"Tatort: Murot und das Murmeltier" - der eigene Tod in Dauerschleife

Der Wiesbadener Kommissar Murot steckt in einer endlos Schleife und muss im "Tatort: Murot und das Murmeltier" (17.2., 20.15 Uhr, ARD) seinen eigenen Tod Tag für Tag neu erleben.

Und täglich grüßt das Murmeltier: Im siebten Felix Murot-"Tatort" erlebt der Kommissar denselben Tag immer wieder aufs Neue.

Darum geht's im "Tatort: Murot und das Murmeltier"

Seltsam routiniert verhält sich Felix Murot (Ulrich Tukur) bei einem Banküberfall. Gelangweilt sagt er zur Kollegin Magda Wächter (Barbara Philipp): "Wer überfällt denn heute überhaupt noch eine Bank?" Selbst die hohe Anzahl der Geiseln kann ihn nicht schocken.

Freiwillig erklärt er sich bereit, zur Verhandlung mit dem Geiselnehmern in die Taunusbank hinein zu gehen. Drinnen überzeugt er eine mit einer Armbrust bewaffneten Frau (Nadine Dubois) schnell zum Aufgeben. Auch den zweiten Entführer kann er überwältigen. Doch dann fallen Schüsse und Murot wird tödlich getroffen.

Ein lautes Klingeln und der gleiche Tag beginnt von Neuem. Hat Murot der Banküberfall am Tag zuvor noch gelangweilt, weil er ihn bereits zuvor erlebt hatte, so macht er ihn diesmal wütend. Auch der Bankräuber Stefan Gieseking (Christian Ehrich) erlebt den Tag immer wieder in einer Endlosschleife. Zwar läuft nicht alles identisch ab, aber eines finden Gieseking und Murot schnell heraus: Am Ende eines jeden Wiederholungtages müssen sie beide sterben.

Hintergrund

Der Film wurde mit dem Filmkunstpreis ausgezeichnet. Neben dem Mut zum Neuen, zeichnet dieser Fall vor allem die gekonnt dramatisch eingesetzte Musik aus. Für sie ist Dietrich Brüggemann verantwortlich. Er tritt hier nicht nur als Regisseur und Autor, sondern auch als Komponist in Erscheinung.

Im Interview sagt er zur Murot-Episode: "Man sieht immer dasselbe: Verhöre, Kommissare, Geständnisse. Es ist immer dasselbe, und es ist niederschmetternd. Die Idee, genau diesen Krimi- Overkill dahin zurückzutragen, wo er herkommt, lag wirklich sehr nahe." Brüggemanns Kompositionen spielte das HR-Synfonieorchester ein. Gemeinsam mit Desiree Klaeukens (hier in der Rolle der Scheibenputzerin und bekannt durch die Gruppe "Die höchste Eisenbahn") gründete er die Band "Theodor Shitstorm". Mit ihrem Album "Sie werden dich lieben" touren sie derzeit durch Deutschland.

Auch Ulrich Tukur ist für seine Musik bekannt. Aber derzeit versucht sich der Schauspieler als Autor, beendete vor wenigen Tagen einen Roman, der im Herbst erscheinen soll. Dem Hamburger Abendblatt erklärte er den Inhalt: "Vor dem Hintergrund eines zerfallenden Europas im Jahr 2033 erzähle ich von einem jungen Mann, der auf einem Pariser Flohmarkt ein uraltes Fotoalbum entdeckt, in dem er sich selbst dutzendfach abgebildet sieht. Er macht sich auf die Suche nach dem, der er vielleicht einmal war. Seine eigene Lebensgeschichte und die seiner Familie verbindet sich mit einem Drama, das sich 90 Jahre zuvor in Südfrankreich abspielte. Es ist eine Reise in einen persönlichen Albtraum und nebenbei auch ein Buch über Widerstand gegen totalitäre Systeme der Zukunft im Spiegel der Vergangenheit."

Filmkritik

Der Film lag zunächst 18 Monate im Archiv der ARD. Warum ließ sich der Sender mit der Ausstrahlung so viel Zeit – Angst vor der eigenen Courage? Schließlich hat der "Tatort: Murot und das Murmeltier" wenig mit einem Krimi gemein. Aber das macht auch nichts! Die Macher haben sich etwas getraut und sind experimentierfreudig ans Werk gegangen. Das ist äußerst erheiternd. Ulrich Tukur präsentiert die gesamte Bandbreite an Schauspiel: Mal ist er als Murot besoffen, mal wütend, mal gelassen, mal ehrgeizig und mal erschießt er sich direkt beim Aufstehen. Es war noch nie so unterhaltsam einem Kommissar beim Sterben zu zu gucken – und das gleich 12 Mal!

Und ein bisschen Moral und Selbstironie stecken auch noch im Film: Wie Murot es formuliert: "Man muss jeden Tag genießen, darf nichts wegwerfen und soll Respekt haben." Oder wie es die Sanitäter feststellen: "Tatort, Polizeiruf, Soko, Der Alte, Der Junge - das ist immer dasselbe." – Diesmal zum Glück nicht!