Die ARD-Doku-Highlights 2019: Informativ, spannend, unterhaltsam

Die ARD informiert auch 2019 mit zahlreichen Reportagen und Dokumentationen über spannende Themen. Ein Highlight: der Dokumentarfilm "Wildes Herz" von Charly Hübner über die Punkband Feine Sahne Fischfilet.

Die ARD schickt mit seinen Dokus und Reportagen das Publikum auf Entdeckungsreise durch die Zeitgeschichte, porträtiert bekannte Persönlichkeiten und informiert über die Welt der Politik und Wirtschaft. Die ARD-Doku-Highlights 2019.

Dokumentationen aus Politik und Zeitgeschichte

"Die Akte BND" - zweiteilige Doku (Teil 1 + 2 am 11.3.2019, ab 22.45 Uhr, Das Erste)

Die Kernthese: Der deutsche Geheimdienst BND arbeitet mit ausgewählten Reedern zusammen, um sensible Waffentransporte ins Ausland durchzuführen – ohne Abstimmung mit den zuständigen Ministerien. Teil 1 verfolgt ein Phantom, einen Mitarbeiter des BND mit dem Decknamen "Hollmann". Der 2. Teil beleuchtet den historischen Kontext.

"Bomben im Meer" (Sommer 2019, Das Erste)

"Hochexplosive Bomben im Meer": Beitrag aus dem ARD-"Mittagsmagazin"

Geschätzt 1,6 Millionen Tonnen Munition und chemische Waffen schlummern seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Grund von Nord- und Ostsee – als Blindgänger, in Schiffswracks, vor allem aber als nach Kriegsende bewusst versenkte Munition. Doch wo genau, weiß niemand. Jahrzehntelang fühlte sich niemand zuständig, denn viele Bomben liegen in internationalen Gewässern. Schleswig-Holstein versucht seit einigen Jahren, sich um die Altlasten vor den eigenen Küsten zu kümmern. Auch der Bund steht vor einer Mammutaufgabe. Die Dokumentation blickt auch nach Dänemark und zeigt, dass dieses Problem eine gigantische tickende Zeitbombe an unseren Küsten ist.

"Loveparade - Die Verhandlung" (voraussichtlich im Sommer 2019, Das Erste)

24. Juli 2010: 21 Jahre nach ihrer Gründung ist die Loveparade in Duisburg angekommen. Am Nachmittag kommt es zur Katastrophe: Auf den Zu- und Abgangswegen zum Festgelände stauen sich zehntausende Menschen. 21 Menschen sterben im Gedränge, 652 werden verletzt. In den folgenden Jahren nehmen sich sechs Überlebende das Leben. Wer trägt die Verantwortung für die Toten und Verletzten von Duisburg?

"Loveparade-Prozess: Rekonstruktion einer Katastrophe" vom WDR

Mehr als sieben Jahre nach der Katastrophe beginnt die juristische Aufarbeitung. Am 8. Dezember 2017 ist Prozessauftakt zum größten Justizverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik: mehr als 53.000 Seiten Ermittlungsakten, 10 Angeklagte, 30 Strafverteidiger, rund 60 Nebenkläger, vermutlich rund 200 Verhandlungstage. Von Anfang an steht dieses Verfahren unter Zeitdruck: Gelingt es dem Gericht nicht, bis zum 27. Juli 2020 zu einem erstinstanzlichen Urteil zu gelangen, muss der Prozess beendet werden. Denn an diesem Tag jährt sich der Todestag des letzten Loveparade-Opfers zum zehnten Mal – danach wären alle Anklagepunkte verjährt.

