"Totengebet": Jan Josef Liefers über sein Comeback als TV-Anwalt Joachim Vernau

"Totengebet" ist für TV-Anwalt Joachim Vernau sein bislang gefährlichster Fall. Wir trafen Jan Josef Liefers zum exklusiven Gespräch über seine zweite Paraderolle.

Nach "Das Kindermädchen" (2012), "Die letzte Instanz" (2014), "Der Mann ohne Schatten" (2015) und "Die 7. Stunde" (2016) kehrt "Tatort"-Ikone Jan Josef Liefers im Thriller "Totengebet" (14. Januar, 20.15 Uhr im ZDF) mit seiner zweiten Paraderolle ins Fernsehen zurück.

Darum geht's in Totengebet"

Sein fünfter Fall führt Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in die eigene Vergangenheit nach New York. Die junge US-Amerikanerin Rachel (Mercedes Müller) sucht nach dem gewaltsamen Tod des Stiefvaters ihren leiblichen Erzeuger, der zur einstigen Studentenclique ihrer Mutter Rebecca (Claudia Michelsen) und Vernau gehört. Dieser stellt sich verunsichert die Frage, ob er selbst der Vater ist und gerät bei seinen Nachforschungen zunächst unter Mordverdacht und dann selber ins Visier des Killers, der verhindern will, dass die Wahrheit ans Tageslicht gelangt.

Hintergrund

Jan Josef Liefers hatte nach drei Jahren Pause Lust auf eine Fortsetzung der Vernau-Reihe, die auf den bekannten Romanen von Elisabeth Herrmann basiert.

Doch Liefers wünschte sich ein schärferes Profil für seinen Anwalt: "Die Zeit geht immer weiter, nur in Serien bleibt sie manchmal stehen. Ein filmisch neues Niveau zu erschließen, wie es hier gelang, das ist ein seltener Glücksfall", lobt er seinen neuen Regisseur Josef Rusnak, den Liefers selber als Nachfolger des 2016 verstorbenen Carlo Rola ins Spiel gebracht hatte.

Auch Schriftstellerin Herrmann ist zufrieden: "Sie haben es geschafft, dass der Vernau trotz der Leichtigkeit seines Charakters mehr Tiefe bekommt." Ihre Freude, dass Liefers die Reihe fortsetzt, ist unüberhörbar: "Er hat Starqualitäten und eine Natürlichkeit im Spiel, dass man ihm alles abkauft."

"Totengebet": Jan Josef Liefers im Interview

GOLDENE KAMERA: Liberal, weltoffen, eher kopfgesteuert als muskelbeladen: Ist der Vernau ein veritabler moderner Held?

JAN JOSEF LIEFERS: Ich sehe ihn eher zeitlos. Ich mag an ihm seine Unabhängigkeit. Die bewahrt ihn davor, korrupt zu werden oder sich irgendeinem Chorgeist unterzuordnen. Dabei ist er kein verkniffener Typ, sondern eher ein Lebemann. Wissen Sie, wirkliche Freigeister werden rar, dafür werden Sie umso mehr gebraucht.

Wie gut kennen Sie Krimiautorin Elisabeth Herrmann, die den Vernau erfunden hat?

Wir kennen uns aus inzwischen zahlreichen Begegnungen, die alle mit den Verfilmungen ihrer Vernau-Romane zusammenhingen. Sie ist eine charmante und intelligente Frau, die weiß, was sie will und sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt. Das gefällt mir. Unsere Begegnungen waren immer sehr freundschaftlich.

Was ist das Faszinierende an der Verfilmung ihrer Bücher? Die Verquickung von Gegenwart und unbewältigter Vergangenheit?

Sie stellt gerne Zusammenhänge aus Vergangenem und Gegenwärtigem her, auf die man nicht gleich kommt. Viele ihrer Krimifälle nehmen ihren Anfang in längst vergangener Zeit, aber die Auswirkungen und auch die Lösung findet sich erst heute. Bei ihr hat immer alles mit allem zu tun. Den Bogen hat sie einfach raus.

Warum wurden Teile der Handlung nach New York verlegt?

Ich denke, das ist letztlich den finanziellen Möglichkeiten geschuldet. Es beschädigt in diesem Falle aber die Geschichte nicht, denn in New York gibt es sowohl eine große, lang etablierte und höchst lebendige jüdische Community, sowie ganz in der Nähe in und um Boston die großen Eliteuniversitäten wie Yale und Harvard.

Gibt es eine interessante Anekdote vom dortigen Dreh?

Ich war joggen im Central Park und hielt bei den Strawberry Fields an, um an John Lennon zu denken, den ich immer sehr verehrt habe und der am 8. Dezember 1980 - genau vier Monate nach meinem 16. Geburtstag - dort direkt gegenüber am Dakota House erschossen wurde. Neben mir stand noch ein Pärchen, das erst etwas tuschelte und dann kam, um ein Foto mit mir zu machen. Die beiden stammten wie ich aus Dresden und hatten vor kurzem einen älteren Film gesehen, in dem ich einen Gitarristen spielte, der John Lennon verehrte. Ich glaube nicht an Schicksal, aber hey, es gibt magische Momente!

Welcher Typ ist Ihnen persönlich lieber oder näher: Anwalt Vernau oder Professor Boerne, mit dem Sie zum "Tatort"-Star wurden?

Das ist ja, als würden Sie mich fragen, welches meiner vier Kinder ich lieber hätte. Absolut unbeantwortbar! Näher ist mir sicher der Herr Vernau, das ist eine realistischere Figur ohne Schrulligkeiten, dafür macht der Professor mehr Spaß, weil der so ein schräger Vogel ist. Schön für mich, dass es beide gibt.

Beide Sender – ARD und ZDF – akzeptieren, dass Sie beim jeweils anderen die Hauptrolle in einer Hauptabendserie spielen. Das lassen sie so gut wie niemand sonst durchgehen. Wie haben Sie es geschafft, das durchzusetzen?

Professor Boerne ist schon eine sehr charakteristische, unverwechselbare Figur geworden. Sowohl im Habitus als auch im Äußeren. Im weitesten Sinne ist er zwar auch ein Ermittler, aber eben Mediziner, also Zivilist, kein Polizist! Hier besteht wirklich keinerlei Verwechslungsgefahr und damit keinerlei Grund zur Sorge, die Vernau-Filme könnten die Marke Tatort verwässern oder umgekehrt. Das sehen ARD und ZDF natürlich auch ganz klar und deutlich, deswegen gab es hier nichts durchzusetzen.

Was Sie derzeit anfassen, wird zu Gold. Sie sind die Nummer 1 im deutschen TV. Wie fühlt es sich an?

"Erfolg ist ein Abfallprodukt dauerhaft guter Arbeit, gepaart mit Glück!" so hat es mir mal ein Regisseur erklärt. Übrigens jemand, der mich ganz schrecklich fand, und wegen dem ich kurz davor war, den Beruf an den Nagel zu hängen. Das ist lange her, damals war ich Anfang zwanzig. Aber der Satz ist geblieben. Ich mache mir viele Gedanken um meine Arbeit und fast keinen über meinen Erfolg. Mein Publikum und meine Fans ermöglichen mir, mit einer oft brotlosen Kunst ein gutes Leben zu führen. Kein Quatsch, daran denke ich jeden Tag mit Dankbarkeit und Freude, und dafür gebe ich mein bestes.