Wie Hans Sigl den "Bergdoktor" zum Quotenhit machte

Er führte die Serie "Der Bergdoktor" in ungeahnte Höhen. Schafft der beliebte Österreicher das auch in Staffel 12?

War es Vorsehung oder Zufall? Als der junge Hans Sigl Mitte der 1990er-Jahre seine Schauspielausbildung abgeschlossen hatte und am Tiroler Landestheater engagiert war, bekam er eine kleine Tagesrolle in einer TV-Serie. Als Taxifahrer fuhr er zum Bergdoktor, damals verkörpert von Gerhart Lippert. Dass er viele Jahre später selbst „Der Bergdoktor“ sein würde, konnte er da noch nicht ahnen. Rund zehn Jahre später kam das Angebot – und für Sigl schloss sich der Kreis: „Es war wie eine Heimkehr“, erinnert sich der Star.

Das ist inzwischen zwölf Jahre her. Längst avancierte die Serie mit Sigl als Dr. Martin Gruber zum Erfolgsformat des ZDF. Nun ist das Dutzend voll: Nach dem traditionellen Winter-Spezial (3. Januar, 20.15 Uhr, ZDF) startet eine Woche später die zwölfte Staffel.

Der Bergdoktor: Trailer Staffel 12

Trauriger Abschied von Siegfried Rauch

Die Vorfreude auf neue Folgen ist jedoch getrübt durch einen traurigen Verlust. Im vergangenen Frühjahr starb im Alter von 85 Jahren Siegfried Rauch, der als Roman Melchinger den väterlichen Freund des Bergdoktors spielte – ein Schock für das ganze Team. In der Serie wird sein Abschied behutsam eingebaut. Für Hans Sigl war Rauch Freund und Vorbild – so formulierte er es auch in seiner emotionalen, bewegenden Rede auf der Trauerfeier. Er würdigte Rauchs Humor, seine Herzlichkeit, seine Bodenständigkeit. Alles Eigenschaften, die Freunde und Kollegen auch Sigl bescheinigen.

Beim Drehen arbeitet er ernsthaft und konzentriert, in den Pausen aber macht er mit seinem Freund Mark Keller gern Späße, die den Kollegen den miesesten Tag retten können. Das gute Miteinander ist Sigl wichtig, er fühlt sich verantwortlich, kümmert sich stets ums Wohl des ganzen Teams. Egal ob Schauspieler, Regisseur oder Fahrer: Alle loben die familiäre Atmosphäre am Set. Die ist essenziell für das Gelingen der Serie, und Sigl trägt viel dazu bei.

Bilder der 12. Staffel "Der Bergdoktor"

„Filme machen ist keine One-Man-Show, es ist immer eine Mannschaftsleistung“, erklärt der „Bergdoktor“-Produzent Matthias Walther und würdigt die besonderen Verdienste seines Hauptdarstellers: „Hans brennt für diese Serie, und das im zwölften Jahr mit der gleichen Energie und Leidenschaft wie zu Beginn. Er ist zudem ein großartiger Botschafter der Serie, der in seiner Öffentlichkeitsarbeit und in seinem Umgang mit den Fans maßgeblich zum Erfolg beiträgt.“ Der Star ist auf Facebook, Instagram und Twitter äußerst aktiv. Monika Baumgartner, die Mutter der Serienfamilie, bestätigt: „Hans ist sehr wichtig. Mit seinem Social Networking macht er viel für die Serie.“

Fast 4000 Besucher bei den Fan-Tagen

Das kommt bei den Fans gut an. Sie loben vor allem, dass die Schauspieler so authentisch Regelmäßig pilgern sie an Fan-Tagen zum Wilden Kaiser. Auch für Sigl sind die etwas Besonderes, „weil man die Zuschauer persönlich trifft und ein direktes Feedback bekommt“. Er verbringt viele Stunden mit den Menschen, hört ihnen zu. Anfangs kamen nur wenige Fans zum Wilden Kaiser, der wunderschönen Bergkulisse in Ellmau/Tirol. Später waren es etwa 1000, im vergangenen Jahr dann fast 4000. So wächst ein TV-Tourismus, der die Region in den vergangenen Jahren enorm belebt hat. Selbst bei den Dreharbeiten herrscht großer Andrang, und Sigl findet für jeden Besucher ein freundliches Wort.

Der Bergdoktor steht in Wien als Wachsfigur Respekt und Empathie: Das sind auch wichtige Charakterzüge des Bergdoktors Martin Gruber. Dessen Popularität ist unterdessen so groß, dass sie sogar öffentlich gewürdigt wird: 2013 wurde der TV-Held auf einer Sonderbriefmarke verewigt. Seit Dezember 2018 hat er nun auch eine eigene Wachsfigur im Kabinett von Madame Tussauds in Wien. „Als der Anruf kam, dachte ich zuerst, es sei ein Scherz von Guido Cantz für ‚Verstehen Sie Spaß?‘“, berichtet Sigl. Im Wachsfigurenkabinett ist nicht nur die Figur zu sehen, sondern eine ganze Themenwelt. Besucher können mit einer Virtual-Reality-Brille ins Auto des Serienhelden steigen und sich von ihrem Liebling durch die Kulisse chauffieren lassen.

