Sonja Gerhardt: Lust auf böse Rollen

Im Sat.1-Film "Ein ganz normaler Tag" kämpft Sonja Gerhardt für Zivilcourage.
Im Sat.1-Film "Ein ganz normaler Tag" kämpft Sonja Gerhardt für Zivilcourage.
Foto: SAT.1/Stefan Erhard
"Ku’damm"-Star Sonja Gerhardt über ihren neuen Film "Ein ganz normaler Tag" (8. April, 20.15 Uhr, Sat.1), die Zunahme von Gewalt – und Wunschrollen der Zukunft.

Sonja Gerhardt verrrät, warum ihr der neue Film "Ein ganz normaler Tag" besonders wichtig ist.

Darum geht's in "Ein ganz normaler Tag"

Die Gewalt kommt am helllichten Tag: In einer Berliner S-Bahn werden der dunkelhäutige Isaac (Julius Dombrink) und seine Freundin Meike (Stephanie Amarell) von zwei rechtsgesinnten Azubis (Béla Gabor Lenz, Maximilian Beck) provoziert. Das Duo prügelt den jungen Isaac ins Koma – vor zahlreichen Zeugen. Doch nachdem eine Verkäuferin (Mira Elisa Goeres), ein Rentner (Holger Franke) und ein Ehepaar (Pia Micaela Barucki, Oliver Bröcker) bei der ersten Befragung zugunsten des Opfers aussagen, knicken sie bald darauf ein. Offensichtlich werden sie eingeschüchtert. Aber die Kriminellen haben ihre Rechnung ohne Jessica Maurer (Sonja Gerhardt, 29) gemacht. Die couragierte Staatsanwältin will sie hinter Gittern sehen.

Interview mit Sonja Gerhardt

GOLDENE KAMERA: Im Oktober 2016 wurde eine 26-jährige Studentin an der Berliner U-Bahn-Station Hermannstraße schwer von einem U-Bahn-Treter verletzt. Wurde Ihr Film davon inspiriert?

Sonja Gerhardt: Ja. Leider gibt es sehr viele solcher Ereignisse. Erst vor Kurzem wurde wieder ein homosexuelles Paar in einer Straßenbahn verbal attackiert, aber andere Fahrgäste griffen zum Glück schützend ein. Ich verstehe nicht, warum manche Menschen anderen so etwas antun. Denn jeder kann sein Leben so führen, wie er es möchte. Und deshalb ist es mir auch so wichtig, den Leuten zu zeigen, wie man in einer solchen Situation am besten reagiert.

Welche Rolle hat Ihr Leben am meisten verändert?

Die "Ku’damm"-Reihe! Damit wurde ich sogar in Amerika wahrgenommen – und für den International Emmy Award nominiert. Das hat mich sehr geprägt, für die Erfahrung bin ich sehr dankbar.

Ihr Film heißt "Ein ganz normaler Tag". Heißt das, derartige Gewalttaten sind mittlerweile Alltag in Berlin?

Zum Glück nicht! Aber es gibt tatsächlich immer mehr Aggressivität in unserer Gesellchaft, und wir müssen jeden Tag um die Menschlichkeit kämpfen.

Kämpfen ist ein gutes Stichwort. Sind Sie selbst eine Kämpferin?

Ja, und zwar in dem Sinn, dass ich meinen Mund aufmache, wenn etwas falsch läuft. Ich bin eine Kämpferin für das Gute.

Sonja Gerhardt über "Ku'damm 59"

Hätten Sie auch genügend Mut, um dem Opfer solcher Gewalttaten zu helfen?

Ja! Wenn ich mitbekäme, dass jemand angegriffen wird, würde ich sofort zum Handy greifen und die Polizei informieren. Zu viele Menschen tun das nicht! Am Filmende bringt meine Figur dieses Problem perfekt auf den Punkt: "Es gibt noch zu viele, die denken, dass sie das nichts angeht. Aber jeder von uns kann den Unterschied machen."

Welche Schnittmengen gibt es zwischen Ihnen und der von Ihnen dargestellten Staatsanwältin?

Was das Fachliche betrifft, ist diese Rolle weit von mir entfernt, denn mit Jura habe ich nichts am Hut. Doch es gibt auch eine Ähnlichkeit: Trotz Höhen und Tiefen rappele ich mich ebenfalls immer wieder auf.

"Ku'damm 59"-Star Sonja Gerhardt im Video-Talk

Von welchen "Tiefen" sprechen Sie?

Ich kann mich nicht beschweren, trotzdem habe ich natürlich auch mal Selbstzweifel. So, wie jeder andere Mensch auch.

Als Staatsanwältin ermitteln Sie, um die Wahrheit herauszufinden. Hätten Sie Lust auf einen Job als "Tatort"-Kommissarin?

Klar, das würde ich mir auf jeden Fall überlegen. Aber generell möchte ich mir alle möglichen Rollen offenhalten.

Darf nach all den Heldinnen jetzt mal ein böses Mädchen sein?

Definitiv, da hätte ich richtig Lust drauf!