Dieter Hallervorden: "Ich bin ein absoluter Glückspilz!"

Exklusiv: Dieter Hallervorden über seine neue TV-Komödie "Mein Freund, das Ekel" (9. Mai, 20.15 Uhr, ZDF), Filmkritiker, Eunuchen, sein Theater und seine Zukunftspläne.

Der rote Samtvorhang gleitet zur Seite, auf der Bühne öffnet sich eine schwere Holztür – dann steht er plötzlich da: Dieter Hallervorden, 83. Moment, stimmt das Alter wirklich? Ein kurzer Blick auf die Notizen: Tatsächlich, der Kerl mit den blau blitzenden Augen und dem verschmitzten Lächeln ist Jahrgang 1935. Dabei wirkt er wie Anfang 70.

Er begrüßt uns freundlich, erklärt leidenschaftlich, dass er gerade mitten in den Proben für sein neues Theaterstück "Monsieur Claude und seine Töchter" stecke, und nimmt uns mit ins Café des altehrwürdigen Schlosspark Theaters in Berlin-Steglitz, das er gepachtet hat. Als wir uns dort gegenübersitzen, verrät er, was ihn so jung hält. Und mehr noch: Der Preisträger der GOLDENEN KAMERA von 2013 enthüllt auch, warum er gar nicht daran denkt, in den Ruhestand zu gehen, und wie er seine Karriere bewertet.

Dieter Hallervorden im Video-Talk

Dieter Hallervorden im Interview

Die Medien bezeichneten Sie früher als "Irren vom Dienst" und als "Hanswurst des pubertären Humors". Wie schwer war es, die Blödelgeister auszutreiben, die Sie in den 70ern mit "Nonstop Nonsens" gerufen haben?

Ich glaube, dass solche Klassifizierungen von Leuten stammen, die nicht begriffen haben, was bei "Nonstop Nonsens" dahinterstand. Didi war ein Typ, der mit einem großen Tablett guten Willens durch die Gegend rannte und dabei in jedes Fettnäpfchen trat, das sich ihm in den Weg stellte. Und in den Sketchen war viel Anarchistisches. Aber die meisten Kritiker sind nun mal wie Eunuchen: Sie können's selbst nicht, aber wissen genau, wie man's macht. Es waren die Zuschauer, die mir recht gegeben haben.

2013 erklärten Sie in HÖRZU, dass man Ihnen Unrecht tut, wenn man die Kunstfigur Didi mit Ihnen gleichsetzt und Sie auf "Palim, Palim" reduziert. Wie oft passiert das noch?

Inzwischen haben die Filme "Sein letztes Rennen" und "Honig im Kopf" sowie mein Engagement für das Schlosspark Theater dafür gesorgt, dass die Zuschauer zwischen Didi und Dieter unterscheiden können. Ich muss aber auch sagen, dass ich den Leuten solche Verwechslungen überhaupt nicht verüble, weil ich Didi immer sehr gemocht und ihn stets gern gespielt habe. Allerdings wollte ich nicht lebenslang Didi sein, sondern auch zeigen, dass in mir noch was anderes steckt. Heute bin ich froh, dass mir das gelungen ist. Aber Didi und ich begegnen uns noch ab und zu in meinem Privatleben – dank meiner Ungeschicklichkeit.

In Ihrem neuen Film "Mein Freund, das Ekel" spielen Sie den tyrannischen Olaf Hintz, der im Rollstuhl sitzt. Was reizte Sie an der Rolle des ruppigen, anfangs unsympathischen Kauzes?

Das Drehbuch! Denn ich habe schon beim ersten Lesen erkannt, dass es wirklich gut ist. Und als die weibliche Hauptrolle dann auch noch mit Alwara Höfels ideal besetzt wurde, habe ich sofort zugesagt.

Bekommen Sie noch viele gute Drehbücher angeboten?

Nein! Ansonsten würde ich öfter im TV-Betrieb zu sehen sein.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten alle Rollen, die Sie jemals gespielt haben, für ein Gruppenbild aufstellen. Welche Figur stünde dann im Fokus?

Das wäre wohl der liebe Gott, der zu mir sagt: "Du hast viele Menschen zum Lachen gebracht, aber selbst viel zu wenig gelacht. Ich gebe dir eine zweite Chance: Lerne, nicht immer so sehr Pflichtmensch zu sein!"

Sie waren tatsächlich immer sehr pflichtbewusst, auch als Komiker, Kabarettist, Sänger, Schauspieler, Moderator, Theaterleiter und Buchautor. Ist die Liste damit komplett?

Nein, nebenbei bin ich noch Vater, Hobbygärtner, Segler und seit neuestem Liebhaber – glücklicherweise, ohne dabei vom Publikumsgeschmack abhängig zu sein.

Aber welche der sieben oben aufgeführten Tätigkeiten bedeutet Ihnen am meisten?

Bühnenschaupieler, denn darin sehe ich die Keimzelle meines beruflichen Lebens.