Emilia Schüle: Mit Vollgas nach oben

Ausnahmetalent: Emilia Schüle, 1992 in Russland geboren, aufgewachsen in Berlin, hat mit 26 über 40 Filme gedreht.
Ausnahmetalent: Emilia Schüle, 1992 in Russland geboren, aufgewachsen in Berlin, hat mit 26 über 40 Filme gedreht.
Foto: GOLDENE KAMERA / Det Kempke
Eine Karriere auf der Überholspur: Mit elf Jahren stand Emilia Schüle erstmals vor der Kamera, mit 21 gewann sie die GOLDENE KAMERA. Nächstes Ziel Hollywood? Der Star nimmt schon Kurs auf die USA.

Puh, ist das kalt! Geradezu eisig. Doch Emilia Schüle lässt sich vor der Kamera nichts anmerken. Ein Profi eben. Sobald sie in der kühlen Halle nicht im Bild ist, drückt sie die Wärmflasche fest an sich. Einmal kurz aufwärmen – und weiter geht’s! Wir begleiten die Schauspielerin in Berlin zum Hörzu-Fotoshooting von Volkswagen, Partner der GOLDENEN KAMERA.

Dann nimmt sich Emilia Schüle noch Zeit für ein Interview. Fast ein Wunder, dass sie bei ihrem vollen Kalender den Überblick behält: Gerade hat sie in Budapest den Pilotfilm der US-Serie „Treadstone“ abgedreht, im Sommer soll es weitergehen. Dazwischen steht sie für eine Kinoproduktion vor der Kamera. Emilia Schüle gibt Gas: In diesem Jahr kommen gleich zwei neue Filme mit ihr ins Kino: „Traumfabrik“ und „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“. Mit 26 eine steile Karriere! Viel Gesprächsstoff also für ein Interview.

Frau Schüle, seit Sie elf waren, stehen Sie vor der Kamera. Wenn Sie spontan ausbrechen könnten, zwei Taschen in den Kofferraum werfen und weg – wohin würden Sie fahren?

EMILIA SCHÜLE: Ich würde nach Italien fahren, in die Toskana. Reisen ist dafür da, um Momente zu teilen. Deshalb würde ich meine Schwester oder eine Freundin in meinem Cabrio mitnehmen. Und Musik! Mir gefällt das neue Album von der Band AnnenMayKantereit.

Emilia Schüle präsentiert den VW T-Cross

Wie wichtig ist Ihnen Mobilität?

Sehr wichtig! Als Nachwuchspreisträgerin der GOLDENEN KAMERA habe ich 2014 ein Auto geschenkt bekommen. Damals hatte ich noch nicht mal einen Führerschein. Den habe ich dann aber bald gemacht und bin zur begeisterten Autofahrerin geworden. Das macht in der Toskana allerdings mehr Spaß als auf den vollen Straßen Berlins.

Erinnern Sie sich an den Moment, als Sie für den „Tatort: Wegwerfmädchen“ die GOLDENE KAMERA bekamen?

Die Erinnerungen sind ganz verschwommen, weil ich so voller Adrenalin war. Ich wurde komplett überrascht, habe nichts geahnt. Ich weiß noch, dass ich auf der Party mit wahnsinnig vielen Menschen gesprochen habe.

Welchen Einfluss hatte die GOLDENE KAMERA auf Ihre Karriere?

Der „Tatort: Wegwerfmädchen“ hat von einem Tag auf den anderen sehr viel verändert. Und als das dann noch mit der GOLDENEN KAMERA honoriert wurde, war das wie ein Wendepunkt. Ich glaube, dass es für den einen oder anderen Regisseur oder die Regisseurin noch mal der Anstoß ist zu sagen: „Ja, ich besetze jetzt Emilia für die neue Rolle.“

Und warum ein Wendepunkt?

Damals war ich ja gerade aus der Schule raus und hatte bis dahin Teenierollen gespielt, die altersgerecht waren. Mit einem Mal konnte ich als junge erwachsene Schauspielerin Fuß fassen. Das war das, was ich mir total gewünscht hatte.

Was drehen Sie gerade?

Ein sehr aufregendes internationales Projekt: die US-amerikanische Spionageserie „Treadstone“, eine Fortsetzung der „Bourne“-Filme. Ich spiele eine russische KGB-Agentin.

Schnuppern Sie schon Hollywood-Luft? Und wie sehr reizt Sie das?

Ich finde es ganz toll, dass ich eine amerikanische Serie machen darf, aber bin froh, dass wir in Budapest drehen, weil ich dann nicht so weit weg bin von zu Hause. Eine Freundin von mir ist Schauspielerin in L.A. Es macht mir ein wenig Angst zu sehen, dass man seinen Wohnort quasi aufgeben muss. Wenn sie beispielsweise in Atlanta dreht, muss sie für mehrere Monate dort hinziehen. Ihr Privatleben liegt für diese Zeit praktisch auf Eis. Europa ist deutlich angenehmer.

Haben Sie beim Drehen schon die Folgen der „‚MeToo“-Debatte gespürt?

Auf jeden Fall. Vorab gab es ein „Respect Meeting“. Beeindruckend! Es ist verpflichtend, sonst darf man nicht am Set arbeiten. Wir wurden informiert, wo Belästigung anfängt – etwa mit einer Whatsapp – und an wen wir uns wenden könnten.

Was halten Sie vom deutschen Film?

Er bekommt nicht die Wertschätzung, die er verdient. Der deutsche Film kann was. Welche Produktionen haben Ihnen im Fernsehjahr 2018 besonders gefallen? Ganz stark war „Bad Banks“ oder auch der Zweiteiler „Gladbeck“.

Sie selbst haben intensive Serienerfahrung. Wird es eine Fortsetzung von „Ku’damm 59“ geben?

Ja! „Ku’damm 62“ wird Anfang 2020 gedreht. Ich freue mich sehr. Wir sind ein tolles Ensemble, sind sehr zusammengewachsen.Ich bin gespannt, wie es mit meiner Figur Eva weitergeht.

Mit 26 Jahren gehören Sie zur ersten Riege der deutschen Schauspielerinnen. Müssen Sie sich bei dem Erfolg manchmal kneifen?

Manchmal habe ich schon Angst und stelle mir die Frage: Wird das in zehn Jahren auch noch so sein? Aus Selbstschutz mache ich mich darauf gefasst, dass es sich ändern kann. Aber es ist alles harte Arbeit. Zwischendurch gab es auch Phasen, in denen ich das Gefühl hatte, es läuft gerade nicht so gut. Am Ende des Jahres weiß man aber immer, wofür die schlechte Phase doch gut war.

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