Einsame Untote beißt sich im "Tatort: Blut" durch Bremen

Stirbt im "Tatort: Blut" (Sonntag, 28. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten) Stedefreund an einem Vampirbiss?

Der vorletzte Bremer "Tatort" ist noch mal so ganz anders – ein Genremix aus Horror und Krimi. Doch im Gegensatz zum Halloween "Tatort" ("Fürchte dich") des vergangenen Jahres verzichtet dieser Krimi weitgehend auf Übersinnliches und setzt auf menschliche Urängste.

Darum geht's im "Tatort: Blut"

Drei Mädchen machen es sich mit Popcorn und einem Horrorfilm auf dem Sofa gemütlich. Doch auf dem Nachhauseweg wird eine von ihnen brutal überfallen und ermordet. Die andere kann gerade noch den Notruf anrufen. Als Inga Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) wenig später die Leiche untersuchen, stehen sie vor einem Rätsel: Hat ein Tier das Mädchen zerfleischt?

Die Zeugin, die wenig später völlig verstört in der Kanalisation gefunden wird, kann sich zu den Ereignissen kaum äußern. "Vampir" ist das einzige Wort, das sie noch hervorbringt. Aufgrund von forensischen Ergebnissen stoßen Stedefreund und Lürsen auf die verschwundene und vereinsamte Nora Harding (Lilith Stangenberg) und ihren Vater Wolf Harding (Cornelius Obonya), der ebenfalls eine Bisswunde hat. Während Lürsen nichts von übersinnlichen Theorien hält, wird ihr Kollege immer tiefer in die mystische Welt hineingezogen. Stedefreund wird selbst Opfer eines Angriffs und beginnt an seinem Verstand zu zweifeln. Was ist Realität und was Aberglaube?

Hintergrund

Lilith Stangenberg (30, Rolle Nora), war zuletzt in "Grießnockerlaffäre" (2017) und im letzten "Bella Block: Am Abgrund" (2018), in dem sie ebenfalls ein Mädchen mit Realitätsverlust mimt, zu sehen. Bereits im Film "Wild" (2016) stellt Stangenberg eine Frau dar, die sich völlig von der Außenwelt abkapselt und zurückgezogen in ihrer Welt lebt.

Regisseur Philip Koch (36) bekam für sein umstrittenes Langfilmdebüt "Picco" (2010), über einen Foltermord in einer Jusitzvollzugsanstalt, diverse Auszeichnungen wie die Caméra d’Or bei den internationalen Filmfestspielen in Cannes. Für den Film "Operation Zucker" (2012) schrieb Koch das Drehbuch. Für ihre Rolle in diesem Film erhielt Schauspielerin Nadja Uhl die GOLDENE KAMERA.

Diese Woche wurde der letzte Bremer "Tatort" mit dem Arbeitstitel "Wo ist nur mein Schatz geblieben" abgedreht. Mit dabei: Kostja Ullmann. Der Fall wird voraussichtlich am Ostermontag kommenden Jahres ausgestrahlt.

GOKA-Kritik

Eine einsame "Untote" beißt sich durch Bremen. Ganz klar, auf den "Tatort: Blut" muss man sich einlassen können. Für den Halloweenabend wäre dies, anstelle des DFP-Pokals, eine passendere Unterhaltung gewesen. Doch auch drei Tage vorher können Fans des Horror-Genres auf ihre Kosten kommen. Die Anspielungen auf Filme wie "Scream", "Es" und "The Ring" machen Spaß.

Gezielte dunkle Kameraeinstellungen, Großaufnahmen, gut getimte Gegenschnitte und entsprechende wohl dosierte Schauermusik sind gekonnt gruselig eingesetzt. Stangenberg beweist erneut, wie gut ihr undurchsichtige, mystische Rollen stehen.