Karin Hanczewski – ein Star zwischen Krimi und Komik

Egal, ob als "Tatort"-Kommissarin (28. April, 20. 15 Uhr, ARD), Prostituierte oder Jugendtrainerin (in "Ava" 25. April, 23.25 Uhr, RBB) Hanczewski stehen ernste Rollen genau so gut wie absurde.

Irgendwie wirkt sie unsympathisch – zumindest auf dem Bildschirm. In ihrer Paraderolle als alleinerziehende Dresdner "Tatort"-Kommissarin Karin Gorniak provoziert Karin Hanczewski mit ihrem bissigen Humor die Kollegen. Als "Lotte", im gleichnamigen Film, mimt sie die verkorkste Mutter, die ihre Tochter im Stich gelassen hat und sie zum Rauchen animieren will. Im ARD-Film "Familie ist kein Wunschkonzert" spielt sie eine zickige Schwester, die ihrer Familie ständig ihren eigenen Erfolg unter die Nase reibt. Kurzum, auf den ersten Blick, fällt es einem schwer, Karin Hanczewski zu mögen. Aber spätestens seit Klaus Kinski oder "Dr. House" wissen wir, dass solche schwarzen Charaktere auf den Zuschauer anziehend wirken.

Trailer: "Lotte"

Das trifft auch auf Karin Hanczewski zu. Egal, wie provokant oder gehässig sie in ihrem Spiel ist – in ihrem Blick und ihren braungrünen Augen, sowie in ihrem beim Lächeln leicht gekräuseltem Mund stecken etwas, was sie liebenswert erscheinen lassen. Genau diese Gegensätzlichkeit, Fiesling und Sympathieträger in einem dar zu stellen, belegen das vielfältige Können der Berliner Schauspielerin.

Karin Hanczewski – die Anfänge

Ist es einfach nur Talent oder hat sie sich das schwer erarbeitet? Immerhin hat sie das Handwerk von der Pike auf gelernt. Mit 20 begann sie eine vierjährige Ausbildung am Europäischen Theaterinstitut Berlin. Im Anschluss übernahm sie von 2005 bis 2008 ein Festengagement am Jungen Theater in Göttingen. Es folgten die ersten TV-Auftritte in Krimis wie "Ein Fall für zwei", "SOKO Wismar" oder "Der Kriminalist". Seit 2016 darf sie selbst ermitteln – als Dresdner "Tatort"-Kommissarin, ein Ritterschlag für jeden Deutschen Schauspieler.

Aber dies ist nicht die erste Anerkennung, die sie erhielt. Für den Film "Im Sommer wohnt er unten" (2015) wurde sie mehrfach mit Preisen ausgezeichnet. Das Drama lief auf der Berlinale und es wurde genauso wie Hanczewskis Darstellung frenetisch von Kritikern gefeiert – und das obwohl diesmal ihr Filmpartner Godehard Giese die Rolle des Ekels übernahm.

Immer wieder mit Godehard Giese vor der Kamera

Mit Godehard Giese steht sie momentan auch für den Kinofim "Schwester.Herz" vor der Kamera. Gemeinsam drehten sie schon "Die Familie" (2017) und den Kurzfilm "Auf den Hund gekommen"(2014).

Auch in Serien überzeugt sie: Seit 2015 hat sie einen festen Part in "Meuchelbeck" und seit 2011 in "Reiff für die Insel", zudem spielte sie vier Folgen lang die Ex des Kriminaloberkommissars Tom Kowalski (Steffen Schroeder) in "SOKO Leipzig". Außerdem beherrscht Hanczewski die Königsdisziplin: das richtige Timing im Komödiantischen.

Karin Hanczewski– ein Comedystar?

In der Comedyserie "Der Tatortreiniger" mimt sie eine streng vegane Rollstuhlfahrerin, die immer noch an ihrem fleischessendem Ex-Freund hängt, mit einer solchen Präzision, dass der Zuschauer zwischen Lachen und Leiden hin und her gerissen ist. In der Satirereihe "jerks." und im Film "Container" stellt sie jeweils eine Prostituierte dar. Besonders viel Spaß bereitet sie den Zuschauern bei ihrem Gastauftritt bei "Kroymann":

Karin Hanczewski privat

Ob sie auch privat eine solche Frohnatur ist, lässt sich nur schwer erahnen. In ihren seltenen Interviews hält sie sich zurück, verrät wenig über ihr Privatleben. Kinder? Kann sich die 37-Jährige zumindest vorstellen. Hobbys? Unzählige! Yoga, Schwimmen, Ski, Reiten, Fechten, Inlineskaten, Tisch-Tennis, Akrobatik, Gitarre und Klavier stehen bereits in ihrer Vita. Sie wuchs zweisprachig mit Deutsch und Polnisch in Berlin auf. Im Interview mit der B.Z. sagte Karin Hanczewsk: "Für mich bedeutet Familie, sich die Leute auszusuchen, denen man nahe sein will. Das können auch Freunde sein." Ihre große Liebe gilt ihrem Mischlingshund.

Eines ist klar, egal wie unsympathisch ihre Rollen auch sind, irgendwie schließt der Zuschauer Karin Hanczewski immer ins Herz – selbst wenn sie als "Lotte" ihre Tochter anbrüllt: "Ich wollte nie Mutter sein".

Filme mit Karin Hanczewski:

-"Ava" (25. April, 23.25 Uhr, RBB)

-"Reiff für die Insel" (27. April,13.20 Uhr, HR)

-"Tatort: Das Nest" (28. April, 20. 15 Uhr, ARD)