"Bayern unterm Hakenkreuz" (3. oder 4. Quartal 2019, BR Fernsehen)

Wo beginnt es, das Böse? Durch die Augen von Hobbyfilmern blickt die Doku auf Bayern zwischen 1936 und 1945 – 100 % in Farbe. Keine Propaganda, sondern Dachbodenfunde – vieles davon bisher unveröffentlicht. Die Unbeholfenheit und die Privatheit der Filmszenen schaffen eine fast unerträgliche Nähe. Jeder Einzelne ist ein Zahnrad im großen Ganzen. Die Politik ist allgegenwärtig: Vor der katholischen Madonnenfigur weht das Hakenkreuz. Auf dem Faschingsumzug in Nürnberg hängen Juden aus Pappmaché am Galgen. Und dann im Mai 1945: Amerikanische Soldaten filmen die Befreiung von Dachau – das Unsagbare in Großaufnahme, der Zivilisationsbruch in Farbe.

"Colonia Dignidad" (4. Quartal 2019, Das Erste)

Kaum eine Sekte ist weltweit bekannter als die deutsch-chilenische Gemeinschaft unter der Führung des Laienpredigers Paul Schäfer. Die Colonia Dignidad ist eine in der Geschichte bislang nie da gewesene Synthese von Sekte und mächtiger krimineller Organisation, die alle staatlichen Organe Chiles unterwanderte. Noch immer ist es nicht gelungen, das Wesen dieses Staates im Staate zu entschlüsseln. Erstmalig sind nun Einblicke in die innere Dynamik der Colonia Dignidad möglich. Einmalige Dokumente liegen dafür exklusiv vor. Umfangreich erhalten gebliebene Ton- und Filmaufnahmen, mit noch nie gezeigten 300 Stunden Film- und Videomaterial, 90 Stunden Audiomitschnitte und über 9400 Fotos, ein "Archiv der Hölle". Es sprechen ehemalige und heutige Sektenmitglieder, Richter, Politiker, Nachbarn, Staatsanwälte, Militärs, Geheimdienstler, Angehörige der "Verschwundenen", die in der Kolonie getötet wurden, Menschen, die diese Hölle auf Erden erlebt haben, sie zum Teil mitgestalteten und einige, die halfen, sie zu beenden.

"Palast der Gespenster" (2019, Das Erste)

Der 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1989. Die Parteiführung hat diesen Geburtstag als Machtdemonstration des sozialistischen Staates geplant, als Bestätigung des eigenen Erfolges. Die Bürger der DDR nutzen den Tag, um überall im Land auf die Straße zu gehen und Veränderungen zu fordern, die ab da nicht mehr aufzuhalten waren. Das 90-minütigen Doku-Drama erzählt von diesem ersten großen Aufbäumen der DDR-Bürger im Wendeherbst 1989. Im Fokus des Films steht die Perspektive der Menschen, die den Tag maßgeblich prägten und somit den Weg zur Deutschen Einheit ebneten. Der Film setzt sich aus Interviews mit Zeitzeugen, Spielszenen und Archivmaterial zusammen.

Geschichtsdokumentationen

"Heimatland" (25.2.2019, 20.15 Uhr, Das Erste)

Am Rande Kölns liegt Widdersdorf. Mehr als 10.000 Menschen haben sich hier in den letzten Jahren angesiedelt - und was einst als großes Glück erlebt wurde, bekommt jetzt Risse, weil Alte und Neue nicht zu einem "Wir" finden. Wie entsteht Heimat, wie findet man sie? Filmemacher begeben sich auf Spurensuche.

"Frauen im Osten" (3-teilige Doku, ab 10.3., 23.05 Uhr, im MDR und rbb)

Während in der Bundesrepublik die Rolle der Frau in der Gesellschaft jahrzehntelang thematisiert wird, galten die Frauen der ehemaligen DDR schon 1990 als gleichberechtigt, die Emanzipationsbewegung als abgeschlossen. Die Frauen haben sich diese Emanzipation nicht erkämpft, sie war in der DDR Staatsdoktrin. Der Unterschied zwischen ost- und westdeutschen Frauen ist bis heute prägend. Alle großen gesellschaftlichen Änderungen, die vom Osten ausgingen, betreffen mehr oder minder Themen, die klassischer Weise mit Frauen verbunden werden: vom Recht auf einen KiTa-Platz bis zur bezahlten Elternzeit. Die Möglichkeit zum Dienst in der Bundeswehr, die höhere Frauenerwerbsquote und die Fragen von Vereinbarkeit von Beruf und Familie wurden maßgeblich von Ostdeutschen angestoßen.

