"50 Jahre ZDF-Hitparade": Die große Show zum Jubiläum

Thomas Gottschalk und Schlagerstars erinnern an große Momente der "ZDF-Hitparade", die vor 50 Jahren startete.

Zackig geht es los im Januar 1969: Die Uhr startet bei null, die rasante Titelmelodie von James Last sorgt für musikalischen Sog, die Kamera schwenkt aufgeregt durchs Publikum. "Hier ist Berlin", ruft der Moderator ins Mikrofon, der sich als Dieter Thomas Heck vorstellt. Dann macht er einen tiefen Diener und erklärt in Hochgeschwindigkeit die Regeln der "Ausgabe Nummer eins der Hitparade".

Unvergessen: Dieter Thomas Heck

Gesungen wird live, nur die Musik kommt vom Band. "Eigentlich ist das noch keine Hitparade", sagt Heck. Zum Auftakt werden erst mal 14 Titel vorgestellt, die Zuschauer bestimmen dann per Postkarte ihre Lieblingshits. Es ist Hecks Idee. Er ist Radiomoderator, liebt deutsche Schlager. Beim Fernsehen noch ein Neuling, wird er nun zum TV-Star.

In den 1970ern sehen 27 Millionen Menschen seine Show. "Die gehörte damals neben dem 'Beat-Club' zur musikalischen Grundausstattung", sagt Thomas Gottschalk. Er erinnert in der "Großen Jubiläumsshow" (27. April, 20.15 Uhr, ZDF) an besondere Momente.

Rekordverdächtige Gäste

Zu Gast sind Stars wie Howard Carpendale, Michael Holm, Heino und Nicole, die früher selbst dort auftraten. Nicole errang 17-mal den ersten Platz – Rekord! Die meisten Auftritte schaffte Roland Kaiser: ganze 67. Schon in der ersten Ausgabe ist die Liste der Schlagerstars beeindruckend: Karel Gott, Bata Illic, Graham Bonney, Manuela, die im Mai 1970 als erste Frau gewinnen wird.

Roy Black erobert mit "Ich denk an dich" als Erster die Spitze – und setzt sich dort drei Monate fest. Deshalb beschließt das ZDF die erste Reform: Alle Künstler dürfen mit demselben Lied nur dreimal dabei sein. Immer dabei ist bis 1995 dagegen die Zuschauerin Frieda Zölle, die zur "Hitparaden-Oma" avanciert. Regisseur Truck Branss platziert sie ab Folge 10 stets ganz vorn neben einem Star. Als sie selbst eine Single veröffentlicht, wird sie 1973 in die hinteren Reihen verbannt – wegen der Gefahr von Schleichwerbung.

Bei der Premiere tritt auch Peter Orloff auf, der 1970 für den ersten Skandal sorgt: Für seinen Titel "Baby Dadamda" gehen 11.037 Karten mit derselben Handschrift ein. Orloff beteuert zwar seine Unschuld, wird aber disqualifiziert und darf eine Weile nicht mehr auftreten.

GOLDENE KAMERA für Dieter Thomas Heck

1971 erhält die "Hitparade" die GOLDENE KAMERA als "Beste Sendung für junge Leute". Doch Anfang der 80er-Jahre ist das Publikum schon älter und wird von Vertretern der Neuen Deutschen Welle mit schrillen Auftritten verschreckt: Hubert K. erscheint 1982 im Nachthemd, Trio 1983 mit einem Schimpansen. Erste Bands weigern sich zudem aufzutreten: Die Show ist ihnen zu altbacken.

1984 steigt Heck nach 183 Sendungen aus. Seine Nachfolger Viktor Worms und Uwe Hübner haben weniger Erfolg: Zu häufig wechseln Sendeplatz und Konzept. Nach insgesamt 368 Folgen ist im Jahr 2000 endgültig Schluss. Unvergessen bleiben vor allem die Jahre mit Schnellsprecher Dieter Thomas Heck.

"Ich habe ihn als launigen Unterhalter in Erinnerung", sagt Thomas Gottschalk über den Entertainer, der im August 2018 starb. Gottschalk erlebte noch, wie Heck in einem Hotel in Berlin "großzügig Runden schmiss". Das waren noch Zeiten: zackig, rasant und aufgeregt.

Schlager-Medley für Dieter Thomas Heck