"plan b - Clevere Cops": Mit Hightech auf Verbrecherjagd

Die TV-Doku "plan b - Clevere Cops" zeigt, mit welchen neuen technischen Mitteln die Polizei ihre Ermittlungsarbeit revolutioniert. Können so alle Verbrechen aufgeklärt werden?

Ein Mensch liegt auf dem Boden der Küche. Scheinbar leblos. Sein Kopf leicht zur Seite gedreht. Auf der Wange ein großer Bluterguss. Spuren eines Fußtritts mit dem Schuh. Zwei Männer in weißen Plastikanzügen stellen einen blaugrauen Apparat auf ein Stativ und schalten ihn ein. Der surrt, dreht sich und schießt einen unsichtbaren Laserstrahl durch den Raum. Dann bedient einer der beiden ein Gerät, das mit hellem Lichtstrahl den Körper des Opfers abtastet. Daneben steht ein Laptop, in den ein Strom von Daten fließt.

ZDF-Doku "plan b: Clevere Cops" im TV

Was wie Tatortarbeit mit hochmoderner Technik aussieht, ist eine nachgestellte Szene in der ZDF-Dokumentation "plan b: Clevere Cops" (Samstag, 24. November, 18.25 Uhr, ZDF). Der Fall hat sich real so ereignet, auch die Kriminaltechniker sind echt.

Ein Team des Landeskriminalamts Bayern vermisst zunächst den Ort des Verbrechens millimetergenau mit einem Laserscanner. Dann erfasst es den Körper mit einem Streifenlichtscanner, der zehnmal genauer arbeitet. Am Ende nimmt es mit einer Kamera das 360-Grad-Panorama des Tatorts auf. Die Beamten nutzen digitale Werkzeuge, die das Grauen bis in den letzten Winkel dokumentieren: klar und kühl, scharf bis ins Detail für die 3D-Aufbereitung.

Digitale Spurensicherung

"Noch vor zehn Jahren wurde ein Tatort ausschließlich fotografisch gesichert", erklärt Dipl.-Ing. Ralf Breker, Leiter der zentralen Fototechnik beim LKA Bayern. "Heute wird eine Eins-zu-eins-Kopie vom Schauplatz erstellt und jede Spur digital gespeichert. Für die Ewigkeit."

Laut Bundeskriminalamt (BKA) fielen im vergangenen Jahr hierzulande insgesamt 731 Menschen einem Mord oder Totschlag zum Opfer. Längst rüsten Kriminaltechniker auf im Kampf gegen das Verbrechen. Ihre Geräte werden immer besser: "Genauer, einfacher, preisgünstiger. Vor zehn Jahren kostete ein 3-D-Scanner noch rund 120.000 Euro, heute die Hälfte", meint Breker, "Und er wird schneller." Nur drei Minuten dauert ein Scan, ein Raum ist meist in drei, vier Vorgängen fertig.

Virtuelles Ermittlungsbüro

Der rasante technische Fortschritt eröffnet der Polizei immer neue Möglichkeiten: Längst könne man, so Breker, einen Tatort als 3D-Modell nicht nur am Computer anschauen, sondern auch begehen – mit einer Datenbrille für virtuelle Realität, kurz VR-Brille. "So als stünde man mittendrin. Man kann zum Beispiel Dinge greifen und von allen Seiten betrachten", schildert der 44-Jährige die Vorteile.

"Zukünftig könnte man eventuell sogar Fluchtwege nachstellen, überprüfen, ob Zeugenaussagen wahr sind, und anhand von Schallkonstruktion feststellen, woher ein Schuss gekommen ist." In Bayern jedenfalls sei die virtuelle Realität längst erprobt.

Der Fachmann hat die Vision von einem virtuellen Ermittlungslabor. In diesem könnten Menschen von mehreren Standpunkten aus gleichzeitig interagieren: Rechtsmediziner zum Beispiel Analysen von Blutspritzern machen und Ballistiker untersuchen, wie sich ein Geschoss durch die Luft bewegt. Richter könnten einen Tatverdächtigen an den Tatort schicken und ihn auffordern, bestimmte Handlungen zu vollziehen. "Das weckt Instinkte – und schnell vergisst der Mensch, dass er in der virtuellen Realität ist."

Doch per Scanner und Computer gelingt nicht nur die Rekonstruktion des Tatorts. Auch Opfer lassen sich auf diese Weise für immer konservieren, ihre Körperteile und Verletzungen im 3D-Drucker erstellen.

Computer statt Skalpell

Selbst virtuelle Obduktionen sind heute machbar. Dabei bewegt man sich durch den Körper des Toten. So lassen sich etwa Muskelgewebe und Organe beiseiteschieben, um den Stichkanal verfolgen zu können bis exakt zu der Stelle, zu der die Klinge vorgedrungen ist.

Rund 274.000 Polizisten gibt es in Deutschland. Hightech hilft ihnen bei der Verbrecherjagd. In einigen Bundesländern wird die sogenannte Bodycam getestet. Die kleine Digitalkamera an der Polizeiuniform soll Einsätze aufzeichnen, zusätzlich live übertragen und vor allem Straftäter abschrecken.

Auch Drohnen kommen öfter zum Einsatz, um etwa Unfallszenen oder Tatorte aus der Luft zu fotografieren. Zudem führt immer bessere DNA-Erkennung dazu, dass Altfälle noch nach Jahrzehnten geklärt werden können.

"Super Recogniser"

Doch nicht nur moderne Technik revolutioniert die Aufklärungsarbeit der Polizei, sie profitiert zunehmend auch von der außergewöhnlichen Gabe einiger Menschen, die sich Gesichter besonders gut merken können. Diese "Super Recogniser" entdecken Verdächtige in Menschenmengen, auf Videos oder Passbildern – und sind darin besser als jeder Computer.

Mithilfe von Spezialtests, entworfen von Dr. Josh Davis an der Universität Greenwich in England, werden die talentierten Gesichtserkenner weltweit aufgespürt. Schöne neue Fahndungswelt.

Vorausschauende Polizeiarbeit

Weiß der Computer künftig im Voraus, wo und wann Täter zuschlagen, und lotst die Polizei dann direkt zum Tatort? Was sich nach einem Science-Fiction-Thriller anhört, ist bereits Realität. In manchen Bundesländern arbeiten die Landeskriminalämter mit einer Software, die verspricht, Zeit und Ort etwa von Einbrüchen vorauszusagen. Die Methode, die derzeit von Sicherheitskräften weltweit diskutiert, entwickelt und erprobt wird, heißt Predictive Policing, also vorausschauende Polizeiarbeit.

Dazu werden alle kriminalistisch relevanten Informationen von Tatorten in Datenbanken erfasst und durch ein besonderes Computerprogramm ausgewertet. Auch unter Berücksichtigung menschlicher Gewohnheiten, zumindest jener von professionellen Tätern. Einbrecher kehren oft innerhalb weniger Tage in ein Haus oder eine Nachbarschaft zurück, gehen gern zur gleichen Zeit und nach dem gleichen Muster vor.

Einbrüche schon im Vorfeld verhindern, Tatorte perfekt entschlüsseln, Gefährder abschrecken, Straftäter dank menschlicher "Geheimwaffen" wie den Super Recognisern enttarnen: Kann man bald alle Verbrechen klären? Oder sogar verhindern? Nicht ganz. Ralf Breker, der mit seinen Gutachten beim LKA Bayern schon zur Klärung von Mordfällen beitrug, ist aber überzeugt: "Das perfekte Verbrechen wird immer schwieriger."