Ganoven-Western-Feeling im "Tatort: Her mit der Marie"

Harte Cowboy-Attitüden im Voralpenland. Der Wien-"Tatort" besticht mit überzeichneten Charakteren und der Frage, ob Harald Krassnitzer als Moritz seiner Kollegin Bibi noch vertrauen kann.

Im "Tatort: Her mit der Marie" (Sonntag, 14. Oktober, 20.15 Uhr, im Ersten) müssen die Kommissare Eisner und Fellner den Mörder einer völlig entstellten Leiche noch vor eine Ganovenbande stellen.

Darum geht's im "Tatort: Her mit der Marie"

Zwei Männer rasen in Höchstgeschwindigkeit zwischen den Kornfeldern entlang. Sie jubeln und das Gas wird noch mal richtig durchgedrückt. Wenig später ist einer der Proleten tot, seine sind Zähne zertrümmert, sein Leichnam halb verbrannt. Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) stehen vor einem Rätsel. Wer ist der Tote? Wie sich in müßiger Kleinarbeit herausstellt, scheint die nicht identifizierbare Leiche der Geldbote des Großkriminellen Dokta (Erwin Steinhauer) zu sein. Aber wer wäre schon so lebensmüde, sich mit dem "Dokta-Clan" anzulegen? Das will natürlich auch das Oberhaupt wissen und schickt seine Handlanger los Rache auszuüben. Zu ihnen gehört Pico Bello (Christopher Schärf) und Marko Jukic (Johannes Krisch).

Derweil macht Bibi eine überraschende Entdeckung. Ihr guter Freund Inkasso Heinzi (Simon Schwarz) ist auf einem Überwachungsvideo in der Nähe des Tatortes zu sehen. Diese Tatsache verheimlicht sie Moritz und stellt damit ihre Freundschaft auf eine Zerreißprobe.

Hintergrund

In diesem "Tatort" greift Adele Neuhauser in ihrer Rolle als trockene Alkoholikerin Bibi wieder zur Flasche. Doch die Schauspielerin gibt Hoffnung, dass es nicht erneut zum Absturz kommt: "Der Alkohol wird für Bibi immer eine Versuchung bleiben, aber ich denke, sie wird diesen inneren Kämpfen auch in Zukunft standhalten können. Bibi lebt ein nervenaufreibendes Leben und wird schon durch die tragischen Schicksale immer wieder in Löcher fallen."

Eine besondere Rolle spielen die musikalischen Untermalungen: "Irgendwann bleib i dann dort" von der österreichischen Band S.T.S. und Liedermacher Voodoo Jürgens, der hier auch als Schauspieler vor der Kamera steht, sind in Österreich feste Größen und geben dem "Tatort" eine besondere Färbung.

Simon Schwarz (bekannt aus der "Eberhofer"-Reihe) hat in diesem "Tatort" bereits zum sechsten Mal einen Auftritt als Inkasso Heinzi. Momentan steht er auch für den "Polizeiruf 110" vor der Kamera.

GOKA-Wertung

Revolverhelden, Machos und coole Sprüche. Dieser "Tatort" kommt in bester Western-Manier daher. Die Figuren sind vom Polizisten-Hiwi bis zum Obergangster völlig überzeichnet. Simon Schwarz stellt, wie auch schon in den Eberhofer-Krimis, gekonnt einen überzogenen aber liebenswerten Chaoten da. Der Krimiplot ist nur halbwegs spannend. Was Spaß macht, sind neben den Stereotypen die coolen Kameraeinstellungen, die österreichische Musik und die Dialoge, allen voran die Auseinandersetzungen zwischen Bibi und Moritz.