"Die Affäre Borgward" - ein packender Wirtschaftskrimi

Mit Vollgas in die Pleite: "Die Affäre Borgward" (Montag, 7.1., 20.15 Uhr, im Ersten) erzählt den mysteriösen Konkurs des Bremer Autobauers. Mit GOLDENE KAMERA-Preisträger Thomas Thieme.

Anfang 1961 platzt die Bombe: Die Borgward-Gruppe ist pleite. Damit endet eine Erfolgsgeschichte der Nachkriegsjahre: Das Unternehmen gilt als Symbol des Wirtschaftswunders. Gebaut werden Autos für jedermann wie die Isabella, ein Modell, das sich in den frühen 50ern selbst Kleinverdiener leisten können.

An der Spitze der Bremer Firma steht Carl Borgward, seit 1937 alleiniger Besitzer der Firmengruppe, bei der mehr als 20.000 Menschen beschäftigt sind. Wie konnte es zum überraschenden Konkurs kommen? Diese bis heute offene Frage ist das Thema des spannenden Dokudramas "Die Affäre Borgward".

Hintergrund

Für ihn stecke in dieser Geschichte ein Wirtschaftskrimi, sagt Regisseur Marcus O. Rosenmüller: "Wir haben uns als Filmemacher gewissermaßen in die Vermittlerrolle begeben, um ein offenes Rätsel zu lösen." 1960 ist Borgward mit 4,7 Prozent Marktanteil ein führender deutscher Automobilhersteller – zwar hinter Volkswagen und Opel, aber noch vor BMW.

Making Of. "Die Affäre Borgward"

Die erste große Wirtschaftspleite der Nachkriegsjahre führt auch zu Verschwörungstheorien. "Was ist dran an der Legen- de, Carl Borgward sei von seinen Konkurrenten in den Konkurs getrieben worden?", fragt Regisseur Rosenmüller. Im Film wird klar, dass besonders BMW von der Pleite des norddeutschen Konkurrenten profitierte. Um Arbeitsplätze zu retten, entmachtete der Bremer Senat Carl Borgward und beauftragte den BMW-Aufsichtsratsvorsitzenden Johannes Semler mit der Sanierung der Borgward-Gruppe. "Wir haben uns den Feind ins Haus geholt", so bilanziert es im Film ein Politiker.

Für Regisseur Rosenmüller hat aber auch Borgward mit seiner sturköpfigen Unbelehrbarkeit und seiner ruppigen Art Fehler gemacht: "Nicht zuletzt trug der Held selbst zum Aus seiner Werke bei." Er stieß Politiker vor den Kopf, wollte von Banken nichts wissen, ignorierte die Konkurrenz und die Warnungen seiner Kaufleute. Zudem übersah er technische Mängel bei seinen neuen Arabella-Modellen.

Die Autos waren ihm stets wichtiger als die Bilanzen. "Wenn du in der Seele eher ein Künstler bist und in einem Auto das Schöne siehst, bleibt der Geschäftssinn schon mal auf der Strecke", sagt Thomas Thieme (GOLDENE KAMERA 2014), der Borgward darstellt und dem dieser kantige Typus Mensch sehr gefällt: "Ich habe nur ganz wenige Rollen so geliebt wie diese."