Geiz und Geisel in "Die Aldi-Brüder"

Vor dem Hintergrund der Entführung Theo Albrechts zeigt unser TV-Tipp "Die Aldi-Brüder" (Montag, 22. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten) die Erfolgsgeschichte des größten deutschen Discounters.

Von der Entführung Theo Albrechts bis zum Aufstieg des Aldi-Imperiums, wird im Doku-Drama "Die Aldi-Brüder" ein spannendes Stück Familiengeschichte erzählt.

Darum geht's in "Die Aldi-Brüder"

Am 29. November 1971 verlässt Theo Albrecht (Arnd Klawitter) als letzter seinen Konzernhauptsitz in Herten. An seinem Wagen lauern ihn zwei Männer auf und halten ihm eine Waffe entgegen. Verwirrt über seine einfache Kleidung, überprüfen die Maskierten seine Identität. Als sie sichergestellt haben, dass es wirklich der Millionär ist, entführen sie Theo und fordern mit sieben Millionen Mark die bis dato höchste Lösegeldsumme der Bundesrepublik. Wie sich herausstellt, handelt es sich bei den Kidnappern um den spielsüchtigen Anwalt Heinz-Joachim Ollenburg (Peter Kurth) und den Verbrecher Paul Kron (Ronald Kukulies).

Rückblende 1952: die Brüder Theo und Karl Albrech (Christoph Bach) führen einen Krämerladen. Bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter setzten sie auf gutes Kopfrechnen und konservative Einstellungen. Schminken und Haarefärben verboten.

In weiteren Zeitsprüngen werden sie als Kinder gezeigt, die für ihre Mutter Geld eintreiben und wie sie 1960 das Unternehmen in Aldi Süd und Aldi Nord unterteilen. Immer wieder wird deutlich, wie sparsam die Brüder ihre Firma leiten und wie wohl überlegt sie Entscheidungen über Fließbänder, Selbstbedienung und schließlich Discountbetreibung treffen.

Hintergrund

Zeitzeugen kommen zu Wort: Walter Vieth, Geschäftsführer des ersten Aldi-Ladens erzählt, wie stark sich die Mitarbeiter von den Aldi-Brüdern kontrolliert und ständig beobachtet fühlten.

Dieter Brandes, Manager bei Aldi-Nord von 1971 bis 1985, berichtet wie beispielsweise Theo im Detail gearbeitet hat und Karl hingegen an Konzepten und dem großen Ganzen festgehalten hat.

Dr. Klaus Wygold, Richter im Entführungsprozess, schildert zudem Fakten über und die Vorgehensweise der Entführer.

Regisseur Raymond Ley ist für seine Arbeit häufig ausgezeichnet worden, darunter mit dem Grimme-Preis für "Eine mörderische Entscheidung" (2013) und dem Fernsehfilmpreis des Fernsehfilmfestival Baden-Baden für "Meine Tochter Anne Frank" (2015). Er inszenierte außerdem "Tod einer Kadettin" (2017) und "Letzte Ausfahrt Gera – Acht Stunden mit Beate Zschäpe" (2016), so wie den 999. "Tatort Borowski und das verlorene Mädchen" (2016).

GOKA-Kritik

Die Mischung aus fiktionalen Spielszenen mit spärlich gut plazierten Zeitzeugenaussagen und Originalbildern stimmt. Es ist keine nüchterne Doku entstanden. Für historisch interessierte Zuschauer, die obendrein eine spannende Familiengeschichte sehen wollen, ist der TV-Film "Die Aldi-Brüder" sehenswert.

Wer am Montag Abend aber vordergründig auf packende Krimikost setzt, könnte enttäuscht sein. Denn das Schicksal von Theo Albrecht lässt einen fast schon kalt. Ein Entführer ist geradezu sympathisch gezeichnet und die Brüder wirken so, wie schon im wahren Leben, unnahbar.