"Der Mordanschlag": Wer erschoss den Treuhand-Chef?

Am Ostermontag 1991 wurde Detlef Karsten Rohwedder von der RAF ermordet. Der TV-Zweiteiler "Der Mordanschlag" (5. und 7. November 2018 im ZDF) mit Petra Schmidt-Schaller und Ulrich Tukur erzählt das Attentat als fiktionale Geschichte, orientiert sich aber eng an den realen Personen.

Das Attentat auf Detlev Karsten Rohwedder gehört zu den großen Rätseln der deutschen Kriminalgeschichte. Anfang der 1990er-Jahre ist der Manager einer der meistgefährdeten und -gehassten Menschen im wiedervereinigten Deutschland: Als Chef der Treuhandanstalt hat er die Aufgabe, das Vermögen und damit die Unternehmen der zerfallenen DDR zu privatisieren. Als er Ostern 1991 aus 63 Metern Entfernung mit einem Präzisionsgewehr erschossen wird, ranken sich sofort Gerüchte um seinen Tod: Waren Terroristen der dritten RAF-Generation die Täter, wie es offiziell heißt? Oder steckte die Stasi hinter dem Mord? Gab es womöglich handfeste Wirtschaftsinteressen für die Tat?

„Der Mordanschlag“: GOKA-Kandidat 2019

Der GOKA-Kandidat „Der Mordanschlag“ erzählt die Ereignisse in einer fiktionalen Version: „Wir haben es mit einem nicht abgeschlossenen Kriminalfall zu tun. Weil nie wirklich geklärt wurde, welche Motive hinter der Tat standen, gibt es bis heute die verschiedensten Theorien, denen wir nachgehen“, erläutert Regisseur Miguel Alexandre. „Neben dem historischen hat mich auch der zeitlose Aspekt der Geschichte fasziniert. Für mich ist der Film ebenso eine Parabel darüber, was es bedeutet, wenn jemand zum Terroristen wird: nämlich einer Ideologie anheimzufallen, sich darin zu radikalisieren und dabei nicht nur sich, sondern die eigene Familie mit in den Abgrund zu reißen.“ Die ungeklärten Umstände des Mordes nutzte Autor André Georgi auch für seinen Thriller "Die letzte Terroristin", auf dem das Drehbuch beruht.

Petra Schmidt-Schaller über "Der Mordanschlag"

Petra Schmidt-Schaller als RAF-Terroristin

Eng an den realen Personen orientiert, erzählt sein Werk von den Vorbereitungen zum Attentat, der Flucht der Täter und dem Fiasko der Polizeiermittlungen. Die fiktionale Erzählweise macht den zweiteiligen, 180-minütigen Film enorm spannend. In der weiblichen Hauptrolle glänzt die aktuelle GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Petra Schmidt-Schaller als RAF-Terroristin Sandra. Für den Regisseur „ein Konglomerat aus Ulrike Meinhof und Susanne Albrecht“. Sandra ist für den Kampf im Untergrund sogar bereit, ihr Kind aufzugeben. Schmidt-Schaller, selbst Mutter einer Tochter, kann „sich kaum etwas Schlimmeres vorstellen“.

An das tatsächliche Attentat erinnert sich die 38-Jährige wenig. Etwas anderes blieb bei der Tochter von Andreas Schmidt-Schaller, zu DDR-Zeiten ein berühmter „Polizeiruf“-Star, jedoch genau haften: „Ich war noch sehr jung, aber ich erinnere mich an dieses Symbolische, dass die Treuhand Firmen für eine Mark verkauft hat. Das hat uns aus dem Osten sehr beschäftigt und empört.“

Ulrich Tukur spielt den Treuhandboss

„Der Mordanschlag“ präsentiert eine differenziertere Sicht auf den Treuhandboss, der im Film Dahlmann heißt und von „Tatort“-Star Ulrich Tukur gespielt wird. „Wir zeigen einen gebrochenen Helden“, erklärt Regisseur Alexandre, „einen, der Wärme ausstrahlt, der Herz hat, aber auch ein Gespür für Macht, die man in so einer Führungsposition braucht. Ich glaube, er wollte etwas Gutes für das Land schaffen. Aber er hatte eine unmögliche Aufgabe, an der man nur scheitern konnte. Uli Tukur (GOKA-Preisträger 1996, 2011) bringt das bravourös rüber.“

Der Film vermeidet konsequent Vorverurteilungen. Selbst die BKA-Ermittler, die von Attentatsplänen wussten, sie aber nicht verhinderten, werden nicht diffamiert. „Wie spielst du einen, der ständig gegen die Wand läuft und nicht langweilig wirkt“, fragte sich Maximilian Brückner, der den leitenden BKA-Mann darstellt. Mit einem starken Auftritt erzeugt er große Empathie für seine Figur.

Die Story im TV-Zweiteiler "Der Mordanschlag"

Treuhandchef Hans-Georg Dahlmann (Ulrich Tukur) macht Anfang der Neunzigerjahre viele Feinde mit seiner Aufgabe, die Staatsbetriebe der Pleite-DDR in die Privatwirtschaft zu überführen. Auch seine neu eingestellte Assistentin Sandra Wellmann (Petra Schmidt-Schaller) gehört dazu - aber sie wurde von der RAF eingeschleust, um Dahlmann auszuspionieren. Während Wellmann und Dahlmann Vertrauen miteinander schließen, ändert sich der Auftrag der Terroristin.

Was sagt die GOLDENE KAMERA zum Zweiteiler?

Fiktionalisierte, dadurch umso packendere Aufarbeitung des RAF-Attentats nach dem Mauerfall. Zeitgeschichte als komplexer Reißer: Spekulativ, aber überzeugend. Spannend bis zum bitteren Finale.