"Berlin - Schicksalsjahre einer Stadt" (Staffel 2 im Frühjahr 2019, Das Erste; Staffel 3 im Herbst 2019, rbb)

Der RBB dokumentiert in einer bislang nie dagewesenen Größenordnung die Geschichte der Stadt Berlin von 1961 bis 1990. Im November 2018 startete "Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt" auf prominentem Sendeplatz samstags um 20.15 Uhr im RBB Fernsehen. Staffel zwei und drei folgen im Frühjahr und Herbst 2019. Erzählt wird im ständigen Gegenschnitt aus dem West- und Ostberliner Alltag. 2.700 Minuten Berlin.

"Geheimnisvolle Orte - Schengen. Europa im Reagenzglas" (2. Quartal 2019, 23.30 Uhr, Das Erste)

Schengen ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein geheimnisvoller Ort, nicht nur, was seine geografische Lage betrifft. Wie kam es, dass ein so unbekanntes Fleckchen Erde ausgewählt wurde, eine solch tragende Rolle auf der europäischen Bühne zu spielen? Wie war es, als das Schengener Abkommen nach Schengen kam, in dieses kleine luxemburgische Moseldorf direkt an der Grenze zu Deutschland und Frankreich? Und wie geht Schengen heute, rund 34 Jahre nach der Unterzeichnung, mit seiner Rolle um? In einer Zeit, in der die Freizügigkeit in Europa wie noch nie in der Kritik steht, besucht der Filmemacher Claus Räfle den 560-Seelen-Ort, für den seine internationale Bevölkerung und das Fehlen von Grenzposten und Zollbeamten nicht nur Grund zum Stolz, sondern auch Grundlage zum Leben sind. Und in dessen Geschichte vielleicht auch ein Geheimnis für die weitere Zukunft Europas liegt?

"Kriegspanoramen - Die Entdeckung eines Massenmediums" (2. Quartal 2019, 20.15 Uhr, SR Fernsehen)

Werke von Alphonse de Neuville (1835-1885)

Der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 ist heute weitestgehend vergessen. Dabei beeinflussen die Bilder, die damals entstanden, unser Denken zum Teil bis heute. Im Mittelpunkt des Films stehen ein deutsches und ein französisches Panorama, deren Aufgabe es war, das neue politische Selbstverständnis beider Staaten in den Köpfen der Betrachter zu verankern: Das Panorama von Sedan des deutschen Malers Anton von Werner symbolisierte den Gründungsmythos des Deutschen Kaiserreichs. Das Panorama von Rezonville der französischen Künstler Alphonse de Neuville und Edouard Detaille zeigte der gedemütigten Nation: Die alten Eliten sind weg, aber die einfachen Soldaten kämpfen weiter. Beide Panoramen wurden später zerstört, doch der Film rekonstruiert sie und vermittelt so eine Ahnung von der gewaltigen Wirkung, die sie vor fast 150 Jahren auf ihr Publikum hatten. Und er zeigt auf, wie diese Bilder Franzosen und Deutsche dauerhaft geprägt haben.

"Die Irrfahrt der St. Louis" (3. Quartal 2019, Das Erste)

Trailer zu "Die Irrfahrt der St. Louis"

Voller Zuversicht verlassen 937 jüdische Flüchtlinge 1939 den Hamburger Hafen, lassen Nazi-Deutschland hinter sich. Ein Visum für Kuba verspricht ein angstfreies Leben. Doch Havanna verweigert die Einreise. Kapitän Schröder nimmt Kurs auf die USA. Auch Washington lässt die "St. Louis" nicht anlegen. Als auch Kanada die Aufnahme verweigert, gerät die Fahrt zur Odyssee. Knapp einen Monat später läuft die "St. Louis" in Antwerpen ein. Fast ein Drittel der Passagiere werden in den folgenden Jahren von den Nazis ermordet. 2019 jährt sich die Geschichte zum 80. Mal. Die Migrationsbewegungen und aufkeimender Antisemitismus lassen die Ereignisse auf der "St. Louis" erschreckend aktuell erscheinen. Der NDR entwickelt mit dem SWR, RBB und HR ein Doku-Drama in Spielfilmqualität. Das Drehbuch basiert auf Gustav Schröders Tagebucheintragungen, die dem NDR vorliegen und dem Film im Zusammenspiel mit beeindruckendem Archivmaterial eine sehr emotionale Note verleihen.

