Perspektivwechsel im "Tatort: Der Mann, der lügt"

Die "Tatort"-Jubiläumsfolge "Der Mann, der lügt" (4. November, 20.15 Uhr im Ersten) aus Stuttgart mit Lannert und Bootz wird aus Sicht der Beschuldigten erzählt.

Normalerweise fiebert der Zuschauer mit den Kommissaren mit. Doch zum 10-jährigen Jubiläum von Lannert und Bootz haben sich die "Tatort"-Schreiber was besonderes ausgedacht: Die Geburtstagskinder schlüpfen diesmal in Nebenrollen. Leise und ruhig wird dieser Fall aus der Sicht eines Ehepaares erzählt, die scheinbar zum Täterkreis gehören.

Darum geht's im "Tatort: Der Mann, der lügt"

Jakob Gregorowicz (Manuel Rubey) führt ein glückliches Leben mit Frau und Tochter, er verdient gut und spielt gern Tennis. Als er eines morgens ins Büro kommt, warten schon Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) auf ihn. Der Anlageberater Uwe Berger wurde erstochen und erste Hinweise führen zu Gregorowicz: In Bergers Kalender war zum Todeszeitpunkt eine Verabredung mit ihm notiert. Doch der streitet ein Treffen ab.

Kurze Zeit später stehen die Ermittler mit neuen Hinweisen vor Gregorowiczs Tür. Je weiter die Befragung geht, desto mehr verstrickt sich der Beschuldigte in Widersprüche, besorgt sich sogar ein falsches Alibi. Schließlich gesteht Gregorowicz seiner Frau Katharina (Britta Hammelstein) bei Berger sein ganzes Vermögen angelegt und verloren zu haben. Doch dies ist nur die Spitze des Eisberges. Gregorowicz fühlt sich von den Kommissaren verfolgt und verliert zunehmend die Nerven.

Hintergrund

Schauspieler Manuel Rubey (39) wurde dem breiten Publikum als Sänger Falco in "Falco – Verdammt, wir leben noch!" (2007) bekannt. Er ist auch selber Sänger und zudem Kabarettist.

Wir stellen weitere Stars, die große Persönlichkeiten dargestellt haben vor.

In seinem Heimatland Österreich gehört Rubey längst zu den angesehenen Schauspielern. Aber auch hierzulande ist er immer präsenter: Derzeit läuft die Serie "The Team", in der er neben Jürgen Vogel zu sehen ist, sonntags im ZDF. Letztes Jahr war er mit "High Society" im Kino. 2016 spielte er neben GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Martina Gedeck in "Seit du da bist".

Aktuell beendet er die Dreharbeiten zum ZDF-Thriller "Irgendwas bleibt immer" und steht für seinen zweiten ORF-Land-/Salzburg-Krimi und für einen weiteren Eberhofer-Krimi vor der Kamera.

Wie er auf seiner Homepage schreibt, wusste er es sehr zu schätzen, das Gesicht eines "Tatorts" zu sein: "Es war eine herausfordernde und schöne Arbeit und es soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, dass ich es den beiden Kollegen Felix Klare und Richy Müller, in Gestalt der Kommissare Lannert und Bootz, hoch anrechne sich auf solch ein Experiment eingelassen zu haben."

GOKA-Wertung

Der "Tatort: Der Mann, der lügt" zeigt, dass es keiner Effekthascherei oder aufwendiger Inszenierung bedarf, wenn ein gutes Drehbuch vorliegt. Leise und ruhig wird dieser klassische Krimistoff aus der Sicht des Beschuldigten erzählt. Der Perspektivwechsel, Lannert und Bootz hier nur als Nebencharaktere zu zeigen, stellt die Suttgarter Ermittler in einem neuen Licht dar. Es gibt keine sogenannten (und in letzter Zeit überstrapazierten) private Lines. Wenn Bootz cool aus dem Porsche springt und seine Sonnenbrille lassiv abnimmt, wirkt er selbst für Fans wie ein neuer Ermittler.

Das Gesicht dieses "Tatorts" ist Manuel Rubey, dessen Figur den ganzen Film trägt. Er wirkt undurchsichtig und wird zunehmend ein Schatten seiner selbst. Nicht nur die Maske hat ihm mit Dreitage-Oberlippenbart, grauem Make-Up und gegeelten Haaren einen ominösen Look gegeben – auch Rubey selbst perfektioniert die Rolle mit seinem beeindruckendem Spiel.

Kurzum: Durchweg spannend und ein (vor allem dramaturgisch) gut gelungener "Tatort".