"Tatort: Tod und Spiele": Sich prügeln bis einer stirbt

Der Dortmunder "Tatort" hat es in sich: eine Sexszene mit Kommissarin Boensch im Laster und illegale Boxkämpfe, die bis zum Tode ausgefochten werden.

Der "Tatort: Tod und Spiele" (Sonntag, 7. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste) geht hart zur Sache: Die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann, GOLDENE KAMERA 2016) und Martina Bönisch (Anna Schudt) ermitteln bei illegalen Boxkämpfen, bei denen auf Menschenleben gewettet wird.

Darum geht's im "Tatort: Tod und Spiele"

Am Dortmunder Stadtrand werden in einer verlassenen Fabrikhalle verbrannte Knochen zweier Menschen gefunden. Beide scheinen bereits vor ihrem Tode diverse Knochenbrüche erlitten zu haben. Neben den sterblichen Überresten stellt die Spurensicherung auch einen Schlüssel sicher. Dieser führt Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) in ein Hotelzimmer, in dem sie einen verwahrlosten, halb verhungerten Jungen, der kein Wort mit ihnen spricht, vorfinden. Was hat der Junge erlebt, ist er Zeuge der Morde?

Als die Kommissare nicht weiterkommen, quartiert sich Bönisch kurzerhand selbst undercover in dem Hotel ein, das sie auch privat von dem ein oder anderen Schäferstündchen mit verschiedenen Callboys kennt. In der Lobby lernt sie den Oligarchen Oleg (Samuel Finzi) kennen. Die beiden kommen sich näher – viel näher, als es für Bönischs professionelles Arbeiten gut wäre. Derweil geht der Neue im Dortmunder Team, Jan Pawlak (Rick Okon), einer anderen Spur nach. Er schleust sich verdeckt in einem Boxclub ein. Hier werden Sportler von skrupellosen Hintermännern für illegale Boxkämpfe angeworben.

Hintergrund

Der Neue im Team heißt Polizeihauptkommissar Jan Pawlak und wird aufgrund seines Dienstgrades von Kollegin Nora Dalay (Aylin Tezel) nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Und auch seine Arbeitsmentalität, beispielsweise für seine Kinder rechtzeitig Feierabend zu machen, passt nicht zum Team. Doch er setzt sich durch. Genauso wie der Schauspieler, der ihn verkörpert: Rick Okon ist dieses Jahr noch als U-Boot-Kaleun Klaus Hoffmann in der Serie "Das Boot" zu sehen. Der 29-Jährige war bereits 2011 in der Hauptrolle eines Transgenders in "Romeos" und als einer am Asberger Syndrome leidener Mann in "Ein Schnitzel für alle" (2013) zu sehen.

Der "Tatort: Tod und Spiele" hat ihm viel abverlangt, er intensivierte sein Maga-Training (auf dieses israleische Selbstverteidigungstraining hat er sich spezialisiert) und übte zudem mit den Kampfchoreographen Michael Mohr und Tolga Degirmen. Doch für diesen Fall hat es sich gelohnt, wie er sagt: "Die Geschichte ist so spannend, dass sie fast unglaublich erscheint: Illegale Kämpfe, bei denen Menschen auf das Leben anderer wetten. Für die Organisatoren geht es um Macht und Geld und für die Kämpfenden um Hoffnung und Zukunft!"

Als Oligarch Oleg ist Samuel Finzi zu sehen. Finzi ist bereits ein bekanntes "Tatort"-Gesicht. Im Kieler "Tatort" ist er regelmäßig als Rechtsmediziner Dr. Stormann zu sehen. Von 2009 bis 2012 übernahm er in der Serie "Flemming" neben GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Claudia Michelsen die Hauptrolle. Dieses Jahr ist er nach "Hot Dog", "HERRliche Zeiten" und "Meine teuflisch gute Freundin" bereits mit seinem vierten Film im Kino vertreten. Der Til Schweiger Film "Klassentreffen 1.0" läuft seit dem 20. September im Kino.

GOKA-Wertung

Durch das Länderspiel Deutschland gegen Peru wurde dieser "Tatort" kurzfristig nicht wie geplant Anfang September, sondern einen Monat später ausgestrahlt. Und das ist vielleicht auch gut so: die harten Boxszenen und die nach (körperlicher) Nähe suchende Ermittlerin sind in der dunklen Jahreszeit besser aufgehoben.

Aber so richtig kann die Geschichte nicht überzeugen: Ein Oligarch, der den BVB kaufen will und stattdessen die Kommissarin verführt, ein verwahrloster Junge, der nicht dem Jugendamt übergeben wird und Boxkämpfe mit "Eyes wide Shut"-Masken – das alle kommt doch etwas konstruiert daher. Was Spaß macht, sind die trockenen, sarkastischen Sprüche von Faber und sein Schlagabtausch mit Bönisch. Überhaupt sind die Dialoge viel leichter und amüsanter als gewohnt, dazu ein Neuer, der in seine Rolle gut rein passt. Zumindest ist so das Dortmunder "Tatort"-Team auf dem richtigen Wege. Wir sind gespannt auf den nächsten Fall.