Michael Kessler: "Es ist ein Minenfeld, und manche Fragen überrumpeln mich"

Deutschlands spannendster Talk ist zurück: Michael Kessler konfrontiert in "Kessler ist..." Gäste mit sich selbst und taucht dabei tief in ihre Seele ein.

Dreimal trifft jeder Interviewpartner auf Michael Kessler: zum Vorgespräch in der Maske, ein paar Tage vor der Sendung dann vor der riesigen Wand mit Fotos, Zeitungsausschnitten und Post-its. Und in der Sendung selbst, wenn Michael Kessler dem Gast gegenüber Platz nimmt und ihm in Kleidung, Mimik und Gestik wie ein eineiiger Zwilling gleicht.

Kessler antwortet in der Rolle des Gastes auf dessen Fragen und bringt ihn so dem Zuschauer und sich selbst auf einzigartige Weise nahe. Die letzte von 20 Folgen lief im Sommer 2017. Endlich zeigt das ZDF vier neue Shows – leider als gründlich versteckte Programmperlen (ab 4. Januar, 23.40 Uhr, ZDF).

Interview mit Michael Kessler

GOLDENE KAMERA: Wie wählen Sie Ihre Gäste aus?

MICHAEL KESSLER: Natürlich spielt die Maske eine sehr große Rolle, es gibt Personen, in die kann auch ich mich nicht verwandeln. Gut sind markante Gesichter, Brillen, spezielle Frisuren. Aber wie wollen Sie mir beispielsweise eine Stupsnase schminken? Dazu wollen wir in jeder Staffel Gäste aus verschiedenen Bereichen haben. Und die Promis müssen natürlich auch neugierig machen, ich will spannende Geschichten zutage fördern.

Haben Sie Wunschkandidaten, die sich aber zieren?

Politiker sind schon besonders spannend. Die sind aufgrund ihrer wahnsinnig engen Zeitpläne aber schwer zu bekommen, wir brauchen sie ja schließlich an drei Tagen. Das ist uns bisher nur mit Gregor Gysi und Wolfgang Bosbach gelungen.

Welche Welt war am fremdesten?

Die der Volksmusik – wie im Fall Stefanie Hertel – ist mir schon sehr fremd. So heil, wie diese Welt tut, ist sie ja nicht. Und sie ist extrem verschwiegen und abgeschirmt. Ebenso wie die Sportwelt, wie ich es auch bei Stefan Effenberg merkte. Aber auch der politische Alltag ist sehr weit von mir weg.

Die Interviewpartner müssen viel Privates preisgeben. Hatten Sie schon mal das Gefühl: Das kippt jetzt, der steigt aus?

Ein Aussteigen gab es nie. Es hat sich auch noch niemand beschwert. Jeder geht anders damit um, dass das Gespräch mehr in die Tiefe geht als sonst üblich: Der eine öffnet sich mehr, der andere weniger. Spannend wird es, wenn auch Schwächen zur Sprache kommen. Wenn es emotional wird, wie bei Bosbach oder Horst Lichter. Da findet beim Zuschauer die größte Identifikation statt.

Wer war nach der Sendung besonders aufgewühlt?

Götz Alsmann. Das hat mich sehr erstaunt, wo er doch sonst immer die Rampensau gibt, den Entertainer, der alle Zügel in der Hand hat. Das finale Interview dauerte 40 Minuten. Er war wirklich fasziniert davon, sich selbst zu begegnen und gespiegelt zu werden.

Gezeigt wird immer eine gekürzte Gesprächsfassung. Mussten Sie schon mal unterbrechen, weil Sie lachen mussten?

Meistens lachen die Prominenten, wenn ich mich in der Maske vor sie hinsetze. Aber ich bin so konzentriert, dass an Lachen gar nicht zu denken ist. Die Gespräche sind ja eigentlich ernst. Selbst Bülent Ceylan hat man selten so ruhig und ernst gesehen.

Haben Sie Angst, Grenzen zu verletzen?

Schon, ja. Oder etwas falsch zu interpretieren. Es ist ein kleines Minenfeld, und manchmal sagt jemand: „Das empfinde ich aber anders.“ Doch ich denke, dass ich bei aller Vorsicht ein gutes Gespür dafür habe, ob ein Zahn gezogen werden kann.

Fällt Ihnen auch mal keine Antwort ein?

Ja, natürlich überrumpeln mich auch Fragen. Ich bin ja sehr damit beschäftigt, mein Gegenüber nachzuahmen. In dieser Staffel war da Rolando Villazón eine riesige Herausforderung, der sich extrem schnell bewegt, so quirlig ist, dass ich kaum hinterherkam.

Reiner Calmund war in dieser Hinsicht wahrscheinlich das andere Extrem ...

Ich hatte noch nie ein so massives Kostüm an und solch eine schwere Maske. Allein dieser Hals wog 400 Gramm, das muss man alles ankleben, und dann muss alles halten. Die extreme körperliche Verwandlung hat auch mich sofort schwerfällig gemacht.

Der Gast in der vierten Folge dieser Staffel sind Sie selbst. Wie soll das denn gehen?

Es ist ein Experiment, das ich schon lange probieren wollte. Normalerweise formuliere ich die Fragen an meine Interviewpartner. Wenn Kessler neben Kessler steht, werde ich die Fragen aber nicht kennen – sie kommen aus der Redaktion –, und ich werde spontan antworten. Das ist kompliziert zu drehen, aber ich wollte, dass alles so authentisch und real ist wie bei meinen Gästen. Ich bin gespannt und schon ziemlich aufgeregt.