"Wir sind doch Schwestern": Drei Jahrhundertfrauen und ein Geheimnis

Die Familie hält zusammen? Als die Erste 100 wird, wollen sich Hiltrud, Martha und Betty versöhnen. Gar nicht so einfach.

Auf den ersten Blick ist es vor allem eine Familiengeschichte, auf den zweiten viel mehr: Der Film "Wir sind doch Schwestern" (22. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) nach dem gleichnamigen Roman von Anne Gesthuysen gleicht einem Jahrhundertporträt.

Darum geht's in "Wir sind doch Schwestern"

Auf einem Gutshof am Niederrhein treffen sich drei Schwestern zum 100. Geburtstag der Ältesten – nach jahrzehntelangem Zwist. Sie haben zwei Weltkriege erlebt, danach jene Zeiten, in denen ein Mann unangefochtenes Oberhaupt der Familie war und ohne Rücksprache den Arbeitsvertrag der Frau kündigen durfte.

Hiltrud (Hildegard Schmahl), die Älteste, spricht nicht mehr mit Betty (Jutta Speidel), der Jüngsten, die erst 84 ist. Martha (Gertrud Roll), mit 98 die Mittlere, sitzt zwischen allen Stühlen. Sie setzt alles in Bewegung, um ihre Schwestern zum großen Geburtstagsfest wieder zusammenzubringen: Alle sollen sich versöhnen.

Romanverfilmung unter Regie von Till Endemann

Für ihr Buch hat sich die Autorin Anne Gesthuysen, früher Moderatorin des ARD-"Morgenmagazins", von ihrer eigenen Familie inspirieren lassen: "Ich habe meine Großtanten zu den Figuren verarbeitet. Sie hatten sehr spannende Leben."

Das Drehbuch zum Film schrieb Heide Schwochow. Heraus kam ein Werk voll Historie, die in Rückblicken aufgefächert wird: die beiden Kriege ebenso wie die piefigen 50er-Jahre, in denen Homosexualität und Scheidungen verpönt waren. "Ein Mann herrschte über seine Ehefrau", sagt Gesthuysen. "In der Gesellschaft war es so, dass eine Frau ohne Mann quasi nicht existierte."

Umso spannender, dass sich die Frauen, die im Buch wie im Film ihren eigenen Weg gehen, auch wegen eines Mannes zerstreiten. Auslöser ihres großen Konflikts ist der inzwischen verstorbene Gutsherr Heinrich Verhoeven (Benjamin Sadler).

Jutta Speidels Verwandlung in eine 84-Jährige

Als das Angebot für die Rolle kam, hat Jutta Speidel nicht lange gezögert: "600.000 Bücher hat Anne Gesthuysen mit ihrer Geschichte verkauft – das spricht für sich. Außerdem fand ich es reizvoll, eine 20 Jahre ältere Frau zu spielen." Wie lief die Verwandlung ab? "In der Maske ging es eigentlich schnell: Ich habe mir die Strähnchen aus den Haaren wachsen lassen, es ist meine Naturhaarfarbe", berichtet Speidel. "Auf die Hände habe ich ein paar Flecken bekommen. Durch den Gang und die gebeugte Haltung bin ich in die Rolle geschlüpft."

Jede Familie habe ihre Geschichte, sagt Jutta Speidel. Während der Dreharbeiten sei ihr wieder sehr bewusst geworden, welch tiefe Dankbarkeit sie spüre, weil die Generation, zu der sie gehört, seit 65 Jahren in Frieden lebt.

"Meine Familie hatte im Krieg relativ viel Glück. Sie wurde zwar ausgebombt, hat sich aber ihren Humor bewahrt, und den Zusammenhalt. Alle haben noch mal etwas aus ihrem Leben gemacht", erinnert sich Speidel. "Mit wenig zurechtkommen – auch das hat mich geprägt. Die Generation meiner Töchter, die 1983 und 1986 geboren sind, ist schon nicht mehr so krisenfest."

Auch mit ihren Kindern wird Jutta Speidel deshalb noch einmal über die eigene Familiengeschichte sprechen. So wie wohl viele, die den Film sehen – am Samstag vor Weihnachten, dem Fest der Familie.