GOLDENE KAMERA-Kandidat "Aufbruch in die Freiheit"

Eine brave Hausfrau wird zur Kämpferin: Das Drama "Aufbruch in die Freiheit" (29. Oktober 2018, 20.15 Uhr, ZDF) zeichnet das eindrucksvolle Porträt einer starken Frau.

1971 ist auf dem Lande der Geist der 68er-Bewegung noch nicht angekommen. In Deutschland sind Abtreibungen noch illegal, doch die Frauen beginnen sich zu emanzipieren und für ihre Rechte zu kämpfen.

Teaser-Trailer zu "Aufbruch in die Freiheit"

Darum geht's in "Aufbruch in die Freiheit"

Metzgersgattin Erika (Anna Schudt) rackert sich in der Provinz mit ihren Kindern und dem Betrieb ab. Als ihr Arzt feststellt, dass sie erneut schwanger ist, gerät sie in Panik. Drei Kinder und die Knochenarbeit überfordern sie schon jetzt. Sie sieht sie keinen anderen Ausweg, als heimlich in Köln abzutreiben. Das bringt ihr Leben in Gefahr, ihre Ehe mit Gatte Kurt (Christian Erdmann) sowieso. Der zeigt weder für sie noch für ihre Kinder Verständnis.

Kurzentschlossen flieht Erika mit den Kindern nach Köln zu Schwester Charlotte (Alwara Höfels). Die lebt in einer WG ein emanzipiertes Leben. Doch Erikas "Aufbruch" gestaltet sich schwerer als gedacht. Ohne Kurts Einwilligung darf sie keine Arbeit annehmen und nicht einmal die Kinder in der Schule anmelden. Das öffnet ihr die Augen. Sie will selbstbestimmt ihr Leben führen - und beginnt dafür zu kämpfen. Sie schliesst sich den Kölner Frauenrechtlerinnen an. Dann verklagt Kurt sie auf Kindesentzug...

Kämpferinnen für Frauenrechte

Aus dem "Tatort" kennt man Anna Schudt als schlagfertige Kommissarin, hier spielt sie die zunächst brave Familienmutter, die aus der Not heraus zur Kämpferin für Gleichberechtigung wird. "'Aufbruch in die Freiheit' erzählt ein großes gesellschaftsrelevantes und emotional aufgeladenes Thema anhand einer kleinen Lebensgeschichte", sagt Anna Schudt über ihre Rolle. Es ist vielleicht nur eine kleine Geschichte, aber sie steht exemplarisch für das Schicksal vieler Frauen in der damaligen BRD.

Wie aktuell der Filmstoff auch heute noch ist, erklärt Alwara Höfels: "Der Film macht nachdenklich. Er führt dem Zuschauer zwar vor Augen, dass vieles an Gleichberechtigung erreicht wurde, aber dennoch vieles bis heute im Argen liegt. Einige Aspekte der damaligen Bewegung werden ganz aktuell diskutiert, zum Beispiel die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern."

Hintergrund

Das Emanzipationsdrama erzählt eine der Geschichten hinter der 1971 erschienenen stern-Titelstory "Wir haben abgetrieben!". Um dies zu fiktionalisieren, bedienen sich Regisseurin Isabel Kleefeld sowie die Drehbuchautorinnen Andrea Stoll, Heike Fink und Ruth Olshan eines dramaturgischen Tricks: Erika soll eine der 28 Frauen auf dem Titelbild sein, doch ausgerechnet ihr Gesicht wird vom stern-Grafiker mit der Schlagzeile überdeckt. Damals bekannten sich 374 Frauen öffentlich, abgetrieben zu haben. Sie kämpften für die Abschaffung des Paragraphen 218, der Schwangerschaftsabbrüche kriminalisierte.

Filmkritik

"Aufbruch in die Freiheit" erzählt den Emanzipationskampf als unterhaltsam prägnantes Gesellschaftsbild der 70er. Der Film ist eine emotionale und mit viel Zeitkolorit versehene Erinnerung an die Anfänge der Frauenbewegung in Deutschland. Ein Lehrstück, auch für Männer, das durch die Diskussion um das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche noch einmal an Aktualität gewonnen hat.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)