Thomas Hermanns: "2018 war ein extrem verrücktes Jahr"

"Thomas Hermanns Show – Our Crazy Year": Der Jahresrückblick der anderen Art mit dem "Quatsch Comedy Club"-Gastgeber
"Thomas Hermanns Show – Our Crazy Year": Der Jahresrückblick der anderen Art mit dem "Quatsch Comedy Club"-Gastgeber
Foto: © dpa / Jens Kalaene
Entertainer Thomas Hermanns spricht im Interview über seine neue TV-Show, das Comeback des "Quatsch Comedy Clubs" – und sein Fazit eines irren Jahres.

Dieses Jahr sei wirklich extrem verrückt gewesen, meint Thomas Hermanns. Genau deshalb plaudert der Entertainer jetzt in der "Thomas Hermanns Show – Our Crazy Year" (Donnerstag, 13. Dezember, 21.05 Uhr, Sky One) über 2018.

Das Konzept, so der 55-Jährige, sei locker an die britische 'Graham Norton Show' angelehnt, eine Comedy-Talkrunde mit vier Gästen. "Wenn die Sendung Zuspruch findet, ist es gut möglich, dass wir künftig auch 'Our Crazy Month' oder 'Our Crazy Week' beleuchten!‘ Doch zum Auftakt gibt’s erst mal den Jahresrückblick." Und, exklusiv für GOLDENE KAMERA, einen Vorgeschmack auf sein Comeback bei Sky mit dem "Quatsch Comedy Club".

Thomas Hermanns im Interview

Zu Jahresbeginn 2018 wurde Diane Krugers "Aus dem Nichts" bester fremdsprachiger Film bei den "Golden Globes". War dies ein gutes Jahr für den Film, Thomas Hermanns?

Jein. Einerseits freue ich mich, wenn wir irgendwo einen Preis bekommen, aber andererseits muss man leider sagen, dass die Kinoqualität stark nachgelassen hat. Ein Indiz dafür ist, dass mit Julia Roberts der letzte, große, amtierende Filmstar mit "Homecoming" eine Serie (!) gedreht hat. Das ist wie ein Todesstoß für Hollywood, das sich längst in ein Marvel-Comic-Reich für den chinesischen und indischen Markt verwandelt hat, während alle interessanten Stoffe bei anderen Playern landen.

Etwa zeitgleich gewann Katzenberger-Schwester Jenny im "Dschungelcamp". Ist die Sendung noch Stadtgespräch?

Nein. Je mehr Schwestern, Cousinen oder Nichten von Reality-Stars einziehen, desto weniger relevant ist "Ich bin ein Star!" Gefühlt sind inzwischen schon Leute dabei, die von sich behaupten können, dass sie 1974 mal eine Bronzemedaille im Brustschwimmen gewonnen haben.

Im Februar kam der Journalist Deniz Yücel nach langer Zeit aus türkischer U-Haft frei ...

2018 wurde die Bevölkerung dafür sensibilisiert, wie gefährlich der Job der Journalisten ist. Ich hoffe, dass solche Fälle dazu führen, dass die Menschen den Journalismus wieder höher bewerten, ehren und mehr Geld dafür ausgeben.

Frances McDormand hielt im März eine emotionale Gleichberechtigungsrede bei der Oscarverleihung ...

Momentan ist der Oscar vor allem deshalb interessant, weil jeder sehen will, wie mit aktuellen politischen Themen umgegangen wird, etwa mit MeToo und Rassismus. Früher war die größte Überraschung, wenn ein leicht bekleidetes Frauenballett über die Bühne hopste. Aber 2018 hatte der Oscar mehr Schwung – und das ist eine gute Entwicklung.

Der "Echo" hingegen wurde im April begraben. Mit Recht?

Ich vermisse ihn nicht, weil er eine der schlechtgelauntesten, kühlsten, industriellsten deutschen Award-Shows war. Was auch daran lag, dass alle vorher wussten, wer siegt, und dennoch so tun mussten, als ob sie keinen Schimmer hätten.

Im Mai gaben sich Prinz Harry und Meghan Markle das Jawort …

Alles Royale ist mir egal! Ich bin ein aufgeklärter Bürger! Aber sie bringen zumindest frischen medialen Wind.

