GOLDENE KAMERA-Kandidat "Angst in meinem Kopf"

Schauspielstar Claudia Michelsen wird im Knastdrama "Angst in meinem Kopf" zum Spielball von Soziopathen. Nichts für schwache Nerven!

Schon ihr Beruf ist ungewöhnlich. Ihre Ehe unbefriedigend. Ihr Verhalten plötzlich unvernünftig. Ihr Schicksal unfassbar: Sie wird gekidnappt, erpresst, mit Exkrementen beworfen, mit Benzin übergossen. Doch ganz unschuldig ist sie nicht an ihrer Leidensgeschichte. Im Gefängnisdrama "Angst in meinem Kopf" (10. Oktober, 20.15 Uhr, Das Erste) spielt Claudia Michelsen die Vollzugsbeamtin Sonja Brunner, die in der JVA Hannover arbeitet. Wir trafen die GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 2013 und Heldin des TV-Erfolgs "Ku’damm 59" zum Interview:

Claudia Michelsen über ihre Rolle in "Angst in meinem Kopf"

Darum geht's in "Angst in meinem Kopf"

Eines Tages wird Sonja Brunner beim Ausbruchsversuch des Gefangenen Michael Zeuner (Ralph Herforth) als Geisel genommen, kommt durch glückliche Umstände aber glimpflich davon. Sie lässt sich in eine andere Haftanstalt versetzen – doch dort warten neue Probleme.

Da ihr Gatte im Beruf keinen Erfolg hat, ist sie zu Hause die Alleinverdienerin – und gerät zunehmend in Geldnot. Um etwas nebenbei zu verdienen, erweist sie dem Häftling Walther Thiel (Torsten Michaelis) kleine Gefälligkeiten – weshalb sie bald von ihm erpresst wird.

Als auch noch der frühere Geiselnehmer Zeuner in Brunners Gefängnis verlegt wird und sich gemeinsam mit Thiel gegen sie verbündet, ist ihr einziger Rückhalt der mehrfache Frauenmörder Robert Sturm (Charly Hübner). Doch kann sie ihm wirklich vertrauen?

"Es ist die Geschichte einer Frau, die hilflos einen Fehler nach dem anderen macht", bilanziert Claudia Michelsen im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. "Man schaut ihr dabei zu, wie sie sich spiralmäßig immer tiefer ins Dilemma hineinmanövriert, man möchte 'Halt!' rufen und eingreifen. Mir war vorher nicht bewusst, was es bedeutet, einen solchen Job als weibliche JVA-Beamtin im Männergefängnis zu machen. Ich habe nun einen Heidenrespekt davor."

Hintergrund

Gefilmt wurde das Knastdrama in der Hamburger Justizvollzugsanstalt Hahnöfersand. Wie war die Atmosphäre dort? Die 49-jährige Schauspielerin erinnert sich: "Es war schon merkwürdig, wenn man da morgens reinfuhr. Obwohl in einem stillgelegten Trakt gedreht wurde, musste man den Ausweis am Empfang abgeben. Man arbeitete und fuhr abends wieder heim – während alle anderen dablieben. Ehrlich gesagt, war es mir unangenehm, da reinzufahren, um einen Film zu drehen."

Im TV-Drama sind einige Häftlinge schlimme Soziopathen und abgrundtief böse. Gibt es solche Menschen tatsächlich? "Natürlich!", meint Claudia Michelsen. "In manchen Menschen gibt es einfach nichts Positives und Gutes mehr. Die Frage ist, wodurch sie es verloren haben, was ihnen passiert ist. Kein Mensch wird so geboren."

GOKA-Wertung

Eine brave Beamtin befindet sich in der Bredouille: Der Zuschauer mag über die Naivität staunen, mit der Sonja agiert. Dass er dennoch mit ihr zittert, ist dem differenzierten Spiel der stets souveränen Claudia Michelsen zu verdanken. "Angst in meinem Kopf" ist eine ebenso beklemmende wie faszinierende Psychostudie der Verführbarkeit.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)