GOLDENE KAMERA-Kandidat: "Polizeiruf 110: Tatorte"

In "Tatorte" (16. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) ermittelt der zurückhaltende, "alleinstehende" Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) zum letzten Mal.

Dieser Abschied fällt schwer. Matthias Brandt (GOLDENE KAMERA 2008) alias Kommissar Hanns von Meuffels quittiert seinen Dienst. Doch vorher muss er noch mal an seine Grenzen gehen. Privat plagt ihn sein gebrochenes Herz und beruflich soll er die brutale Hinrichtung einer Frau aufklären, deren einzige Zeugin die eigene Tochter ist.

Darum geht's im "Polizeiruf 110: Tatorte"

Ein Hörspiel klingt durchs Auto. Christine Paasewalk steigt aus und geht mit einem gelben Umschlag zu einem parkenden Auto. Ihre 7-jährige Tochter bleibt auf der Rückbank sitzen. Plötzlich fallen Schüsse und das Mädchen, welches sich in letzter Sekunde retten kann, muss mit ansehen, wie die eigene Mutter erschossen - ja geradezu hingerichtet– wird.

Trotz der großen Grausamkeit lässt dieser neue Fall Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ziemlich kalt, zu groß ist seine eigene Sorge: Er hat Liebeskummer. Constanze (Barbara Auer, GOLDENE KAMERA 1989) ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und nun versucht er alles, um sie zurück zu gewinnen. Der Sinn nach Arbeit steht ihm dabei gar nicht.

Seine neue Kollegin Nadja Micoud (Maryam Zaree) ermittelt dafür um so emsiger. Sie vermutet, dass der Ex-Mann (Stephan Zinner) der Toten im Streit um das Sorgerecht die Tat verübt hat. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass sogar die Tochter vor ihrem eigenen Vater zurückschreckt. Doch von Meuffels geht einer anderen Theorie nach...

Hintergrund

Dies ist nach "Kreise" und "Wölfe" der dritte Münchner "Polizeiruf 110" für den Christian Petzold die Regie und das Drehbuch übernommen hat. Mit einem Gastauftritt überzeugt Anna Maria Sturm als ehemalige Assistentin Anna Burnhauser.

Vor acht Jahren trat Hanns von Meuffels das erste Mal in Erscheinung. 15 Fälle später nimmt er nun seinen Hut. GOLDENE KAMERA traf Matthias Brandt zum Interview. Redakteurin Cornelia Ackers sagt zum Abschied: "Matthias Brandt als Hanns von Meuffels hat uns mit seiner außergewöhnlichen Schauspielkunst und seinem feinen Humor unvergessliche Krimiabende geschenkt und die Leistungslatte für Schauspieler in Ermittlerrollen sehr weit nach oben gelegt." 2019 startet Brandts Nachfolgerin, die Österreicherin Verena Altenberger.

Maryam Zaree (Rolle Nadja) kennen die Fans der Sonntagabend-Krimis bereits als Ermittlerin: Sie spielt im Berliner "Tatort" Dr. Nasrin Reza. Im GOLDENEN KAMERA-Preisträger "4Blocks" übernimmt sie die Hauptrolle der Kalila Hamady, für die sie auch den Grimme Preis erhielt. Mit Matthias Brandt stand sie schon für Christian Petzolds Kinofilm "Transit" (2018) vor der Kamera.

Filmbewertung

Der "Polizeiruf 110: Tatorte" ist dichter dran – dichter am wahren Leben, es menschelt! Von Meufels leidet unter Liebeskummer, er ist kaum in der Lage zu arbeiten. Der Mordfall ist daher nicht nur für ihn, sondern auch für die Zuschauer eher zweitrangig.

Bis auf den großen Schockmoment gegen Ende inszeniert Petzold einen leisen Abschied, der den Ermittler noch ein Mal so richtig in den Mittelpunkt rückt. So wie er seine Constanze vermisst, vermissen wir schon jetzt den grüblerischen Kommissar. Würze bringt Maryam Zaree als Nadja, die souverän auf die miese Laune kontert. Kurzum: Ein kantiger Abgang mit dramatischen Entwicklungen, fesselnd, super gespielt und bedrückend.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)