Im Herzen der Wildnis: "Fluss des Lebens"

Was macht einen guten Vater aus? Was eine gute Mutter? Die Herzkino-Reihe "Fluss des Lebens" thematisiert es vor der grandiosen Kulisse Afrikas.

Warum wirkt das Voodooritual im Film so erstaunlich echt? Weil es echt ist! Schauspielerin Christina Hecke, die im fünften Teil der Herzkino-Reihe "Fluss des Lebens" (14. Oktober, 20.15 Uhr, ZDF) die weibliche Hauptfigur spielt, erinnert sich noch gut an die Szene: Molekularbiologin Charlotte ist nach dem Unfalltod ihrer Schwester mit deren Kindern zu ihrem Schwager Gunnar (Roeland Wiesnekker) gereist, der vor Jahren nach Namibia auswanderte. Auf Druck von Dorfbewohnern muss sie sich "enthexen" lassen.

Hecke berichtet: "Die Dame, die mit Charlotte die Zeremonie durchführte, war eine Schamanin aus dem Nachbardorf. Was für eine Flüssigkeit ich dabei getrunken habe, weiß ich bis heute nicht. Und will es auch lieber nicht wissen." Entsprechend echt wirkt ihre Reaktion im Film: Die Szene wurde nur einmal gedreht. "Das war eine bizarre Angelegenheit. Abends beim Fest trank die Schamanin dann Cola. Tradition und Moderne krachen in Namibia seltsam aufeinander."

Darum geht's in "Fluss des Lebens"

Im Zentrum des Films steht aber ein ganz anderer Konflikt: Wird Gunnar für seine Kinder in die Heimat zurückkehren, obwohl er fürchtet: "In Deutschland würde ich nicht mehr funktionieren." Oder wird Namibia ihre neue Heimat werden, obwohl Charlotte kontert: "Hier funktioniert es für deine Kinder nicht."

Christina Hecke, die auch in der "Helen Dorn"-Reihe zu sehen ist, war für den Dreh zum ersten Mal in Afrika: "Namibia ist ein sehr offenes, herzliches Land. Die Natur, die Tiere, die Lichtstimmungen sind unglaublich beeindruckend", erzählt sie GOLDEN KAMERA. Der Kontrast zum Leben der einfachen Bevölkerung falle umso mehr ins Auge: "Es gibt keine Arbeit, kein Geld, Aids ist weit verbreitet. Mit scheinbar fröhlichen Feiern kompensieren die Menschen, dass sie eigentlich aufgegeben haben." Glaube und Religion seien "für viele das Einzige, woran sie sich festhalten."

Hintergrund

Das zentrale Thema des Films: die Familie. "Dieses Wort löst bei allen sofort eine Erwartungshaltung aus", sagt Hecke. "Jeder wird in eine Rolle gepresst. Schon ist die Kommunikation nicht mehr frei, und es werden Dinge totgeschwiegen, schöngeredet oder verherrlicht."

Den anderen nicht zuerst in seiner Funktion in der Familie zu sehen, sondern als Menschen – das wäre das Ideal, findet die Schauspielerin. Im Film sagt Stammesoberhaupt Thuyi vorwurfsvoll zu der kinderlosen Charlotte: "Es sind die Frauen, die die Familie zusammenhalten." Darauf würde Hecke wohl entgegnen: "Frau zu sein bedeutet mehr, als sich zwischen Mutterrolle und Karriere entscheiden zu müssen."

GOKA-Wertung

Trotz des traditionellen Sendeplatzes in der Herzkino-Reihe am Sonntagabend zeigt "Fluss des Lebens" nicht nur die überwältigende Natur des Landes, sondern auch die prekären Lebensbedingungen der Einheimischen. Vor allem aber geht es um das Thema Familie.