"Inside Treuhand. Birgit Breuel und die Privatisierung der DDR-Industrie" (2019, MDR)

Anfang der 90er Jahre wurde die rasante Privatisierung der gesamten Volkswirtschaft der DDR durch die Treuhand als alternativlos angesehen. Heute dagegen steht sie für die große Kränkung der ostdeutschen Bevölkerung, der von ihrem Volkseigentum nicht viel geblieben ist. Wie sich die Arbeit der Treuhand in der gegenwärtigen Erinnerungskultur niederschlägt, haben die Wissenschaftler Marcus Böick und Constantin Goschler vom Lehrstuhl Zeitgeschichte der Ruhr-Universität Bochum 2017 erstmals untersucht. "Das war die Initialerfahrung von Fremdbestimmung und Kolonialisierung", sagt Wissenschaftler Böick. So habe sich ein "negativer Gründungsmythos" verfestigt, der in der artikulierten Wahrnehmung symbolhaft für eine "rigorose Unterwerfung der Ostdeutschen" durch die westdeutschen Politiker und Manager stehe. Die Geschichte der Treuhand ist noch lange nicht aufgearbeitet – die Akten für weitere 20 Jahre unter Verschluss.

Biografien und Lebensgeschichten

Charly Hübners "Wildes Herz" (voraussichtlich 4. Quartal 2019, Das Erste)

Trailer zu "Wildes Herz"

Wo er mit seiner Band spielen will, da wird es brisant: Jan "Monchi" Gorkow, 31 Jahre alt, 120 kg schwer, tätowiert an Armen und Beinen. Sänger und Frontmann der Punk-Band "Feine Sahne Fischfilet", die in den letzten Jahren regelmäßig im Verfassungsschutzbericht Mecklenburg-Vorpommerns als antidemokratisch und staatsfeindlich eingestuft wurde. Für sein Langfilm-Debüt hat der renommierte Schauspieler Charly Hübner Jan "Monchi" Gorkow drei Jahre lang bei seinem Kampf gegen rechts mit der Kamera begleitet. In "Wildes Herz" geht es aber auch um eine Band, die lernen muss, mit ihrem extrovertierten Bandleader umzugehen. Es geht um seine Wut auf die Ungerechtigkeit, auf die Intoleranz und die Ausgrenzung von Andersdenkenden. Im Verlauf des Films wird klar, dass Monchi im Herzen ein zutiefst demokratisch denkender Mensch ist, ein Freund des Miteinanders und des Gemeinsinns.

"Was Sie schon immer über Frauen wissen wollten" (13.3.2019, 22:45 Uhr, BR Fernsehen)

Nie gab es so viele Frauen in den Wechseljahren wie jetzt. Doch das Thema bleibt ein Tabu. Warum eigentlich? Filmemacherin Katrin Bühlig ist der Frage nachgegangen und hat fünf Frauen im besten Alter begleitet. Herausgekommen ist ein heiter-ironischer, sehr intimer Film über die heißen Zeiten im Leben einer Frau und die Erkenntnis, dass Älterwerden scheußlich und wunderbar zugleich ist. Es kommt nur auf die Perspektive an.