Im Juni schied Jogi Löws Mannschaft vorzeitig bei der WM aus. 2018 war ein mieses Fußballjahr, oder?

Genau. Aber genervt hat mich, dass man Jogi Löw das Gefühl gab, dass er sofort auswandern müsse. Einfach peinlich! Lasst Löw in Ruhe seinen Job machen! Und was Mesut Özil betrifft: Der Umgang nach seinem Foto mit Erdogan war ein Kommunikationsdebakel. Aber jetzt reden die Leute wenigstens auch mal darüber, wie sich einige aus der zweiten oder dritten Generation der "Gastarbeiterkinder" in Deutschland fühlen und ob sie wirklich integriert sind.

Ab Juli überrollte Deutschland dann die Hitzewelle ...

... und der letzte Dösel merkte, dass der Klimawandel real ist! Ich glaube, dass die Grünen deshalb so gut dastehen. Denn nach dem gruseligen Jahrhundertsommer 2018 hat jeder seine Meinung geändert und freut sich wieder über Regen.

Ende August kam es zu den üblen Ausschreitungen von Chemnitz. Welche Signale gehen davon aus?

Das war das schlimmste Signal, das aus Deutschland kommen konnte. Die Ausschreitungen sind eine Schande für unser Land. Ich kann nur hoffen, dass die Mitte der Gesellschaft dadurch hellhörig und aufmerksam wird und sich gegen Hetze und Gewalt engagiert.

Im September ging Daniel Kübelböck über Bord eines Kreuzfahrtschiffs ...

Das hat alle Komponenten einer tragischen Oper. Der Fall Küblböck zeigt, dass man mit Spott über Reality-Stars vorsichtig sein sollte. Wäre sein Leben nicht durch "DSDS" beeinflusst worden, gäbe es ihn noch. Ohne die Castingshow würde Daniel Küblböck noch leben.

Im Oktober begann der Serienherbst mit der zweiten Staffel von "4 Blocks". 2018 – war das ein Jahr der Serien?

Ja, und ich habe noch nie in meinem Leben so viel guten fiktionalen Content gesehen. Besonders gut fand ich diesen Doppel-Whopper mit "Babylon Berlin": Zuerst kamen die Sky-Abonnenten in den Genuss, danach die öffentlich-rechtlichen Zuschauer beim Lagerfeuer-Fernsehen.

Im November verlor Donald Trump bei den "Midterms" einen Teil der Macht. Zeichen für einen Wandel in den USA?

Nein, aber ein Hoffnungsschimmer auf Amerikas weitem Weg zur Renormalisierung. Die Demokraten müssen hart weiterkämpfen.

Anfang Dezember gab Merkel den CDU-Parteivorsitz ab. Was für ein Jahr war 2018 für die Kanzlerin?

Ich hatte das Gefühl, dass sie etwas erleichtert aussah, als sie ihren Rückzug ankündigte. Und ich glaube, dass die CDU nie wieder so viele Wähler begeistert wie in der Ära Merkel. Dass sie die CDU in die Mitte geführt hat, war das Beste, was der Partei passieren konnte. Jetzt muss die CDU entscheiden, ob sie Merkels Linie weiterführt – oder ob sie sich wieder so positioniert wie in der Zeit von Helmut Kohl. Ich würde ihr nicht dazu raten.

Zum Ende ein kurzer Blick nach vorn: Ab Januar 2019 feiert der "Quatsch Comedy Club" sein Comeback bei Sky.

Genau! Es gibt 16 neue Folgen mit dem klassischen Konzept: ein Moderator, drei Comedians. Außerdem spuke ich in kleinen Vorfilmen im Backstage-Bereich rum und mache die Comedians nervös. Mal bin ich Linda Blair aus dem "Exorzisten", mal Sissi, mal Maria Hellwig. Das ist alles abgedreht – im Berliner "Quatsch Comedy Club" vor echtem Publikum. Die Comedians sind ein Querschnitt von bekannten Gesichtern wie Michael Mittermeier, Kaya Yanar und Chris Tall sowie vielen neuen Leuten. Außerdem gibt's ein von Michael Mittermeier moderiertes Österreich-Special und ein Talentschmieden-Special mit Ilka Bessin.