"Vermisst in Berlin": Alltag und Albtraum von Flüchtlingskindern

Der Thriller "Vermisst in Berlin" zeigt das Schicksal von Flüchtlingskindern in Deutschland. Ein Drama, das wachrüttelt.

"Vermisst in Berlin" beleuchtet eine Realität in Deutschland, die kaum jemand kennt: Tausende Flüchtlingskinder kommen auf eigene Faust nach Europa und tauchen bei uns unter. Das ZDF wagt sich an diesen Stoff und zeigt den exzellent besetzten Film am Montag, 11. Februar, um 20.15 Uhr.

Darum geht's in "Vermisst in Berlin"

Ein Kind allein. Nachts, mitten in Berlin. Um ein Haar hätte Judith Volkmann (Jördis Triebel) den Jungen überfahren, als er über die Straße lief. Er flüchtet. Die beurlaubte Kommissarin lässt die Begegnung nicht mehr los: Was macht dieser Junge in der Dunkelheit allein in der Stadt? Warum vermisst ihn niemand?

Ermittlerin Volkmann ahnt schnell, dass es ein Flüchtlingskind sein könnte, das vor ihr Auto lief. Sie informiert ihren früheren Chef Deniz Kovacevic (GOLDENE KAMERA-Nachwuchspreisträger Edin Hasanovic) und konfrontiert ihn nach ersten Recherchen mit dem Verdacht, hinter dem Fall könnte ein illegaler Prostitutionsring stecken. Pikant: Die Leiterin eines Flüchtlingsheims (Natalia Wörner) scheint darin verstrickt zu sein.

Ein brisantes Thema

"Die Dreharbeiten waren zeitweise ziemlich beklemmend", so Natalia Wörner. "Wir drehten an den Orten des realen Geschehens: im Berliner Tiergarten." Über 20.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kamen allein 2017 nach Deutschland. Das Bundeskriminalamt schlägt Alarm: Über 3000 galten im Januar 2019 als vermisst. Um sich Geld zu verdienen, prostituieren sich nicht wenige von ihnen im Tiergarten oder verkaufen dort im Auftrag arabischer Familienclans Drogen.

"Bis ich das Drehbuch las, war mir die Brisanz des Themas nicht so deutlich bewusst – wie übrigens unserem gesamten Team", so Wörner. "Es ist ein Geschäftsmodell, mit Flüchtlingen Geld zu machen. Das ist bitter, traurig und hässlich. Umso mehr erstaunt es mich, dass Zwangsprostitution von Flüchtlingen kaum im Fokus ist, obwohl sie auch mitten in Berlin stattfindet."

Könnte daraus eine neue Reihe entstehen? Wörner: "Spekulationen und Wünsche in diese Richtung gibt es. Das Thema ist relevant und aktueller denn je: Es geht um den Staat und sein Ringen, der Clan-Realität nicht nur mit Ohnmacht zu begegnen. Das Thema weiter zu behandeln kann ich mir sehr gut vorstellen."

Filmkritik

Mit diesem Film beweist Produzentin und Jury-Mitglied der GOLDENEN KAMERA 2019 Dr. Gabriela Sperl wieder einmal ihr Gespür für brisante Stoffe. Der Thriller hat die Kraft, Menschen wachzurütteln – so überzeugend spielen Natalia Wörner, Jördis Triebel und Edin Hasanovic.