Einer wie keiner: Charaktermime Matthias Habich

Der aufmerksame Zuschauer weiß: Matthias Habich hat viele Gesichter und gehört ohne Zweifel zu den großen deutschen Charakterdarstellen. Zuletzt überzeugt er im TV-Drama "Das Leben vor mir".

Alias, so nannten ihn seine Mitschüler zu Gymnasialzeiten. "Wohl weil ich schon immer gern in andere Rollen geschlüpft bin", erklärt der Mann, der als Friedrich Freiherr von der Trenck bekannt wurde und von König Lear über Victor Klemperer bis hin zu Faust nahezu jedem wichtigen Charakter sein markantes Gesicht geliehen hat.

Trailer zu "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck"

Natürlich stört es ihn, dass viele bei seinem Namen noch immer zuerst an den Sechsteiler "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck" (1973) denken. Ein strahlender Eroberer, maskulin und makellos, ein Siegertyp. Häufig verkörperte er in seinen Rollen den Helden. Ein Image, das mit ihm selbst nichts zu tun hatte.

Auf der Suche nach sich selbst

1976 ging er daher auf die Suche nach sich selbst, arbeitete mit einer Straßentheatergruppe am Broadway. Dann zog er nach Paris, blieb drei Jahre bei Regie-Ikone Peter Brook. "Alles Zufälle", sagt er vor vielen Jahren in einem Interview mit HÖRZU und will nicht bewundert werden für die internationale Reifeprüfung, schon gar nicht für Sprachkenntnisse. "Es wehte mich hierhin und dorthin. Man lernt und sammelt."

Dann kam er wieder zurück nach Deutschland. Es folgten u. a. Rollen im Oscar-nominierten Kinofilm "Jenseits der Stille" von Caroline Link, in den Günter-Grass-Verfilmungen "Die Rättin" und "Unkenrufe", in Tom Toelles "Deutschlandlied". Für die "Tatort"-Episode "Der kalte Tod" wurde er 1997 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, für "Jahrestage" mit dem Deutschen Fernsehpreis 2001, für "Nirgendwo in Afrika" 2002 mit dem Deutschen Filmpreis. Den Adolf-Grimme-Preis bekam er gleich zweimal überreicht: 1998 für "Das Urteil" und 2010 für "Ein halbes Leben". Aber bloß kein Aufheben, bitte. Er hasst Starkult, Interviews und alle Arten von Gelegenheiten, bei denen ihm seine Qualitäten bescheinigt werden.

Vielleicht musste er sich deshalb 1980 wieder zurückziehen. Ein Jahr lang reiste er durch Europa, nur um mit sich allein zu sein. Den Hauch von trotziger Einsamkeit kann und will er nicht abstreifen. Der ist wie ein Mantel, der schützt. In "seiner" Stadt Paris lebt er als Flaneur, verbringt Stunden in Cafes, um zu beobachten - Alleinsein in der Menge, Tarnkappe als Inspiration. Möglich, dass da noch immer die Angst mitschwingt, plötzlich stottern zu müssen wie früher als Kind. Die Befreiung kam erst durch das Schülertheater: "Auf einmal war ich wer, merkte, dass ich aus Mist Gold machen konnte - ich hatte so was wie eine Zaubergeige", sagt er gegenüber HÖRZU.

Flucht aus Danzig

Wer allerdings meint, die Schauspielerei, wie er sie jedenfalls versteht, s