TV-Event der Woche: "Frankfurt Dezember '17"

Gewalt unter Obdachlosen und gegen Obdachlose, dazu unterlassene Hilfeleistung und Katja Flint als überforderte Mutter des Täters. Die präzise beobachtete Deutschland-Skizze ist ein Apell für Zivilcourage.

Drei Jugendliche prügeln einen 37-Jährigen, der auf der Straße lebt, brutal ins Koma. Diese scheußliche Tat stellt das Leben von drei Frauen auf den Kopf. "Frankfurt Dezember '17" läuft am Mittwoch, den 17. Oktober um 20.15 Uhr im Ersten.

Darum geht's in "Frankfurt Dezember '17"

Sam (Ada Philine Stappenbeck) lebt in Frankfurt auf der Straße. Als andere Obdachlose sie krankenhausreif prügeln und fast vergewaltigen, kann Lennard (Christoph Luser), der ebenfalls obdachlos ist, sie in letzter Sekunde retten. In einem verlassenen Bürogebäude pflegt er sie gesund. Die beiden nähern sich vorsichtig an.

Doch dann trifft Lennard eines nachts auf drei Jugendliche die Ärger suchen. Brutal und ohne jegliches Gewissen prügeln sie auf Lennard ein, bis dieser zusammenbricht. Krankenschwester Irina (Lana Cooper), die neben dem Tatort im Auto Sex mit dem verheirateten Arzt Carl (Barnaby Metschurat) hat, will einschreiten. Doch Carl hindert sie daran.

Als sie später im Krankenhaus den halbtoten Lennard sieht, bereut sie ihre unterlassene Hilfeleistung zutiefst und geht zur Polizei. Auf Aufnahmen von Überwachungskameras erkennt Irina einen der Täter wieder: Es ist der 18-jährige Rio (Jonathan Stolze). Für seine Mutter Anne (Katja Flint) bricht eine Welt zusammen. Besonders, als ihr Sohn ihr sagt, sie solle sich damit abfinden, dass ihn seine Tat kalt lasse.

Hintergrund

Beim Festival des deutschen Films in Ludwigshafen ist "Frankfurt, Dezember 17" Anfang September mit dem Medienkulturpreis ausgezeichnet worden.

Petra K. Wagner, die sowohl das Drehbuch schrieb als auch Regie führte, machte sich bereits mit dem ZDF-Film "Oskar und Leni" mit Anna Thalbach und Christian Redl einen Namen. Sie bekam hierfür mehrere internationale Preise und der Film lief nicht nur im Kino, sondern auch auf Filmfestivals weltweit, so wie auch ihr Film "Maria an Callas", mit Götz George und Claudia Michelsen (GOLDENE KAMERA 2013) in den Hauptrollen.

Die beiden Hauptdarstellerinnen Ada Philine Stappenbeck (22, Rolle Sam und Tochter der Regisseurin Wagner) und Lana Cooper (Rolle Irina) waren dieses Jahr bereits im Kino zu sehen. Stappenbeck spielte in "Alma Mater" und Cooper in "Bulldog" mit. Letztere ist derzeit auch in einigen Serienproduktionen, wie "Die Krankenschwestern", "Deutschland 86" und der HBO-Serie "Hackerville" zu sehen.

GOKA-Wertung

Frankfurt Dezember '17" wirft viele moralische Fragen auf und überzeugt mit seiner unkonventionellen, zum Teil auch sperrigen Erzählweise. Wenn es um die empathielosen, männlichen Rollen geht, werden aber zu viele Klischees bedient. Die drei sehr eindringlich spielenden Frauen Flint, Stappenbeck und Cooper machen diese Überzeichnungen wieder wett. Das direkte Interagieren mit dem Zuschauer (Sprechen in die Kamera) wäre aber nicht nötig gewesen.