"Getrieben": Psychothriller der Extreme

Der Täter: ein Sadist. Seine Verfolger: ein lesbisches Expaar. "Getrieben" (25. Februar, 20.15 Uhr, ZDF) ist ein Psychothriller der Extreme.

Der Psychothriller "Getrieben" setzt auf Extreme. Und ist extrem spannend: Psychologin Kara Bischoff (GOLDENE-KAMERA-Preisträgerin Petra Schmidt-Schaller - hier im Interview) und ihre Exgeliebte, Hauptkommissarin Sibylle Deininger (Ulrike C. Tscharre - hier im Interview), jagen einen Serienkiller, der Frauen stundenlang quält und dann tötet.

Darum geht's in "Getrieben"

Die junge Frau macht alles richtig: Kaum ist sie in ihrer Wohnung angelangt, verriegelt sie die Eingangstür, aktiviert die Alarmanlage und zieht sämtliche Vorhänge zu. Allabendliche Vorsichtsmaßnahmen, die das Leben im Penthouse über den Dächern Berlins sicherer machen sollen.

Doch sicher ist nur der Tod: Als die Frau im Bett liegt, steht plötzlich ein Mann in ihrem Schlafzimmer. Ein Eindringling, der die angelehnte Balkontür nutzte. Ein Sadist, der sie brutal überwältigt. Und ermordet. Die Kriminalpolizei steht vor einem Rätsel: Ist der Täter ein Fassadenkletterer? Und wie schaffte er es, die kühne Front des Hochhauses zu bewältigen?

Die Psychologin Kara Bischoff glaubt, einer ihrer Klienten könnte der Täter sein: der Familienvater Stefan Grewe (Matthias Matschke). Als Therapeutin unterliegt Kara der Schweigepflicht. Um diese zu brechen, braucht sie handfeste Beweise.

Nach einem weiteren Mord verdächtigt jedoch auch ihre Exfreundin Sibylle den Familienvater. Ist er aber tatsächlich der Täter? Oder legt der wahre Mörder falsche Fährten? Nach einem Einbruch in ihre Wohnung gerät Kara selbst ins Visier des Killers. Plötzlich beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Petra Schmidt-Schaller als Psychologin Kara Bischoff

"Beim Dreh dieses Films hat mich besonders das Verhältnis der beiden Frauen gereizt", berichtet Petra Schmidt-Schaller im Gespräch mit GOLDENE KAMERA. "Obwohl sie frisch getrennt sind, müssen sie gemeinsam ermitteln."

Zudem, so die Schauspielerin, sei das psychologische Thema spannend: die sogenannten destruktiven Symbiosen. "Über diese zerstörerischen Kräfte, die unmittelbar mit dem Fall zusammenhängen, doziert Kara in ihren Vorlesungen."

Ulrike C. Tscharre als Hauptkommissarin Sibylle Deininger

Auch für Ulrike C. Tscharre liegt der Reiz der Geschichte am stärksten in der Beziehung der beiden Frauen: "Mich hat es im Umgang mit Homosexualität immer gestört, dass die Menschen auf ihre Sexualität reduziert werden und ein Bereich, der intim und privat ist, sinnbildlich für eine ganze Person stehen soll."

Im Thriller, so Ulrike C. Tscharre, werde dieser Aspekt des Expaares nicht problematisiert. Aufgrund der selbstverständlichen, ganz beiläufigen Einführung der Figuren könne er vielmehr stellvertretend stehen für alle denkbaren Beziehungsmodelle. Tscharre: "Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung, dass im Fernsehen verschiedenste Lebens- und Beziehungsformen gezeigt werden, weil wir eben nicht in einer Gesellschaft leben, in der es nur die ganz klassische Konstellation Mann - Frau - Kind gibt, sondern unterschiedlichste Formen von Liebe und Zusammenleben."

Hintergrund

Der furchteinflößende Filmstoff erinnert vage an den realen Fall eines Serienvergewaltigers, der als "Balkonmonster" bekannt wurde, weil er 2000 in Hamburg und Hannover in die Wohnungen von sechs Frauen eindrang und sie dort missbrauchte.

Spielt der Psychothriller nicht zu plakativ mit weiblichen Urängsten und dem Klischee der Frau als Opfer? Ulrike C. Tscharre empfindet das nicht so: "Frauen sind im öffentlichen Raum ohnehin anderen Gefährdungen ausgesetzt als Männer. Das fängt schon an, wenn sie nachts allein nach Hause gehen. Einer Frau wird bereits als Mädchen eingeimpft, dass sie besonders wachsam sein muss. Und diese Wachsamkeit bleibt dann lebenslang – besonders an entlegenen Orten wie Parkhäusern und Parks."

Filmkritik

Petra Schmidt-Schaller und Ulrike C. Tscharre gehen auf Mördersuche: Ein besonderes Duo ermittelt in einem ausgefeilten Fall. Krimispezialistin Maris Pfeiffer ("Tatort") gelang mit ihrem Mix aus Beziehungsdrama und Krimi ein durchweg "runder" Krimi. Eine bemerkenswerte Story.