"Beuys" (17. April 2019, 22:45 Uhr, Das Erste)

Was bleibt von dem Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke? 30 Jahre nach dem Tod von Beuys erscheint er auf verblüffende Weise als Visionär, der seiner Zeit voraus war. Geduldig und mit Humor versuchte er schon damals zu erklären, dass "Geld keine Ware sein darf". Er wusste, dass der Geldhandel die Demokratie unterwandern würde. Aus einer kunstvoll montierten Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente stellen Regisseur Andres Veiel und sein Team ein einzigartiges Zeitdokument zusammen: "Beuys" ist kein klassisches Porträt, sondern eine intime Betrachtung des Menschen, seiner Kunst und seiner Denk- und Ideenräume.

"Spielen Sie Gott, Mr. Feinberg?" (Sommer 2019, 22.45 Uhr, Das Erste)

Amerikas berühmtesten Entschädigungsspezialist ist der Anwalt und Mediator Ken Feinberg. Er berechnet den Wert eines Lebens nach festen Kriterien. Dabei spielt eine Rolle, wie hoch der wirtschaftliche Schaden ist, der durch den Tod eines Menschen entstanden ist, wie alt das Opfer war, wie hoch sein Einkommen. Den Opfern und ihren Angehörigen erspart Feinberg lange Prozesse, den Konzernen noch höhere Entschädigungen. Sein Rechenmodell stößt aber bei vielen Angehörigen auf Entsetzen: Für sie ist der Wert der verlorenen, geliebten Menschen niemals mit Geld aufzuwiegen. Der Film vermittelt einen tiefen Einblick in die amerikanische Gesellschaft und hinterfragt unser Wertesystem. Er geht der Frage nach, wer der bisweilen allmächtig erscheinende Ken Feinberg wirklich ist. Was treibt ihn an, wie verarbeitet er die menschlichen Tragödien, mit denen er konfrontiert wird? Wo bleiben Moral und Gerechtigkeit?

"Eldorado" (2. Quartal 2019, BR Fernsehen)

Trailer zu "Eldorado"

Ein Erlebnis, das Markus Imhoof sein Leben lang begleitet hat: Es ist Winter, die Schweiz ist das neutrale Land inmitten des Zweiten Weltkriegs und Markus Imhoofs Mutter wählt am Güterbahnhof ein italienisches Flüchtlingskind aus, um es aufzupäppeln. Das Mädchen heißt Giovanna – und verändert den Blick, mit dem der kleine Markus die Welt sieht. 70 Jahre später kommen wieder Fremde nach Europa. Markus Imhoof hat Giovanna nie vergessen können, hat ihre Spuren verfolgt und in ihrem Land gelebt. Nun geht er an Bord eines Schiffes der Italienischen Küstenwache, es ist die Operation "Mare Nostrum", in deren Verlauf mehr als 100.000 Menschen aus dem Mittelmeer gezogen werden. Mit den Augen des Kindes, das er damals war, spürt er den Fragen nach, die ihn seit jeher umtreiben.

"Die 175er - Geschichte einer Verfolgung" (2. Quartal 2019, Das Erste)

Am 11. Juni 1994 verschwand er aus dem Strafgesetzbuch – der so genannte "Schwulen-Paragraf". Einvernehmliche homosexuelle Handlungen zwischen Erwachsenen gehen den Staat seither nichts an. In den 1950er und 60er Jahren wurden Tausende dafür verfolgt und weggesperrt. Als Sittenstrolche, 175er oder einfach nur als Schweine hat man sie beschimpft. Sie wurden bespitzelt und verhaftet, saßen sogar in Einzelhaft. Es galt das gleiche Gesetz wie unter den Nazis.

Bericht über den Paragraph 175

Betroffene in Ost und West berichten von ihren Alltagserfahrungen. Erinnerungen von Zeitzeugen wie Juristen, Polizisten, Wohnungsvermittlern oder Arbeitgebern legen offen, wie die mehrheitliche Gesellschaft auf Homosexuelle geblickt hat. Die Dokumentation vermittelt so ein Bild über das damalige gesellschaftliche Klima gegenüber schwulen Männern und zeigt auch den mühseligen Weg zur Gleichbehandlung und zur gesellschaftlichen Aufklärung.