Hans Sigl als Der Bergdoktor - Die Enthüllung

„Es ist nach der ‚Sisi Uncovered Experience‘ erst die zweite Wachsfigur, der wir aufgrund der hohen Nachfrage einen ganzen Bereich widmen“, erklärt Arabella Kruschinski, Geschäftsführerin von Madame Tussauds Wien. Selbst Sigl bekennt: „Ich bin von dem Ergebnis tief beeindruckt.“ Er schränkt aber ganz bescheiden ein: „Ich freue mich natürlich sehr und fühle mich geehrt. Aber es geht da um Martin Gruber und nicht um Hans Sigl, das muss man sich immer vor Augen halten.“ Der Star rückt lieber seine Filmfamilie ins Rampenlicht: Monika Baumgartner als Mutter, Heiko Ruprecht als Bruder, Ronja Forcher als Tochter.

„Der Erfolg liegt auch in unserer Beständigkeit. Die Zuschauer folgen uns nun seit zwölf Jahren. Das ist ungewöhnlich für unsere schnelllebige Zeit. Darauf sind wir stolz. Als Familie sind wir ein bisschen wie die modernen Waltons.“ Trotz des aktuellen Höhenflugs weiß der Star: Erfolg kann flüchtig sein. „So wie es eine Zeit vor der Serie gab, wird es auch irgendwann eine Zeit danach geben. Dann muss ich damit rechnen, dass es mit dieser überbordenden Popularität vorbei ist. Aber das kann ja auch entspannend sein.“

Einen Satz seiner ehemaligen Agentin hat Sigl sich vor Jahren besonders zu Herzen genommen: „Egal ob du als Schauspieler mit einer Rolle Erfolg oder Misserfolg hast, es hat nie mit dir persönlich zu tun, sondern immer mit deiner Figur, die für die Zuschauer eine Projektionsfläche ist.“ Ein kluger Satz, der ihn vor dem Abheben ebenso bewahrt wie vor dem Abstürzen.

Für Erfolg hat Sigl eh eine ganz eigene Definition: „Wenn man das tun kann, was man sich für sein Leben vorgenommen hat. Ich wollte einen Film drehen, eine Serie, ein Bühnenprogramm auf die Beine stellen und Hörbücher lesen. All das habe ich gemacht oder mache es noch, und es funktioniert.“ Mit seinem Soloprogramm steht er regelmäßig als Kabarettist auf der Bühne. Er hat Hörbücher über Meditation eingelesen und klassische Literatur. „Das ist mir eine Herzensangelegenheit: Klassiker für die Jugend hörbar zu machen, das macht mich glücklich.“

Sigl bekommt es mit der Mafia zu tun

Er, der früher selbst TV-Shows moderierte, taucht nun oft in Quizsendungen und Shows auf. Auch filmisch tut sich einiges. Sigl hat für das ZDF einen Thriller gedreht, in dem er es mit der Mafia zu tun kriegt. „Eine willkommene Abwechslung wischen den,Bergdoktor‘-Folgen“, so sagt er. Sigl ist vielseitig, umtriebig, will sich ausprobieren. Wie schafft er das alles? „Man muss sich richtig kalibrieren. Es ist wichtig, einen Schritt nach dem anderen zu gehen und sich nicht von außen hochschaukeln zu lassen. Ich habe mich glücklicherweise zeit meines Lebens nicht darum gekümmert, was andere sagen, sondern immer auf mein Bauchgefühl, meinen Instinkt gehört.“

Als Nächstes stehen die neuen Folgen des „Bergdoktors“ an. Sigl und Mark Keller rühren schon mal die Werbetrommel, natürlich auch auf Facebook, natürlich mit viel Witz: „The Docs – die neue Medical Crime Serie auf Kruzefix ZDF, Spannung pur“. Daneben prangt ein Emoji: ein Smiley mit Freuden- und Lachtränen. Der Bergdoktor hat viele junge Fans. Der Mann hat Zukunft.

Die Geschichte des „Bergdoktors“

Vom Groschenroman zur erfolgreichen TV-Serie: Angefangen hat alles mit einer Reihe von Heftromanen, die 1980 auf den Markt kam und bis heute wöchentlich bei Bastei erscheint. Im Mittelpunkt steht Dr. Martin Burger aus dem Zillertal. In der TV-Serie, die 1992 bei Sat.1 startete, wurde daraus Dr. Thomas Burgner, gespielt von Gerhart Lippert. In den besten Zeiten erreichte die Serie mehr als 10 Millionen Zuschauer. Auch Lipperts Nachfolger Harald Krassnitzer ("Tatort") war ab 1997 als Dr. Justus Hallstein erfolgreich. Trotzdem setzte Sat.1 die Serie 1998 ab. Grund: Das Programm sollte verjüngt werden. Acht fertige Folgen wurdennicht mehr ausgestrahlt. Das ZDF übernahm zunächst die alten Folgen und wagte ab 2008 dann einen kompletten Neustart mit Hans Sigl in der Hauptrolle als Dr. Martin Gruber. Der Lohn sind sechs bis sieben Millionen Zuschauer pro Folge.