"Klassentreffen": Improvisationsexperiment mit Annette Frier

Dieses Starensemble macht ein "Klassentreffen" 25 Jahre nach dem Abitur zum TV-Erlebnis: frei improvisiert, spontan, völlig ohne Drehbuch.

Der Clou von "Klassentreffen": Es gab kein Drehbuch, alle Akteure improvisierten vor laufenden Kameras, und Stars wie Charly Hübner, Anja Kling und Fabian Hinrichs zeigten sich dabei in Bestform. Als Zuschauer fühlt man sich 90 Minuten lang, als wäre man selbst zu Gast bei der Feier.

Darum geht's in "Klassentreffen"

Ein rauschendes Fest soll es werden: In einer Gaststätte treffen sich 17 ehemalige Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer, um beim "Klassentreffen" (6. März, 20.15 Uhr, Das Erste) 25-jähriges Abi-Jubiläum zu feiern. Im Lauf des Abends brechen alte Konflikte auf, werden Geheimnisse gelüftet und Romanzen wiederbelebt. Ein toller Stoff für einen Fernsehfilm – und für ein TV-Experiment.

Regisseur Jan Georg Schütte

Die Idee zu diesem TV-Experiment hatte Regisseur Jan Georg Schütte. Schon zweimal drehte er in den vergangenen Jahren ganz ähnlich angelegte Improvisationsfilme: 2014 "Altersglühen – Speed Dating für Senioren", 2016 "Wellness für Paare". Auch für "Klassentreffen" gab er den Schauspielern nur Rollenprofile mit Basisinformationen an die Hand.

Gedreht wurde an einem Abend im November 2017 in einem leer stehenden Gasthof in Köln-Hürth. Schütte ließ 32 Kameras laufen, 24 Kameraleute waren im Einsatz, jeder Darsteller bekam ein Mikro angeheftet. Schütte war in der Rolle des Gastwirts dabei, um notfalls einzugreifen und den Schauspielern etwas ins Ohr flüstern zu können.

Nach vier Stunden Drehzeit hatte er 7800 Minuten Material erstellt, aus dem er fast ein Jahr lang den Film montierte – und eine sechsteilige Serie, die am 8. März beim Sender One an einem Stück gezeigt wird.

Der Cast

Zu den herausragenden Schauspielerinnen des Films gehört Annette Frier. Sie spielt die frühere Klassensprecherin Gesa, die das Treffen gemeinsam mit ihrem Mann Thorsten (Oliver Wnuk) organisiert. Die perfektionistische Gesa wird mit einer peinlichen Anekdote von einer Klassenreise konfrontiert und streitet sich mit ihrem Gatten, der eine Affäre haben soll.

"Die Dreharbeiten waren eine wunderbare Erfahrung", berichtet Frier. "Es war großartig, beim Spielen einmal alle Freiheiten zu haben. Natürlich habe ich mir für meine Figur eine kleine Biografie zurechtgelegt. Gleichzeitig durfte ich mich nicht zu sehr festlegen, damit im Zusammenspiel mit den Kolleginnen und Kollegen etwas Spontanes entstehen kann. Dieses Spannungsverhältnis ist eine Herausforderung, macht aber auch den Reiz der Improvisation aus."

Annette Frier ist ein Improvisationstalent

Dass sie ein Improvisationstalent ist, bewies Frier von 2004 bis 2009 schon in der erfolgreichen, preisgekrönten Impro-Comedy "Schillerstraße" bei Sat.1. Der Dreh zu "Klassentreffen" sei aber etwas völlig anderes gewesen: "Bei der 'Schillerstraße' habe ich als Komödiantin agiert, hier war ich als Schauspielerin gefragt und musste deshalb keine Witze produzieren. Das ist ein großer Unterschied. Komödianten würden für eine gute Pointe ihre Oma verkaufen. Dagegen geht es Schauspielern darum, das Seelenleben ihrer Figur sichtbar zu machen." Während der gesamten Drehzeit blieb sie in ihrer Rolle, es gab keine Pausen oder Besprechungen.

"An dem Abend war in dem Gasthaus wirklich der Teufel los", erinnert sie sich. "In allen Ecken passierte etwas, überall entwickelten sich kleine Geschichten. Diese Atmosphäre findet sich jetzt auch im Film. Aber mir gefällt vor allem, dass die stillen Momente ebenfalls zu sehen sind. Es sind bewegende Szenen, wenn auch mal jemand im Hintergrund ein bisschen unbeholfen in der Gegend herumsteht und keinen Anschluss findet. Das kennt man doch von solchen Abenden. Im Film sind dies Augenblicke voller Einsamkeit, wir sehen Menschen auf der Suche nach dem Glück. Das hat etwas Poetisches."