Michael Patrick Kelly: "Ich kämpfe für meine Talente!"

Foto: SAT.1/ProSieben/André Kowalski
Michael Patrick Kelly ersetzt in der neuen Staffel von "The Voice of Germany" Samu Haber. Der 40-Jährige gehört aktuell zu den angesagtesten Singer-Songwritern im deutschsprachigen Raum. Wir trafen ihn zum Interview.

Auch in der 8. "The Voice"-Staffel (18. Oktober, 20.15 Uhr, ProSieben) werden die Coaches wieder versuchen, mit den besten Gesangstalente des Landes in ihrem Team den Wettbewerb zu gewinnen. Gesucht wird ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin von Natia Todua, die die Show im Jahr 2017 mit ihrem Coach Samu Haber gewann.

Bildergalerie: Alle "The Voice"-Gewinner seit 2011

Für Samu Haber nimmt ein neuer Coach in der 8. "The Voice"-Staffel neben Yvonne Catterfeld, Mark Forster und dem Fanta-Duo Smudo und Michi Beck auf dem roten Sessel Platz: Michael Patrick Kelly, der in den 90ern deren größten Hit "An Angel" schrieb und heute solo erfolgreich ist. Warum die neuen Talente unbedingt zu ihm ins Team wollen und wie schwer es dem 40-Jährigen fällt, sich mit Mark Forster anzulegen, verrät er im Interview.

Interview mit Michael Patrick Kelly

GOLDENEKAMERA: Es ist ihre Debüt-Staffel bei "The Voice" – haben Sie lange überlegt, ob sie das Angebot annehmen?

Michael Patrick Kelly: Ich habe mir immer gesagt: Wenn ich als Coach in eine Castingshow gehe, dann wäre "TVOG" das Ding. Das ist etwas Ehrliches und nichts, wo Menschen vorgeführt werden. Natürlich ist man in einer Unterhaltungsshow und will den Zuschauer entertainen. Man überlegt sich, wo man einen Gag einbauen oder zur Gitarre greifen und spontan etwas mit der Band spielen kann.

Das ist auch vorgekommen?

Ja, ich hatte nicht erwartet, dass am ersten Tag so viele Talente zu mir kommen und war total überrascht! Den anderen Coaches ist dann wohl auch aufgefallen, dass ich zwar der Newcomer bin, aber in Sachen Musikerfahrung vielleicht die längste Biografie habe. Ich habe schon als Kind auf Bühnen gestanden, als Teenie Songs geschrieben und mit 18 wurde ich zum Musical Director und Produzenten einer Band, die Stadien gefüllt und 20 Millionen Platten verkauft hat. Als Solokünstler habe ich es mit meiner Musik nochmal geschafft, 20 Jahre später im Radio zu laufen und eigenen Konzerte vor vielen Menschen zu spielen. Ich habe gemerkt, dass ich mehr Know-How mitgeben kann, als ich dachte - und das macht total Spaß!

Gab es Anfängerschutz für Sie bei den Blind Auditions oder sind Sie hart angegriffen worden von den Konkurrenten?

Backstage sind wir cool miteinander, da ist die Stimmung gut. Aber wenn Du ein Talent gewinnen willst, musst Du alles geben, was Du hast! Die anderen Coaches waren etwas überrascht, weil ich wirklich gekämpft habe, um die Talents zu bekommen. Die Fantas haben zum Beispiel zu einem Talent gesagt: "Zu dem brauchst Du nicht gehen, der kann nicht rappen." Dann bin ich auf die Bühne gegangen und habe etwas von den Beastie Boys gerappt. Ein anderes Mal gab es Jungs, die richtige Rockröhren waren und dann haben wir "Are you gonna go my way" von Lenny Kravitz gerockt, um sie von meinem Team zu überzeugen. Privat habe ich als Teenie immer Grunge und Hard Rock gehört und auf allen meinen Platten gibt es immer so ein paar Rocksongs, die ich gerne live spiele. Das muss ich den anderen erstmal klarmachen.

Michael Patrick Kelly - iD (Official Video) ft. Gentleman

"Sing meinen Song" hat viel bewirkt bei Ihnen, sie haben viele neue Fans gewonnen, ihr Album "iD" hat sich toll verkauft, ihre Tour ist ein Erfolg - fühlen sie sich wohl heute?

Ich bin sehr dankbar für diese Anerkennung meiner Solomusik. Bei meinen Konzerten spiele ich zu 95 Prozent nur meine eigenen neuen Sachen. Das ist auch größtenteils das, was die Leute hören wollen und das macht einfach Spaß. Was mich freut: Es gibt Begeisterung, aber keine Hysterie mehr. Es ist schön, wenn die Leute mögen, was man macht – man fühlt sich als Künstler verstanden. Wenn Menschen Dir sagen, wir haben uns zu Deinem Song "Shake Away" getraut oder dieser Song hat uns durch schwere Zeiten getragen, dann merkst Du, das ist nicht nur Unterhaltung, für manche Menschen ist es der "Soundtrack of my life". Das ist für mich wahrer Erfolg.

Mark Forster sagt, sie seien ein echter Freund, wie sind Sie Freunde geworden? Kam das über "Sing meinen Song"?

Genau, wir haben uns im Rahmen von "Sing meinen Song" kennengelernt. Das ist ein Format, wo man sich als Künstler sehr nahe kommt, denn es gibt keinen Moderator, kein Publikum, wir sind wirklich alleine und über eine längere Zeit miteinander in Südafrika. Dadurch, dass wir Songs tauschen, ist jeder gezwungen, sich mit der Songmaterie der anderen Künstler zu befassen und steigt tief in deren Kunst und Denke ein. So lernt man Künstler viel intensiver kennen, als Backstage auf einem Festival. Ich bin nach wie vor auch mit Gentleman sehr eng befreundet.

Ist es schwierig gewesen sich mit Mark Forster dann auf einmal bei "The Voice" zu fetzen?

Es war für uns beide ungewöhnlich! Weil wir sonst immer positiv voneinander reden, musste ich mir überlegen, wo bei ihm die Schwachstellen liegen, damit das Talent das hört und dann zu mir kommt. Bei den Fantas kann man sagen "Die können nicht singen, was willst Du bei den Hiphoppern?" Und Mark singt kein Englisch! Wer englisch singen will, musste zu mir kommen ins "Team International".

Was ist das für ein Gefühl, nur die Stimme zu hören und nicht den Menschen zu sehen?

Das ist ein bisschen wie Radiohören: Entweder die Stimme gefällt Dir oder nicht! Du hast keine visuelle Blendung. 150 Stimmen innerhalb weniger Tage am Stück zu hören, die Genres gehen von Klassik bis Hard Rock, englisch, deutsch, italienisch, französisch – es ist ein musikalisches Erlebnis vom Feinsten, mit einer unglaublich guten Band. Es gab Momente, in denen ich richtig aus dem Stuhl gehauen wurde. Musik hat eine Macht, die die Ratio manchmal überrollt, da kann man so viel man will versuchen, die Tränen oder den Kloß im Hals zu verhindern: wenn es Dich trifft, dann bist Du einfach hin und weg.

Ich habe Sie gerade im Studio erwischt, woran arbeiten Sie?

Ich arbeite gerade Tag und Nacht an einer Live DVD. Sie erscheint zusammen mit der Live CD Ende Oktober. Ich gehöre zu den Künstlern, die vom Songschreiben bis zum Mastering bei fast allem immer dabei sind und die Richtung angeben, deshalb verbringe ich ein paar Wochen wie ein Maulwurf im Studio (lacht).

Interview: Dirk Oetjen