Die Geschichte von Paul und Pauline im "Polizeiruf 110: Zehn Rosen"

Im Magdeburger "Polizeiruf 110: Zehn Rosen" (10. Februar, 20.15 Uhr, ARD) suchen Brasch und Köhler den Mörder von zwei verschnürten Frauenleichen.

Endlich zeigt Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen, GOLDENE KAMERA 2013) ihre mitfühlende Seite. Schade nur, dass ihr Kollege Köhler (Matthias Matschke) davon nicht mehr viel hat, denn dies ist ihr vorletzter gemeinsamer Fall.

Darum geht's im "Polizeiruf 110: Zehn Rosen"

Eine stark zugerichtete Frauenleiche wird auf einem verlassenen Magdeburger Industriegelände gefunden. Da die Tote erst nach ihrer Ermordung an den Füßen gefesselt wurde, vermuten Doreen Brasch und Dirk Köhler einen symbolischen Akt.

Bereits fünf Jahre zuvor wurde die Prostituierte Jessica Peschke auf gleiche Art und Weise getötet. Handelt es sich um einen Serienmörder? Damals geriet die Transgenderfrau Pauline Schilling (Alessija Lause), die ein Verhältnis zu dem Opfer hatte, in Verdacht und musste in U-Haft. Dort wurde sie von den JVA-Beamten so schwer misshandelt, dass das erzwungene Geständnis gegenstandslos war und Pauline freigesprochen wurde.

Auch zu dem zweiten Opfer hatte Pauline ein Verhältnis. Die Tote arbeitete als Arzthelferin in der Psychologischen Praxis von Dr. Paola von Jagow (Birge Schade), die Pauline ein Gutachten für die OP ihrer Geschlechtsumwandlung ausstellte. Somit steht die Transgenderfrau ganz oben auf der Liste der Verdächtigen.

Hintergrund

Bereits im Rostocker "Polizeiruf 110: Für Janina" nehmen es die Ermittler mit dem Gesetz nicht so genau. Auch die Magdeburger Kollegen ermitteln hier hart an der Grenze: Brasch steigt unerlaubt in fremde Häuser ein und Köhler bedroht Verdächtige sogar mit seiner Dienstwaffe. Selbst der Vorgesetzte Lemp (Felix Vörtler), der sich nach seinem 30-jährigem Dienstjubiläum versetzen lassen will, verhält sich am durchaus spannenden Ende dieses Falls nicht regelkonform.

Alessija Lause spielt die Transgenderfrau Pauline

Alessija Lause (38) stand bereits mit sechs Jahren zum ersten Mal vor der Kamera. Sie absolvierte eine klassische Ausbildung, stand auf diversen Theaterbühnen und war bereits im "Polizeiruf 110" und im "Tatort" zu sehen. Bei "Hinter Gittern – der Frauenknast" (2006-2007) übernahm sie eine Hauptrolle. Außerdem arbeitet sie als Stuntfrau – sie doubelte schon Cate Blanchett (GOLDENE KAMERA 2002) und Diane Kruger (GOLDENE KAMERA 2010).

Die Rolle der unseriösen Psychologin übernimmt Birge Schade. Die Schauspielerin verkörperte derzeit im Kino Hape Kerkelings Lieblingstante Lisbeth in "Der Junge muss an die frische Luft". Ihr Debüt gab die 53-Jährige 1988 in "Herbstmilch". Sie spielte in "Die Räuberin" eine Kinohauptrolle und gehört bei "Herr und Frau Bulle" neben Alice Dwyer zum festen Ermittlerteam.

Dies ist der vorletzte Fall für Matthias Matschke, der noch in diesem Jahr vom "Polizeiruf"-Team Abschied nimmt. Bis ein Nachfolger gefunden ist, ermittelt Brasch zunächst alleine weiter. Matschke ist dafür im März mit vier neuen Folgen in der dritten Staffel von "Professor T." (ab dem 8. März, freitags, 20.15 Uhr im ZDF) zu sehen.

Filmkritik zum "Polizeiruf 110: Zehn Rosen"

Verzweifelte und einsame Menschen – die gibt es im Magdeburger "Polizeiruf" häufiger. Diesmal lebt der Krimi aber genau von diesen Figuren. Er setzt weniger auf Action, sondern liefert Einblicke in die Seelen der sehr gut gezeichneten Figuren – ein düsteres Panoptikum verkorkster Seelen.

Bereits im letzten Fall "Crash" hat sich die sonst so unnahbare, toughe Kommissarin etwas geöffnet. Hier zeigt Brasch noch mehr von ihrer menschlichen Seite und wirkt fast schon emphatisch. Wünschenswert wäre mehr von dieser Facette, zumal Claudia Michelsen die Kommissarin ganz wunderbar verkörpert.

Insgesamt ein unaufgeregter, clever gestrickter "Polizeiruf", der von den leisen Zwischentönen und besonderen Charakteren lebt.