"Tatort: Inferno": Faber dreht durch

Im "Tatort: Inferno" (14. April, 20.15 Uhr, Das Erste) steht Peter Faber am Abgrund, nimmt LSD und verfolgt überarbeitete Ärzte.

Ein Mann knackt ein Auto und klaut das Lenkrad. Als Kommissar Faber das sieht, fragt er den Dieb lediglich nach dem Weg zum Spielplatz. So seltsam fängt der neue Dortmunder "Tatort" an. Auch das Ende des Falls lässt den Zuschauer mit einem großen Fragezeichen zurück: Faber wird bewusstlos und schwer verletzt in die Notaufnahme eingeliefert.

Darum geht's im "Tatort: Inferno"

Hektik in der Ruhr-Emscher-Klinik: Nicht nur die vielen Notfallpatienten und das knappe Personal stellen den Krankenhausalltag auf den Kopf. Die 38-jährige Internistin Dr. Gisela Mohnheim wird tot aufgefunden - nur in Unterwäsche und mit einer Plastiktüte über dem Kopf.

Die Kommissare Peter Faber (Jörg Hartmann) und Martina Bönisch (Anna Schudt) können von einem Sexunfall über Selbstmord bis hin zu einem brutalen Mord nichts ausschließen. "Ich komme auf kein Motiv – das ist wie angeln ohne Haken, das macht keinen Spaß", ist Faber ratlos. Ein Klinikmitarbeiter scheint aber mehr zu wissen, denn der Ruheraum, in dem die Tote lag, war verschlossen und darin befand sich kein Schlüssel.

Doch die Zeit, Fragen der Polizei zu beantworten oder zu trauern, hat im Krankenhaus niemand. Erst einmal muss Ersatz für die Tote gefunden werden. Die Ehe von Gisela schien kompliziert gewesen zu sein - aber welcher Krankenhausarzt im Schichtdienst führt schon eine gut funktionierende Beziehung? Als wenig später ein weiterer Mitarbeiter erhängt aufgefunden wird, zieht Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) die passende Schlussfolgerung: "Er hat in den letzten zwei Monaten 96 Überstunden - wie kann das sein? Hat ihn das umgebracht?"

Der aalglatte Chefarzt Dr. Dr. Andreas Norstädter (Alex Brendemühl) ist der Einzige, der ein offenes Ohr für Faber hat. Er erkennt sofort die Depression des Kommissars - und empfiehlt ihm die Einnahme von LSD. Und der lässt sich nicht lang bitten.

Hintergrund

Anna Schudt wurde gerade als "Beste Schauspielerin" mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet. Sie überzeugte die Jury vor allem in dem Emanzipationsdrama "Aufbruch in die Freiheit". Die 45-Jährige gewann 2018 auch den International Emmy Award für den Film "Ein Schnupfen hätte auch gereicht", in dem sie die Kabarettistin Gaby Köster spielt. Zu diesem "Tatort"-Fall und der Beziehung ihrer Rolle zu Kommissar Faber sagt sie: "In 'Inferno' macht Faber es Bönisch besonders schwer, mit ihm zusammen zu arbeiten. Sie sieht, wie er wieder auf eigene Faust ermittelt und sich in extrem gefährliche Situationen begibt."

Den Chefarzt Dr. Dr. Andreas Norstädter spielt der spanisch-deutsche Schauspieler Alex Brendemühl (46). Er lebt in Barcelona und ist im spanischem TV ein Star. Er war in "Die Vermessung der Welt", "Transit" und "Wann endlich küsst du mich" zu sehen.

Aylin Tezel hat angekündigt, dass sie sich 2020 als Kommissarin Nora Dalay aus dem Tatort verabschieden wird. Erst Hinweise, warum sie das Team verlassen könnte, zeigen sich hier erneut. Im "Tatort: Zorn" bekam sie, als ein Mann neben ihr eine Bombe zünden wollte, ihre erste Panikattacke. Jetzt scheint sie unter einer Angststörung zu leiden, auf die sie auch Bönisch anspricht und sie auffordert diese in den Griff zu kriegen.

Die letzte Folge "Zorn" missfiel dem Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Der SPD-Politiker schrieb im Januar in einem Brief an den WDR-Intendanten Tom Buhrow, dass das Ruhrgebiet klischeehaft negativ dargestellt sei. Bleibt zu hoffen, dass ihm der hier dargestellte Klinikalltag ebenfalls auf den Magen schlagen wird und er sich als Politiker gegen die Missstände an deutschen Krankenhäusern einsetzen wird.

Filmkritik

Unterbesetzte Notaufnahme, ein Kommissar, der freiwillig LSD-Trip einwirft, um die Dämonen seiner Vergangenheit zu bekämpfen – Faber-Fans werden im "Tatort: Inferno" garantiert auf ihre Kosten kommen. Denn der Dortmunder Parka-Cop dominiert diesen Fall und liefert sich mit dem Chefarzt ein Duell, aus dem keiner als Gewinner hervorgehen kann. Der stressige Klinikalltag schafft die passende Atmosphäre für den rasanten Psycho-Trip.