Brutale Selbstjustiz im "Tatort: Wir kriegen euch alle"

Im 80. Einsatz der Münchner Kommissare Batic und Leitmayr wird das Opfer zum Täter: Ein Weihnachtsmann macht Jagd auf Kinderschänder und überwacht die Kleinen mittels einer digitalen Puppe.

Schockierend, packend und hintergründig erzählt der 80. Münchner "Tatort" (2. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) den Rachefeldzug eines Weihnachtsmannes.

Darum geht's im "Tatort: Wir kriegen euch alle"

Lenas sprechende Puppe kündigt ihr den Weihnachtsmann an. Und brav schaltet das Mädchen für ihn die Alarmanlage aus und lässt Santa Claus nachts ins Haus. Doch statt Geschenke zu bringen, betäubt er sie mit einem Keks und ermordet die Eltern auf brutalste Art und Weise. Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) sind vom Tatort schockiert. Mit Blut steht an der Wand über dem entmannten, leblosen Vater "Wir kriegen euch alle".

Gespräche der Kommissare mit Lena bestätigen den Verdacht auf sexuellen Missbrauch. Und die einzige, mit der sich das Mädchen über die Gräueltaten ihres Vaters austauschen konnte, war die sprechende Puppe. Als die Kommissare entdecken, dass 22 weitere sogenannte Smart-Puppen im Umlauf sind, drängt die Zeit. Denn jemand scheint es auf Kinderschänder abgesehen zu haben.

Hintergrund

In der Rolle des Verdächtigen Haskos ist GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträger Leonard Carow (24) zu sehen. Auch die Rolle des Komplizen Louis übernimmt einer der derzeit heißesten deutschen Schauspielern unter 30 Jahren: Jannik Schümann (26). Schümann spielte schon im Kinofilm "Die Mitte der Welt" (2016) an der Seite des diesjährigen GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträgers Louis Hofmann.

Der "Tatort: Wir kriegen euch alle" entstand unter der Regie von Sven Bohse, der auch schon den "Tatort: Borowski und das Land zwischen den Meeren“, "Ku’damm 56“ und "Ku’damm 59“ inszenierte.

Als Drehbuchautoren fungierten Michael Comtesse ("Tatort: Dein Name sei Harbinger") und Michael Proehl. Letzterer hat mit seinem Film "Das weiße Kaninchen" eine ganz ähnliche Thematik erzählt.

GOKA-Kritik

Ein gruseliger Thrill, der in grau-grüner Farbe mit viel rot (Santas Umhang und viel, viel Blut!) und nervenaufreibender Musik in Szene gesetzt ist. Die Themen Kindesmissbrauch, Selbstjustiz und Überwachungsstaat werden intelligent und klug erzählt, ohne dabei den Blick fürs Relevante zu verlieren. Teilweise kommt dieser Fall wenig zimperlich und bedrückend daher, doch die hochkarätigen Schauspieler, das intelligente Drehbuch mit dem gut aufgelöste Ende machen diesen "Tatort" durchweg sehenswert.