"Ashcan - Das Geheimnis Gefängnis" (2. Quartal 2019, 20.15 Uhr, SR Fernsehen)

Ashcan war der Codename eines geheim gehaltenen Gefangenenlagers der Alliierten unter US-amerikanischer Führung zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Es war im Palace Hotel in Bad Mondorf, Luxemburg eingerichtet. Die Protokolle aus Ashcan bleiben lange ein wohlgehütetes Geheimnis.

Trailer zu "Ashcan"

Erst Jahrzehnte später werden sie entdeckt. Auf ihnen basiert das Theaterstück "Codename Ashcan", das diese Geschichte 2017 auf die Bühne bringt. Für seinen Dokumentarfilm hat der belgische Regisseur Willy Perelsztejn die Proben zu diesem Stück acht Wochen lang mitverfolgt. Indem sie versuchen, sich aufgrund der Original-Verhörprotokolle den Hauptcharakteren anzunähern und ihre Motivation zu verstehen, führen die Bühnendarsteller den Zuschauer zu den Fragen, die sich auch Historiker und Geheimdienstexperten stellen: Wer waren diese Gefangenen? Wer verhörte sie? Was war das für ein Gefängnis? Wie sah der Alltag dort aus? Wie wurde verhört? Und welche Erkenntnisse haben die Amerikaner daraus gezogen?

"Jugend in Europa - Verspielt die EU ihre Zukunft?" (2. Quartal 2019, 20.15 Uhr, Das Erste)

Julia Lehmann und Tobias Seeger machen sich mit Kamera und Mikrofon auf den Weg, um herauszufinden, wie Jugendliche Europa im Alltag erleben – oder erleiden. Sie fragen, warum so viele die Bindung zu Europa verloren haben und was sich bei der EU als Institution und Projekt ändern muss, wenn sie das Vertrauen der jungen Menschen zurückzugewinnen will. Denn von ihnen hängt es ab, ob die europäische Idee nur eine Phase nach zwei schrecklichen Weltkriegen war – oder ob sie tatsächlich eine Zukunft hat.

"Die Frau auf der Straße" (3. Quartal 2019, Das Erste)

Eine Studie des Bundeskriminalamtes geht von einem Dutzend Tötungsdelikten in Deutschland jährlich aus, die "im Kontext patriarchalisch geprägter Familienverbände" verübt werden, um Frauen für ihren (westlichen) Lebenswandel zu bestrafen. Der Film von Sherry Hormann erzählt von Aynurs Schicksal. Nach einer gescheiterten Ehe lebt sie wieder bei ihren Eltern. Bald zieht sie mit ihrem kleinen Sohn in eine eigene Wohnung. Sie holt ihren Hauptschaulabschluss nach, beginnt eine Lehre als Elektroinstallateurin, legt das Kopftuch ab, schminkt sich und beginnt eine Beziehung mit einem Deutschen. Ihre Brüder wollen ihren Lebensstil nicht akzeptieren, immer massiver wird sie bedroht. Sie ist 23 Jahre alt, als sie ermordet wird. Ein Film über die Emanzipation einer selbstbewussten jungen Frau, die Geschichte einer gescheiterten Integration. In dem Dokudrama spielen u.a. Almila Bagriacik, Rauand Taleb und Aram Arami.

"Kein Dach über dem Kopf" (2019, Das Erste)

Der Film dokumentiert, welche Familien in Deutschland von der Wohnungslosigkeit betroffen sind, wie sie in diese Situation hineingeraten sind und warum es für sie so schwer ist, daran etwas zu ändern. Er zeigt, wie groß der Andrang in den speziell auf Bedürftige mit Kindern ausgerichteten Notunterkünften tatsächlich ist und wo schon etwas passiert. Der Film lässt Betroffene zu Wort kommen, konfrontiert die Politik mit der Bestandsaufnahme und spricht mit Experten über mögliche Lösungsansätze. Muss in Deutschland wirklich niemand mehr auf der Straße leben?

