"Zersetzt": Spannender True-Crime-Thriller mit Tim Bergmann

Prof. Michael Tsokos ist nicht nur Rechtsmediziner, sondern auch Autor. Jetzt hat Sat.1 seinen Thriller "Zersetzt" verfilmt - mit Tim Bergmann in der Hauptrolle als Forensiker.

Auf den ersten Blick haben die beiden Fälle nichts miteinander zu tun: In einem osteuropäischen Land werden in einem Kalkcontainer zwei Leichen entdeckt, bis zur Unkenntlichkeit verwest. In Berlin wird eine Frau von einem Psychopathen entführt. Ein Rechtsmediziner aber entdeckt das Puzzleteil, das die Verbrechen verbindet.

Der TV-Thriller "Zersetzt" (11. Dezember, 20.15 Uhr, Sat.1) ist der Auftakt zu einer lockeren Reihe um den Forensiker Dr. Fred Abel (Tim Bergmann) und zählt zum Genre der True-Crime-Filme. Die Fälle basieren teilweise auf wahren Verbrechen, die Hauptfigur hat ein reales Vorbild: Deutschlands bekanntesten Rechtsmediziner Prof. Michael Tsokos.

Darum geht's in "Zersetzt"

Der Einstich ist winzig, seine Folgen aber sind immens: Als Rechtsmediziner Dr. Fred Abel einen punktförmigen Fleck in der Kniekehle einer Leiche entdeckt, ahnt er, dass ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Abel heftet sich an dessen Fersen. Bevor er den gefährlichen Mörder überführen kann, muss er jedoch noch in das osteuropäische Land Transnistrien reisen: Dort lagern in einem Kalkcontainer zwei weitere Mordopfer – fast komplett zersetzt.

"Das Spannende an dieser Geschichte ist, dass sie teilweise wahr ist“, sagt Hauptdarsteller Tim Bergmann im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. "Prof. Tsokos ist tatsächlich selbst einmal nach Kasachstan gereist, um dort zwei Kalkleichen zu untersuchen. Im Vorfeld habe ich mir davon Originalfotos angeschaut." Zur Vorbereitung auf die Rolle nahm Bergmann zudem an Obduktionen teil: "Das war ein sehr spezielles Erlebnis – sozusagen einschn eidend!" Mehr über seine Rolle als Forensiker, verrät Tim Bergmann im Video-Talk:

"Zersetzt": Hauptdarsteller Tim Bergmann im Video-Talk

Prof. Michael Tsokos

Seit 2007 leitet er das Institut für Rechtsmedizin an der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin-Moabit. 1998 und 1999 identifizierte Tsokos die Toten aus Massengräbern in Bosnien und im Kosovo. Seit 1999 hilft er dem Bundeskriminalamt in Wiesbaden bei kniffligen Tötungsdelikten.

Über seine spannendsten Fälle hat er Bücher geschrieben, die genauso drastisch sind wie ihre Titel: "Zersetzt", "Zerbrochen", "Zerschunden". GOLDENE KAMERA traf den 51-Jährigen bei den Dreharbeiten zu "Zersetzt" zum Interview:

Michael Tsokos über seinen True-Crime-Thriller "Zersetzt"

"Mit dem Thriller", so der Rechtsmediziner, "bringen wir etwas Neues ins Fernsehen, denn wir präsentieren realistische Obduktionsszenen, wie sie noch nie zu sehen waren: Unter Berücksichtigung des Jugendschutzes zeigen wir wissenschaftlich akkurat geöffnete Körper, offene Brust- und Bauchhöhlen und wie Organe entnommen werden. Deshalb bin ich auch am Set, um die Macher zu beraten." Viel zu häufig, so Tsokos missbilligend, werde die Rechtsmedizin in Film und TV nämlich falsch dargestellt.

Irrtümer über die Rechtsmedizin

"Der häufigste Mythos über unsere Arbeit ist die Mentholpaste unter der Nase", klagt Michael Tsokos. "Das kommt durch 'Das Schweigen der Lämmer', wo sich Jodie Foster die Creme theatralisch unter ihr Riechorgan schmiert. Diese Szene hat Generationen von Drehbuchschreibern geprägt." In Wirklichkeit, so der Forensiker, kenne er keinen Rechtsmediziner, der zur Salbe greife: "Wir müssen riechen können, etwa ob Bittermandel in der Luft liegt. Denn das kann ein Zeichen für eine Blausäurevergiftung sein."

Wie viele Morde hat der Rechtsmediziner schon aufgedeckt? Tsokos verrät mit ernster Miene: "Das kann ich an zwei Händen abzählen. Zwar finde ich in 97 Prozent der Fälle die Ursache für einen unnatürlichen Tod heraus, doch es landet längst nicht jeder Ermordete auf meinem Tisch. Wenn alle unerkannt Umgebrachten am Jüngsten Tag ihren Zeigefinger aus dem Grab strecken würden, glichen unsere Friedhöfe Spargelfeldern."

Den Grund erläutert Prof. Tsokos so: "Selbst Laborärzte, die vor 20 Jahren im Studium zum letzten Mal etwas über eine Leichenschau gehört haben, dürfen sie in Deutschland durchführen. Unser System muss dringend professionalisiert werden! Doch hierzulande haben Tote keine Lobby. Und wenn doch einmal über speziell fortgebildete, unabhängige Leichenbeschauer diskutiert wird, investiert der Staat nicht in sie. Die Gesundheitsministerkonferenz ist stets auf der Seite der Lebenden."

Aus Tsokos' Perspektive rächt sich das bitter: "Wenn mehr Geld ausgegeben würde, könnten wir zahlreiche Menschenleben retten, weil Mörder, die frei herumlaufen, dann längst hinter Gittern wären." Gibt es für ihn den perfekten Mord? "Nein", sagt Tsokos, "denn dazu dürfte es keine Leiche geben."

Und wie verarbeitet er das tägliche Grauen in seinem Beruf? Seine nüchterne Antwort: "Ich bin nie feierabenddepressiv, sondern liebe meinen Job. Wer sollte mir helfen? Jeder Psychologe, dem ich erzählte, was ich täglich sehe, müsste sofort selbst auf die Couch. Nur eines geht mir an die Nerven: tote Kinder."

Glaubt der Rechtsmediziner bei all den grausamen Unfällen und Verbrechen noch an Gott? "Nein", sagt Tsokos bestimmt. "Es kann keine allmächtige Instanz geben, die will, dass derartige Dinge geschehen." Und dann fügt er leise hinzu. "Wenn Sie wüssten, was ich alles sehe, könnten Sie nachts nicht mehr ruhig schlafen."

Bildergalerie: Fitzek- und Tsokos-Verfilmungen

Seit ihrer Zusammenarbeit an "Abgeschnitten" sind der Forensiker Michael Tsokos und Romanautor Sebastian Fitzek Garanten des Grauens. Wir präsentieren die Filmadaptionen ihrer bisherigen Bestseller.