"Saat des Terrors": Christiane Paul auf den Spuren eines Verräters

Erschreckend wahr: Der Thriller "Saat des Terrors" zeigt, wie Geheimdienste ungewollt Extremisten stärken – auch der deutsche BND.

Zehn Angreifer, 17 Explosionen, 174 Tote, 239 Verletzte: Die Bilanz der Terroranschläge von Mumbai vom 26. bis 29. November 2008 ist grauenhaft, die Bilder des brennenden Luxushotels "Taj Mahal Palace & Tower" erschütterten Menschen in aller Welt. Jetzt enthüllt der Agententhriller "Saat des Terrors" (21. November, 20.15 Uhr, Das Erste) die Hintergründe der Anschläge – und schockiert mit dramatischen Fakten.

Darum geht's in "Saat des Terrors"

Islamabad 2008. Unter Tränen bittet die Geheimdienstinformantin Lamia Davis (Ankita Makwana) die deutsche BNDAgentin Jana Wagner (Christiane Paul), sie aus der pakistanischen Metropole zu schleusen. Ihr Mann James (Crispin Glover) sei ein Doppelagent, der im Auftrag der Terrororganisation Lashkar-e-Taiba Anschlagsziele in Mumbai ausspioniere.

Als sich Wagner an die Fersen des Verdächtigen heftet, stellt sie fest: Lamia Davis hat recht! Wagner warnt ihren Chef Thomas Günther (Axel Milberg), doch dieser weist den Verdacht als unbegründet zurück.

Hintergrund

Mit "Saat des Terrors" präsentiert der preisgekrönte Filmemacher Daniel Harrich bereits seinen vierten investigativen Spielfilm. 2013 bewirkte sein Drama "Der blinde Fleck" über das Oktoberfest-Attentat 1980 die Wiederaufnahme der Ermittlungen, 2015 belegte er mit "Meister des Todes" die Verstrickungen deutscher Beamter in illegale Waffengeschäfte, 2017 deckte er in "Gift" auf, dass in Deutschland gepanschte Arzneimittel verkauft werden.

Bildergalerie zu "Gift"

In seinem neuen Film gibt der erst 35-Jährige nun erstaunliche Einblicke in die Arbeit von Geheimdiensten: ein verworrenes Gefüge aus Konspiration und Korruption. Die These seines gut recherchierten Dramas: "Unsere Sicherheitsbehörden tragen eine Mitverantwortung für den Terror in Europa. Das ist nicht gewollt, aber wahr", so Harrich gegenüber GOLDENE KAMERA. "Während die Bürger beim Begriff 'Terror' an Extremismus und Politik denken, gerät das Geschäftsmodell mit der Angst aus den Augen."

Wie funktioniert dieses Geschäft? "Der Westen", so Thomas Reutter, Redakteur beim federführenden Sender SWR, "gibt Steuergelder für den Kampf gegen den Terror an befreundete Dienste. Die unterstützen aber heimlich die Terroristen. So werden die Islamisten erst recht stark – und die Geheimdienste können noch mehr Geld aus dem Westen verlangen."

Reales Vorbild: David Headley

Filmemacher Daniel Harrich zeigt dies am Beispiel des Terrorhelfers James Davis. Reales Vorbild dieser Figur ist David Headley, der in die Anschläge von Mumbai involviert war, zugleich aber im Sold der US-Dienste stand: "Headley", so Harrich, "spielte die mächtigsten Geheimdienste gegeneinander aus."

Ein Einzelfall? "Weit gefehlt!", so der Filmemacher, der auch die Doku "Spur des Terrors" drehte, die im Anschluss an den Thriller läuft. "Laut dem Ex-CIA-Agenten Sam Faddis, der in unserer Doku zu Wort kommt, ereignen sich solche Super-GAUs ständig!"

Gibt es zu seinen Enthüllungen schon Reaktionen aus Ministerien? Harrich bejaht: "Es gibt tatsächlich schon erste politische Entwicklungen zur Thematik. Stefan Liebich, Außenpolitischer Sprecher Die Linke, bringt 'Saat des Terrors' in den Bundestag und der ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes Gerhard Schindler unterstützt das." Das spricht dafür, dass Harrich einen wunden Punkt getroffen hat.

Wertung

Regisseur und Koautor Daniel Harrich bricht die realen Ereignisse auf einen griffigen Politthriller herunter, dicht und gut recherchiert. Gleichwohl verdeutlicht "Saat des Terrors" mit gekonnter Dringlichkeit, wie West-Geheimdienste die Terrorstrukturen mit aufbauen, die sie bekämpfen.