Wirtschaftsdokumentationen

"Amazon außer Kontrolle?" (18. März 2019, 22:45 Das Erste)

Die Strategie des Konzerns scheint immer wieder gleich: Märkte besetzen, in Grauzonen vordringen, Geschäfte machen, bis endlich gesetzliche Riegel vorgeschoben werden. Ohnehin ist der Druck gewaltig, den Amazon aufgrund seines Marktwerts von aktuell über einer Billion Dollar ausübt. Zum Beispiel auf den klassischen Handel oder auf die Paketlieferanten. Die Doku führt hinter die Kulissen eines Geschäftsmodells, das die Verkaufswelt revolutioniert hat. Kunden berichten von ihren Erlebnissen mit Kaufprodukten; und wie sie von begeisterten "Amazonisten" zu kritischen Verbrauchern geworden sind. Wer kann den Handelsriesen noch bändigen?

"Der Europa-Report - Was die Wirtschaft über den Zusammenhalt Europas verrät" (2. Quartal 2019, Das Erste)

Zwei Wochen vor den Europawahlen geht es auf eine Reise quer durch Europa, faktenbasiert und hautnah an den Menschen. Was hält Europa zusammen, was spaltet Europa? Und welche Rolle spielt dabei die Wirtschaft? Es geht um Wohlstand, um Armut, um Zukunftsperspektiven der Menschen und ihrer Länder. Mit einer umfassenden Datenrecherche im Gepäck machen sich Michael Houben und Tom Kühne auf den Weg durch das wirtschaftlich immer noch ungleiche Europa.

"Die Schuldsklaven - Wie die Inkassoindustrie Verbraucher in den Ruin treibt" (1. April 2019, 22.45 Uhr, Das Erste)

Schon heute sind knapp sieben Millionen Erwachsene überschuldet. Wer die Raten nicht bezahlen kann, dem flattern immer neue Drohbriefe ins Haus. Da machen die Gebühren schnell das Doppelte oder Dreifache der eigentlichen Schuld aus – ein Teufelskreis. "Schuldsklaverei" nennen Experten das – für die deutsche Inkassoindustrie ein extrem lukratives Geschäft. Rund fünf Milliarden Euro setzt sie pro Jahr um, Tendenz steigend. Dabei sind bei Weitem nicht alle Inkassoforderungen rechtens. Häufig finden sich Rechnungen mit Fantasiegebühren, überhöhten Zinssätzen oder sogar mehrfach gestellten Forderungen. Die Dokumentation von Grimme-Preisträger Michael Richter zeigt, dass selbst große und bekannte Unternehmen am Milliardengeschäft mit den Schulden beteiligt sind.

"Wer beherrscht Deutschland? Kartelle, Konzerne, Kapital" (2019, Das Erste)

Es ist an der Zeit, die Machtstrukturen im Land zu hinterfragen, die sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben – nicht zuletzt auch durch die Wiedervereinigung zweier deutscher Staaten, die sich sehr unterschiedlich entwickelt haben. WDR und MDR wollen nun mit dieser Erzählweise gemeinsam als Ost-West-Koproduktion ein Zeichen auch im Ersten setzen und – 30 Jahre nach dem Mauerfall – die Machtfrage für das wiedervereinigte Deutschland stellen.

"Domino - Im Kosmos des Geldes" (2. Quartal 2019, Das Erste)

Es ist ein allzu menschlicher Reflex: günstig einkaufen, alles immer noch billiger ergattern. "Domino – Im Kosmos des Geldes" zeigt, wie jeder den Druck, dem er in der Wirtschaft ausgesetzt ist, weitergibt. Der Film lässt spüren, was dieser Effekt mit den Menschen macht. Milliardär, Landwirt, Startup-Unternehmer, Pflegerin, Tante-Emma-Ladenbesitzerin, Fabrikarbeiterin und Fahrradkurierin haben verschiedene Schmerzgrenzen, aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind im Domino-Effekt alle miteinander verbunden – ob sie wollen oder nicht. Das Projekt war Sieger beim ARD Wettbewerb Top of the Docs 2017.