. Ganze alleine beschützen und versorgen sie ihren Nachwuchs. Bewundernswert!