Fatale Abhängigkeiten im "Tatort: Für immer und dich"

Im "Tatort: Für immer und dich" (10. März, 20.15 Uhr im Ersten) sucht das Schwarzwald-Team ein Mädchen, das, um ihrer Tristesse zu entfliehen, mit einem erwachsenen Mann durchgebrannt ist.

Im vierten Schwarzwald-"Tatort" finden Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) Hinweise auf ein seit zwei Jahren vermisstes Mädchen.

Darum geht's im "Tatort: Für immer und dich"

In diesem Auto knistert es in der Luft: leichte Musik, sommerliche Hitze und ein ungezwungener Teenager, der liebevoll den Arm um den Fahrer legt. Doch etwas stört das Bild. Der Mann, Martin Nußbaum (Andreas Lust), ist erwachsen und das Mädchen Emily (Meira Durand) gerade einmal 15 Jahre alt. Wenig später werden die beiden von zwei jugendlichen Motorradfahrern ausgeraubt. Martin nimmt die Verfolgung per Auto auf und überfährt dabei einen der Diebe. Der Junge überlebt den schweren Sturz, doch statt erste Hilfe zu leisten, lässt Martin ihn einfach liegen. Wenig später können die Kommissare Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) den Motorradfahrer nur noch tot bergen.

Hintergrund

Der Filmtitel "Für immer und dich" basiert auf den Rio Reisers Song, der genauso wie Reisers Song "König von Deutschland" im Film auch zu hören ist.

Meira Durand (18), die die Rolle der Emily spielt, gehörte bereits mit sechs Jahren zum Kinderensemble der Komischen Oper Berlin und von 2011 bis 2017 zum Kinderchor der bayrischen Staatsoper in München. 2010 erlangte sie mit der gleichnamigen Hauptrolle im Kinofilm "Lola", der Buchverfilmung der Isabel Abedi Bücherreihe, große Bekanntheit.

In der Rolle der Mutter von Martin Nußbaum ist Ursula Werner (75) zu sehen. Die Absolventin der Ernst Busch-Schauspielschule ist eine bekannte DEFA-Schauspielerin ("Ein irrer Duft von frischem Heu", 1977) und erlangte vor allem durch den Kinofilm "Wolke 9" große Bekanntheit.

Filmkritik

Der "Tatort: Für immer und dich" spielt mit den Gegensätzen: Flirrendes Licht, sommerliche Freizügigkeit und triste, graue Hochhaussiedlungen stehen miteinander im Kontrast. Je leichter die Inszenierung daher kommt und je vielschichtiger die Charaktere dargestellt werden, um so mehr erschreckt sich der Zuschauer, wenn ihm plötzlich wieder die Abscheulichkeit des Falles einfällt: Ein erwachsener Mann, der sich eine Minderjährige untertan gemacht hat. Die Geschichte wird nicht, wie oft üblich, mit einer "Lolita" oder mit einem abstoßenden Pädophilen dargestellte, sondern hat ihre Wucht durch die fast schon "harmlosen" Charaktere. Der Zuschauer leidet mit ihren Schicksalen, versucht sich zu distanzieren und wird geradewegs wieder reingezogen. Die großartigen Schauspieler, allen voran das Nachwuchstalent Meira Durand, vermitteln eine Authentizität, die das psychologisch fein austarierte Drama - denn dies ist mehr ein Drama als ein Krimi - durchweg sehenswert machen.